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Autokauf : Wie günstig sind Diesel in Zeiten der Krise? Wir machen den Test

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Laut einer Rabattstudie der Universität Duisburg-Essen sollen Diesel so günstig sein wie selten. Was ist dran?

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2017 | 15:03 Uhr

Die Dieselkrise hat zu rosigen Zeiten für Autokäufer geführt. Die Rabatte für Neuwagen seien mit den von den Herstellern ausgelobten Umweltprämien durch die Decke gegangen, berichtet das Car-Center der Universität Duisburg-Essen in seiner regelmäßigen Rabattstudie. Der seit 2010 auf dem deutschen Automarkt erhobene Rabattindex sei im August auf einen absoluten Höchstwert gestiegen.

In Kombination mit anderen Preisaktionen könnten Käufer eines neuen Skoda Octavia oder eines VW Passat bis zu 46 Prozent des Listenpreises sparen, wenn sie einen mehr oder weniger schrottreifen Alt-Diesel abwracken, schilderte Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer einschlägige Angebote des besonders preis-aggressiven VW-Konzerns.

Bei manchen Herstellern würden Teile anderer Preisnachlässe mit den beworbenen Umweltprämien verrechnet, so dass beispielsweise beim Hyundai i20 gerade einmal 292 Euro zusätzlicher Diesel-Rabatt herauskämen.

Das Institut rechnet mit deutlichen Marktanteilsgewinnen für VW. „Kurzfristig gibt es einen kräftigen Impuls, der aber mit deutlich schlechteren Margen, Rabatt-Gewöhnungs-Effekten und Reaktionen der Wettbewerber verbunden sein wird“, meint Dudenhöffer. Insgesamt werde der Automarkt durch die Preisaktionen nach dem „Dieselgate“ ins Ungleichgewicht gebracht. Vor allem die Preise für junge Diesel-Gebrauchtwagen stehen unter starkem Druck.

Volkswagen

Meine erste Station ist ein großes VW-Autohaus. Ich behaupte, einen alten 3er Golf Diesel zu besitzen und ein Angebot mit dieser „neuen Prämie“ zu wollen. Der Verkäufer redet nicht um den heißen Brei. Sofort zeigt er mir auf seinem Computer die Liste mit Rabatten.

Ich wähle die Variante Trendline ohne viel Zubehör. Nach einer Fragestunde über Zubehör und Sonderpakete legt er mir eine lange Liste vor. Der Originalpreis läge bei 21.557,75 Euro. Die Umweltprämie bringt mir 5000 Euro Ersparnis, wenn ich meinen alten Diesel verschrotten lasse. Der Händler hält sich an die Vorgaben des Herstellers. Wie selbstverständlich und ohne weitere Nachfrage bekomme ich zudem einen kleinen Händlerrabatt. Nochmal 1657,75 Euro gespart. Insgesamt macht das 14.900 Euro für einen neuen Golf.

 

Fazit: Der VW-Händler bietet mir einen Golf-Neuwagen für 14.900 Euro an. Das macht eine Ersparnis von 31 Prozent, ohne dass ich nachbohren musste.

 

VW Golf Trendline 1.0 TDI

Listenpreis: 21.557,75 Euro

Händler-Rabatt: 1657,75 Euro

Umweltprämie: 5000 Euro

Preis: 14.900 Euro

Ersparnis: 31 Prozent

BMW

Bei einem BMW-Autohaus möchte ich herausfinden, ob die Umweltprämie auch für Gebrauchtwagen gilt. Ich gebe vor, mich für einen Vorführwagen zu interessieren, mit dem ich meinen alten BMW Diesel ersetzen wolle. Ich frage nach der Umweltprämie. Der Verkäufer ist skeptisch, klickt sich lange durch seinen Computer. Schließlich bietet er mir eine Prämie von 1500 Euro an.

Das klingt mager, bei einem Preis von 25.950 Euro für den jungen Gebrauchtwagen. Wie kommt diese Zahl? „Das hat was mit den CO2-Werten bei jungen Gebrauchten zu tun”, sagt er knapp. Dann wird es merkwürdig: „Schicken Sie mir doch mal den Kilometerstand ihres alten Wagens, dann schauen wir mal“, sagt er. Wozu der Kilometerstand? Die Autohändler verpflichteten sich, die alten Diesel nachweislich zu verschrotten. Der Verkäufer bietet mir an, den alten EURO 3 Diesel wiederzuverkaufen.

