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Windkraft: Der Norden ist spitze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesweit wurden im ersten Halbjahr 650 Windräder gebaut / Ein Viertel davon wurde in Schleswig-Holstein errichtet

Schleswig-Holstein hat es wieder an die Spitze geschafft. Nachdem im „windigen“ Norden drei Jahre lang die Kapazität der Windkraftanlagen deutlich weniger wuchs als bei der Konkurrenz in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, spürt die Energiewirtschaft zwischen Ost- und Nordsee jetzt wieder kräftigen Rückenwind. „Mit 159 Windrädern und einer neuinstallierten Leistung von 443 Megawatt trägt das nördlichste Bundesland im ersten Halbjahr gut ein Viertel zum Zubau in ganz Deutschland bei“, teilte der Bundesverband Windenergie gestern in Kiel mit. Es folgten Niedersachsen (190 Megawatt) und Brandenburg (189) mit Anteilen von je elf Prozent sowie Mecklenburg-Vorpommern (174) mit gut zehn Prozent. In ganz Deutschland übertraf die im ersten Halbjahr installierte Leistung bei 650 neuen Anlagen an Land mit 1723 Megawatt das Vorjahresergebnis um 66 Prozent.

Die Verdreifachung des Zubaus in Schleswig-Holstein im Vorjahresvergleich führt Verbandspräsident Hermann Albers wesentlich darauf zurück, dass die Landesregierung 2012 zusätzliche Windeignungsflächen ausgewiesen hatte. Im Grünen Energie-Musterland Baden-Württemberg wurde übrigens nur ein neues Windrad aufgestellt. „Weil die Naturschützer so viel klagen“, klärt Albers auf.

Ganz zufrieden ist er allerdings auch mit dem Wachstum im Norden nicht Die Windausbeute könnte um 30 Prozent größer sein, wenn die Mühlen höher in den Himmel wachsen dürften. Im Bundesschnitt liegt die Nabenhöhe im Schnitt bei 113 Metern, im Norden nur bei 84, weil Kommunen sich sperren – vor allem wegen der Blinklichter, die ab einer Höhe von 100 Metern von Seiten der Flugsicherung vorgeschrieben sind.

Wind von vorne gibt es laut Albers auch wegen der Reform des EEG-Gesetzes. Der kräftige Zuwachs beim Windenergie-Ausbau beruhe nämlich nur auf einem Vorzieh-Effekte: Weil zum 1. August die garantierte Vergütung um bis zu 25 Prozent abgesenkt wurde, haben alle Windmüller beim Bau Druck gemacht, um noch die alte Subventionshöhe zu ergattern. Jetzt steht die Branche laut Albers vor „großen Herausforderungen“. Der Zubau an Land werde sich deshalb in Deutschland von voraussichtlich 3300 bis 3700 Megawatt in diesem Jahr auf 2500 bis 3000 Megawatt im Jahr 2015 verringern. Dies wäre aber immer noch ein guter Wert.

Ausgesprochen kritisch äußerte sich der Verbandspräsident über die angekündigte Ausschreibungspflicht für den Bau neuer Anlagen, die bis 2017 greifen soll. Der günstigste Anbieter soll dann jeweils den Zuschlag bekommen. Dies beunruhige Hersteller wie Betreiber und ganz besonders die Beteiligten an den in Deutschland populären Bürgerwindparks, sagte Albers. Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass das Ziel sinkender Preise mit Ausschreibungsmodellen nur sehr schwer zu erreichen sei. Immer wieder komme es vor – aktuelles Beispiel Irland –, dass Konzerne Ausschreibungen für sich entscheiden, dann jedoch gar nicht bauen.

Bemerkenswert ist aus Sicht des Bundesverbandes, dass die Mitte und der Süden Deutschlands ihren Anteil an der gesamten Windenergie-Erzeugung erhöhen. Nur noch 40 Prozent der installierten Leistung befindet sich demnach in den windstarken nördlichen Bundesländern. Die Mitte komme mittlerweile auf 45 Prozent. Rheinland-Pfalz erreichte im ersten Halbjahr beim Zubau mit 161 Megawatt den fünften Platz in Deutschland, vor dem Freistaat Bayern mit 141 Megawatt. Der Grund: Die Technik hat sich derart entwickelt, dass auch an weniger windstarken Standorten effizient Strom produziert werden kann.

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erstellt am 14.Aug.2014 | 13:21 Uhr

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