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Wirtschaft

21. Oktober 2017 | 16:26 Uhr

Wenn Autobauer online gehen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mercedes verkauft als erste deutsche Marke seine Wagen direkt übers Internet – Handel unter Druck

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Die Deutschen setzen beim Einkauf immer stärker auf das Internet – das gilt auch beim Autokauf. Mit einem Pilotprojekt in Hamburg will Mercedes als erster großer deutscher Autobauer nun auf diesen Trend aufspringen und seine Modelle künftig direkt über das Netz verkaufen. Während alteingesessene Händler in Schleswig-Holstein darin eine Chance sehen, sind Branchenexperten skeptisch.

„Wir wollen Kunden ansprechen, die wir sonst so nicht erreichen“, erklärt Mercedes-Sprecherin Ulrike Bless in Stuttgart die Idee hinter dem Online-Store, in dem bestimmte Fahrzeuge drin seien, die dann geleast werden könnten. „Das ist wirklich wie im Regal“, sagt Bless. Ein wesentlicher Vorteil soll dabei die Liefergeschwindigkeit sein: „Es geht uns um Kunden, die das Fahrzeug vor allem schnell haben möchten.“

Als Angriff auf das Privileg der Markenhändler will Mercedes den Schritt dabei nicht verstehen. Die Händler seien stets eingebunden gewesen, so Bless. Zudem betont die Sprecherin: „Der Händler ist derjenige, der das Auto ausliefert.“ Und zumindest in der Pilotphase bekomme der jeweilige Händler dann auch die volle Marge. Ob das so bleibt, ist offen. Bless konnte dazu keine Angaben machen.

Marco Jensen, Verkaufsleiter bei Klaus & Co. in Flensburg, einem der größten Mercedes-Händler der Region, steht dem Online-Verkauf des Stuttgarter Konzerns derzeit noch grundsätzlich positiv gegenüber. Die Folgen mag er noch nicht abschätzen. „Was sich am Markt da tut, das können wir heute noch gar nicht beurteilen.“

Mercedes ist bislang unter den deutschen Marken Vorreiter mit seinem Verkaufskonzept. BMW bietet bislang nur für das E-Auto i3 die Möglichkeit, im Internet eine Kaufanfrage für ein selbst-konfiguriertes Modell zu stellen. Audi wiederum will 2014 einen digitalen Showroom in Berlin eröffnen, in dem Modelle in Originalgröße auf einer Videoleinwand erkundet werden können. Aus Sicht von Experten ist das alles zu wenig – und kommt zu spät.

„Online ist ein Riesenthema“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (Car) an der Universität Duisburg-Essen – ein Trend, den Mercedes, Audi und Co. verschlafen hätten. „Die Autobauer sind im Online-Vertriebskanal überhaupt nicht vertreten.“ Dem Konzept von Mercedes erteilt der Experte dann auch eine Absage. Die Auswahl sei zu gering, die Wagen nicht günstiger als beim Händler.

Im Netz geben nach Dudenhöffers Einschätzung andere Firmen den Ton an: Autoportale wie MeinAuto oder Mobile.de. Dort würden Preisnachlässe von 18 Prozent des Listenpreises gewährt, mehr als bei den meisten stationären Händlern. Der Grund: Ausstellungsräume, Beratungsgespräche und Probefahrten kosten Geld – und das nicht zu knapp. „Wenn sie das alles rausrechnen, kommen sie schon gut 10 Prozent unter den Listenpreis“, so Dudenhöffer. Für den stationären Handel sagt er harte Zeiten voraus. „Wir haben eine starke Konzentration.“ Gab es vor rund zehn Jahren 18 000 Händler, seien es heute noch 12 000. Mittelfristig dürfte die Zahl auf 8000 sinken. Für die Zukunft sieht Dudenhöffer zwei Vertriebskanäle: „Es gibt diese Kunden, die wollen Beratung vom Händler.“ Stark wachsen würde jedoch vor allem die Gruppe derer, die einen günstigen Preis haben wollen.

Bei Klaus & Co. gibt sich Jensen gelassen. Beim Neuwagen-Kauf gehe es schließlich mitunter um Beträge, mit denen sich ein Einfamilienhaus finanzieren lasse, erklärt er. „Das macht man nicht per Knopfdruck.“

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