Fazit: Wenn Sie sich für einen „jungen Gebrauchtwagen” interessieren, fällt die Umweltprämie verschwindend gering aus. Außerdem verschrottet BMW die Fahrzeuge nicht.

 

BMW 218i Active Tourer

Originalpreis: 24.950 Euro (gebraucht)

Händler-Rabatt: 0 Euro

Umweltprämie: 1500 Euro

Preis: 23.450 Euro

Ersparnis: 6 Prozent

Opel

Zu Besuch bei einem Opel-Händler. Ich erkundige mich in der Verkaufshalle nach einem neuen Opel Astra. Der Verkäufer zeigt mir einen braunen Neuwagen. Benziner, 5-Türer in der Variante „Active“. Preis: 22.080 Euro. Von selbst bietet er mir keinen Rabatt an. Ich hake nach. „Umweltprämie“?  „Bei dem hier bekommen Sie 5000 Euro.“„Keinen zusätzlichen Händlerrabatt?“ Der Verkäufer schüttelt den Kopf. „Das Autohaus muss die Umweltprämie alleine tragen, da kann ich nicht noch mehr drauflegen.“

Kaum zu glauben. Wenn das stimmt, dass das  Autohaus die Umweltprämie zahlt, dann ist der angebliche neue Nachlass nur ein klassischer Händlerrabatt unter neuem Namen. Noch auf dem Autohaus-Gelände rufe ich beim Mutterkonzern Opel in Deutschland an. Ich möchte wissen, wer die 5000 Euro trägt: der Hersteller oder die Autohändler? Nach einer Wartezeit bekomme ich die Antwort: „Zu den geschäftlichen Details zwischen Hersteller und Händler äußern wir uns nicht.“

Fazit: Das mit der Dieselprämie bei Opel stinkt zum Himmel. Der Preisnachlass von 5000 Euro ist zwar in Ordnung, doch Opel zahlte bereits früher Händlerrabatte bis zu 20 Prozent. Hat Opel dem Rabatt einfach einen neuen Namen gegeben?

 

Opel Astra Active 1.4 Ecotec

Originalpreis: 22 080 Euro

Händler-Rabatt: 0 Euro

Umweltprämie: 5000 Euro

Preis: 17 080 Euro

Ersparnis: 22 Prozent

Honda

Meine letzte Station ist ein Honda-Autohaus. Ich frage nach einem Honda Civic und ob es eine Umweltprämie dafür gebe. „Ich habe erst gestern so eine Mail vom Hersteller bekommen.“ Gestern? Die Umweltprämie wurde Anfang August verkündet. Am Schreibtisch nennt er mir den Rabatt: 2000 Euro. Nicht viel für einen neuen Civic mit einem Gesamtpreis von 25.255 Euro.

Der Verkäufer rät mir, dass ich meinen alten Diesel lieber verkaufen sollte, dabei spränge mehr für mich heraus. Unabhängig davon könnten wir über Händlerrabatt reden. Auf diese Weise würde ich mehr Geld sparen. Ich hake nach, ob man die 2000 Euro Umweltprämie nicht mit einem weiteren Händlerrabatt kombinieren könne. „Nein, entweder oder.“

Fazit: Welchen Sinn hat die Umweltprämie, wenn mir der Händler rät, den alten Diesel zu verkaufen statt ihn zu verschrotten? Übersetzt bedeutet das: Die Prämie hat keinen Wert.

 

Honda Civic

Originalpreis: 25.255 Euro

Händler-Rabatt: 0 Euro

Umweltprämie: 2000 Euro

Preis: 23.255 Euro

Ersparnis: ca. 8 Prozent

 

Fazit: Alter Rabatt, neuer Name

Wer sich für die „Umweltprämie“ interessiert, muss Geduld und Hartnäckigkeit mitbringen. Kundenfreundlich ist der neue Rabatt nicht. Eines sollte jeder Kunde wissen: Noch bis Ende 2015 lieferten sich die Autokonzerne mit Händlerrabatten über 30 Prozent eine Preisschlacht. Diese Zeiten scheinen  Geschichte. Der  Eindruck bei diesem Test war, dass die Verkäufer darauf spekulieren, dass ihre Kunden die alten Neuwagenrabatte vergessen haben. Nur das beste Angebot von VW erreicht annähernd die früheren Prozente. Auch wenn einige Händler die Umweltprämie anstandslos anbieten: Wer einen Wagen mit Dieselbonus kaufen will, spart – besser:  zahlt so viel wie immer.

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