Politik gegen illegale Einwanderer : Weniger Arbeiter für Farmen in den USA

Ein Farmer erntet Radieschen in Belle Glade, Florida (USA).
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Ein Farmer erntet Radieschen in Belle Glade, Florida (USA).

Illegale Arbeiter haben Angst vor Donald Trumps Ausweisungspolitik. Das bekommt die Wirtschaft bereits zu spüren.

shz.de von
28. März 2017, 11:49 Uhr

Washington | Donald Trumps restriktive Abschiebepolitik verschreckt in den USA immer mehr illegale Arbeiter. Schon jetzt wird deutlich, wie wichtig sie für das Wirtschaftsleben sind. Das berichtet das „Handelsblatt“. Demnach spürt die erste Industriesparte die Folgen der Politik aus dem Weißen Haus: Die Landwirtschaft. Denn viele illegale Arbeiter trauen sich nicht mehr auf die Farmen – aus Angst vor der Abschiebung. Die Folge: Auf US-Bürger werden bald steigende Lebensmittelpreise zukommen.

Donald Trumps Regierungszeit ist bereits von einigen Misserfolgen und Affären geprägt. Seit seinem Amtsantritt im Januar ist ein Einreisebann für muslimisch dominierte Länder bereits zwei Mal gescheitert. Die Abschaffung von Obamacare und Einführung eines Trump-Care scheiterte im Kongress. Auch die mutmaßlichen Kontakte nach Russland machen seiner Regierungstruppe zu schaffen.

„Drogenhändler und Kriminelle“ wollte Donald Trump zu erst ausweisen. Warum es kürzlich fünf Apfelpflücker auf dem Weg zur Arbeit traf, die angehalten und verhaftet wurden, weiß nur der US-Präsident. Alle waren sie illegal im Land, hatten jedoch keine Vorstrafen. Zuvor waren laut Bericht bereits Aktivisten der Immigrantenszene, die andere Einwanderer über ihre Rechte informieren, verhaftet worden. Ihr einziges Vergehen war die illegale Einreise.

Die Studie eines Landwirtschaftsfinanzierers zeigt auf, dass allein im Bundesstaat New York 1080 Farmen „sehr verwundbar“ seien, wenn alle illegalen Arbeiter ausgewiesen würden. Farm Credit East geht davon aus, dass diese dann Konkurs anmelden müssten. Der Umsatz dürfte um 1,37 Milliarden Dollar fallen. Die Politik des US-Präsidenten hat in der Folge auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze von US-Amerikanern. 21.000 landwirtschaftliche Jobs und 23.000 bei Zulieferern stehen auf dem Spiel. Dreht sich die Spirale weiter, so würden zu den steigenden Preisen auch höhere Lebensmittelimporte kommen – unter Umständen aus Mexiko.

Bernie Sanders kritisiert Donald Trump schon seit dem Wahlkampf. Geht es nach dem Demokraten aus Vermont sollte Trump sich auf Leute konzentrieren, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen und nicht auf alle zielen. Für Trump ist die Ausweisung Illegaler allerdings Wahlkampfthema gewesen. Hier sieht er die Chance, doch noch eines seiner Versprechen einlösen zu können. Dafür will das Weiße Haus auch die sogenannten „Sanctuaries“ angreifen, Städte und Bundesstaaten, in denen Illegale nicht identifiziert, verfolgt oder verhaftet werden. Die 100 Zufluchtsorte, darunter Los Angeles, San Francisco oder New York, arbeiten nicht mit der Polizei- und Zollbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) zusammen und verfplichten Arbeitgeber nicht, sich den Immigrationsstatus nachweisen zu lassen. Daher ist es dort leichter, illegal zu arbeiten. Die US-Regierung erwägt nun, diesen Zufluchtsstätten Zuschüsse in Milliardenhöhe zu streichen.

Die Angst greift vor allem bei den illegalen Einwanderern um sich. Sollten die „Sanctuaries“ fallen, wird die ICE vermutlich die Datenbanken der Sozaldienste scannen und dann Familien auseinanderreißen. Laut „Handelsblatt“ ist es allerdings nicht nur Trumps Schuld, dass die Arbeiter fehlen. Viele wollen offenbar die schwere Arbeit auf den Farmen nicht mehr machen. Gab es 2016 noch 100.000 mexikanische Einwanderer, waren es vor zehn Jahren noch gut 350.000. Heute gibt es in Mexiko mehr Facharbeiter als Landarbeiter, ein Mangel, der sich bereits auf die Produzenten von Obst und Gemüse in den USA auswirkt.

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