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Wirtschaft

22. Oktober 2017 | 00:03 Uhr

Handel : Wenn die Ukraine ruft

vom

Die aktuelle Krise mit Russland belastet auch den Handel der Ukraine mit Deutschland. Doch das Potenzial für die Zukunft ist groß.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2016 | 18:51 Uhr

Große deutsche Unternehmen wie Siemens, Knauf, Metro Group, Kromberg & Schubert, CLAAS, Heidelberg Cement, BASF, Leoni Wiring Systems UA GmbH und andere sind schon seit vielen Jahren auf dem ukrainischen Markt tätig. Die aktuelle Krise zwischen der  Ukraine und Russland ist auch für sie ein Thema. Trotz der vielen Schwierigkeiten glauben viele Unternehmer dabei nach wie vor an das große Potential des deutsch-ukrainischen Handels – das gilt auch für Unternehmen in Schleswig-Holstein.

Was sagen die Statistiken?
In der ersten Hälfte 2016 hat sich der Warenaustausch zwischen Deutschland und der Ukraine um 20 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro erhöht. Das geht aus der Analyse des Ost-Komitees der deutschen Wirtschaft und dessen Daten über den Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland mit den Ländern Osteuropas hervor. Dabei ist der deutsche Export in die Ukraine um 31 Prozent gestiegen, und der ukrainische nach Deutschland um 3,75 Prozent. Das größte Wachstum des Exports aus Deutschland entfällt dabei auf den Automobilsektor und damit verbundene Lieferungen – um 60 Prozent. Ein Rekordwachstum des ukrainischen Sektors entfällt auf die Tabakbereich – um 395 Prozent. Zudem hat die Ukraine um 45 Prozent die Lieferungen aus landwirtschaftlicher Produktion und Kleidung erhöht. Deutschland hat traditionell einen hohen Exportanteil an chemischer und pharmazeutischer Industrie.

Eines der Unternehmen, das es schafft, mit der Situation in der Ukraine umzugehen, sind die Walterwerke Kiel. „Wir haben in der Ukraine nur einen kleinen Markt“, sagt Andreas Eule, Geschäftsführer von Walterwerke Kiel. „Wir verkaufen unsere Waffelbackanlagen, Modell Walter Jupiter, in die Ukraine. Das ist ein Handel nach dem Business-to-Business-Modell, das heißt, die Produktion verkaufen wir unseren ukrainischen Geschäftspartnern, und dadurch kommt sie dann in die ukrainische Industrie“, erklärt Eule. Die Firma hat keine Partner im ostukrainischen Kriegsgebiet. Eule ist optimistisch. „Die Perspektiven sind gut“, sagt er mit Blick auf zukünftigen Handelsbeziehungen.

Erst im Oktober wurde die deutsch-ukrainische Industrie- und Handelskammer in Kiew eröffnet. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben wird es sein, die Zusammenarbeit zwischen der deutschen und ukrainischen Wirtschaft zu fördern.

Das Handelsvolumen zwischen Schleswig-Holstein  und Russland und die Ukraine ist in der Summe nicht so groß. Russland belegt nur 13 unter den Außenhandelspartnern, die Ukraine liegt außerhalb der Top 20. Wie aus Zahlen des Statistikamtes Nord hervorgeht, nimmt die Ukraine in der Liste der wichtigsten Handelspartner für Schleswig-Holstein in 2014 gerade einmal noch den 51 Platz ein (2013:  44). Während Unternehmen im Norden 2013 beim Im- und Export noch Waren im Gesamtwert von 111,5 Millionen Euro mit der Ukraine austauschten, waren es in 2014 noch Güter im Wert von 77,6 Millionen Euro. Im deutschen Ländervergleich belegt Schleswig-Holstein sowohl bei den Ein- wie auch bei den Ausfuhren nur Rang zwölf.

Die Ukraine will diese Situation ändern. Ein Vorteil für Unternehmer aus Schleswig-Holstein kann dabei in der logistischen Nähe zum Hamburger Hafen bestehen, von dem es eine Handelslinie nach Odessa gibt. „Ich hoffe, dass die enge deutsch-ukrainische politische Zusammenarbeit sich auch im wirtschaftlichen Bereich fortsetzen wird“, erklärte der Minister für Regionalentwicklung der Ukraine, Gennadij Subko, bei der Eröffnung der neuen deutsch-ukrainischen Kammer. Wenn es nach den Ukrainern geht, so sind die Potentiale nicht nur für Großunternehmen immens. Deutsche Investoren könnten sich dabei nicht nur für den Agrarsektor und die Infrastruktur, sondern auch für die Bereiche Energieeffizienz, den Hochtechnologiesektor und den Bereich der professionellen Ausbildung interessieren.

Dass es Vor- wie auch Nachteile hat, in der Ukraine Geschäfte zu machen, räumen die deutschen Unternehmer offen ein. Bernd Ludewig, Mitglied der Konzernleitung des deutschen Unternehmens CLAAS, ein Produzent von Landwirtschaftstechnik, unterstreicht, dass es in der Ukraine eine gut entwickelte Hafen- und Transportinfrastruktur gibt. Aber zugleich leugnet er nicht, dass das Geschäftmachen in der Ukraine durch die Bürokratie, das instabile Finanz- und Bankensystem erschwert wird.

Aber alle Unternehmer sind sich einig, dass es gerade das hoch qualifiziertes Personal ist, das zu den größten Vorteilen der Ukraine zählt. Im ukrainischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung wird zudem betont, dass die deutschen Unternehmer über die Ukraine nicht nur Zugang zum ukrainischen Binnenmarkt, sondern auch zu Drittstaaten bekommen, mit denen ein Freihandels-Abkommen besteht.  Trotzdem viele Experten sind sich einig, dass der wichtigste Faktor, um den deutsch-ukrainischen Handel zu entwickeln, darin besteht, die Korruption in der Ukraine erfolgreich zu bekämpfen und den Einfluss der Oligarchen zurückzudrängen.

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