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Augsburg : Weltbild-Verlag vor Insolvenz

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Der angeschlagene katholische Weltbild-Verlag hat am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen in Augsburg mit.

Augsburg | Der angeschlagene katholische Weltbild-Verlag steht nach Angaben des Augsburger Oberbürgermeisters Kurt Gribl vor einem Insolvenzantrag. Er habe von den Eigentümern, dem Unternehmen und dem Amtsgericht bestätigt bekommen, dass ein entsprechender Antrag eingereicht werden solle, sagte der CSU-Politiker am Freitag auf Anfrage.

Auch aus Gewerkschaftskreisen wurden die Berichte bestätigt. Demnach seien die Verhandlungen über eine weitere Finanzierung des Verlags mit insgesamt mehr als 6000 Mitarbeitern gescheitert. Weltbild äußerte sich nicht, die Eigentümer kündigten für die nächsten Stunden weitere Informationen an.

Laut „Handelsblatt Online“ sollen die Handelsfilialen nicht von der Insolvenz betroffen sein. Dort arbeitet etwa die Hälfte der mehr als 6000 Mitarbeiter. Sie sind bei der Tochter DBH Buch Handels GmbH & Co. KG angestellt, die die klassischen Buchläden betreibt. DBH gehört zu gleichen Teilen Weltbild und der Buchhändlerfamilie Hugendubel und hat rund 420 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Handelsblatt Online“ zufolge sollen die Insolvenzverwalter der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner das Verfahren abwickeln. Sie hatten auch die Pleite der Drogerieketten Schlecker verwaltet. Die Kanzlei äußerte sich nicht.

Die Gewerkschaft Verdi hat den Insolvenz-Antrag als Tragödie bezeichnet und die Kirche scharf angegriffen. Der Verlag gehört unter anderem zwölf Bistümern. „Jahrelang fette Gewinne abschöpfen und sich so die Prunkbauten mitfinanzieren lassen und dann, wenn die Belegschaft Hilfe braucht, zugesagte Gelder wieder streichen. Widerlicher geht es eigentlich nicht“, sagte der zuständige Verdi-Sekretär in Augsburg, Thomas Gürlebeck. Die Kirche praktiziere Kapitalismus in Reinkultur. Verdi werde sich diese Politik nicht bieten lassen.

Das Erzbistum München wollte sich zur Verdi-Kritik zunächst nicht äußern und verwies auf eine mögliche spätere Stellungnahme zur Weltbild-Insolvenz. Der Generalvikar des Erzbistums, Peter Beer, ist zugleich Aufsichtsratschef bei Weltbild.

„Wir werden es nicht zulassen, dass die Bischöfe sich so aus der Verantwortung stehlen“, sagte Gürlebeck. Betriebsratschef Peter Fitz sagte: „Unser Unternehmen ist zukunftsfähig, davon waren wir immer überzeugt und sind es immer noch“. Gemeinsam mit der Gewerkschaft werde man um die Arbeitsplätze im Unternehmen kämpfen.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 15:48 Uhr

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