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Wedels Finanzdeal: Risikoreich oder einfach genial?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

10-Millionen-Euro-Kredit als Einlage bei der Sparkasse – sechs Prozent Zinsen

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2014 | 13:20 Uhr

Spektakulärer Finanzdeal: Ein Jahr lang haben die Stadt Wedel und die örtliche Sparkasse an dem Konstrukt gebastelt. Jetzt gab die Ratsversammlung mit großer Mehrheit grünes Licht für das ungewöhnliche Geschäft.

Und das funktioniert so: Wedel besorgt sich bei einer Bank einen Kredit über zehn Millionen Euro, zahlt darauf einen Zinssatz von 2,3 Prozent – und legt das Geld bis 2040 bei der Sparkasse ein. Die verzinst die Einlage mit sechs Prozent.

Vorteil für Wedel: Der Stadt, so das Kalkül der Ratsversammlung, flösse jährlich ein Gewinn von 460 000 Euro zu. Träger der Sparkasse ist die Stadt, nun wäre sie auch an dem Institut beteiligt. Den Weg dazu hatte die Koalition im Kieler Landtag durch eine Änderung des Sparkassengesetzes frei gemacht.

Vorteil für die Sparkasse, die den Deal nach der Gesetzesnovelle auf den Weg brachte: Die von der Stadt eingelegten zehn Millionen Euro werden auf das Eigenkapital der Sparkasse angerechnet. Das wiederum heißt: Die Sparkasse könnte rechnerisch bis zu 125 Millionen Euro zusätzliche Kredite in der Region ausgeben.

Der Markt dafür sei vorhanden, ist Vorstandschef Marc Cybulski zuversichtlich. Im Hamburger Umland boomt die Bauwirtschaft. Allein im vergangen Jahr habe seine Sparkasse Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 60 Millionen für den Wohnungsbau zugesagt. Die Verzinsung des von der Stadt eingelegten Kapitals mit sechs Prozent nannte Cybulski branchenüblich. „Wir wissen da sehr genau, was wir tun.“

Der letzte „Segen“ des Verwaltungsrats der Sparkasse über den Deal steht zwar noch aus. Der wird für den 5. Dezember erwartet und gilt als reine Formsache.

Ein Geschäft ohne Risiken? Funktionieren wird der Deal nur, wenn der Sparkasse nicht die Luft ausgeht. In einem solchen Fall würde der Geldfluss an die Stadtkasse versiegen. Die Stadt Wedel hätte dann womöglich Probleme, ihren Schuldendienst für den 10-Millionen-Kredit zu leisten.

Im Rathaus der 35 000-Einwohner-Stadt vor den Toren Hamburgs gibt man sich dennoch gelassen. Komplett ausgeschlossen seien Risiken zwar nicht, sagt Bürgermeister Niels Schmidt, der nach dem Gesetz zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse ist. Vertretbar seien die Risiken aber allemal, sagt der parteilose Verwaltungschef – nicht zuletzt, weil hinter jeder Sparkasse der Stützungsfonds des Sparkassen- und Giroverbandes steht.

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