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Kursstürze in Asien und beim Dax : Was ist denn an den Börsen los? Fragen und Antworten

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Aus der Onlineredaktion

Börsenbeben in Asien, auch der Dax ist angeknackst und fällt unter 10.000. shz.de erklärt die aktuelle Entwicklung.

Der Höhenflug des Dax geht jäh zu Ende. Wurde der wichtigste deutsche Aktienindex im April noch bei Werten bis zu 12.400 Punkten gehandelt, waren es am Montagmorgen wieder unter 10.000. Der Kursverfall geht von Asien aus, genauer gesagt von China. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist in China los?

In China ist das Wirtschaftswachstum auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren gefallen. Die Regierung rechnet für 2015 nur noch mit sieben Prozent. Für europäische Verhältnisse wirkt das viel, für China ist das aber ein herber Rückschlag. Kritiker werfen der chinesischen Regierung vor, dass selbst diese offizielle Zahl zu hoch gegriffen ist. So spricht ein Einkaufsmanagerindex, der am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, sogar dafür, dass die Industrie schrumpft, das Wachstum also allein aus dem Dienstleistungssektor stammt.

Als Reaktion hat die chinesische Zentralbank die Landeswährung Renminbi abgewertet. Das nützt der chinesischen Exportwirtschaft, macht ausländische Waren aber teurer. Dadurch könnte das chinesische Problem auch ein europäisches oder amerikanisches werden. Denn China ist längst nicht mehr die „Werkbank der Welt“, sondern mit 1,4 Milliarden Menschen einer der größten Absatzmärkte.

Kann sich das auch wieder in Wohlgefallen auflösen?

Der Kursverfall der vergangenen Tage ist auch eine Reaktion auf die Anstiege der vergangenen Monate. Hoffnungen auf weiteres Wachstum haben in der ersten Jahreshälfte viel Geld in den chinesischen Markt fließen lassen. So startete der Leitindex Hang Seng im Januar bei Werten um 23.500 und legte dann bis Juni auf 28.500 zu, ein Plus von mehr als 20 Prozent in sechs Monaten. Inzwischen ist er wieder auf 21.230 gefallen. Oft ziehen solche Kursverluste Investoren an, die den Markt nun für billig halten. Andererseits gibt es die Börsenweisheit, man solle nicht in ein fallendes Messer greifen.

Was bedeutet das für die europäische Wirtschaft?

Die chinesische Zentralbank schwächt die eigene Währung Renminbi, dadurch steigen US-Dollar und auch Euro. Der Euro profitiert, trotz Griechenland-Krise, überpoportional. Die Währung notiert gegenüber dem Dollar derzeit bei 1,15, dem höchsten Stand seit Februar. Zwei Gründe: In den USA wird eine baldige Zinserhöhung wieder als weniger wahrscheinlich angesehen. Und internationale Großinvestoren lösen gerade Positionen auf, bei denen sie Euro verkauft und asiatische Währungen gekauft haben. Die Wirtschaft im Euro-Raum leidet also tendenziell stärker unter dem Renminbi-Verfall als die der USA, weil europäische Waren in China teurer werden.

Welche direkten Auswirkungen hat der Dax-Sturz?

Zunächst verbuchen diejenigen Verluste, die in deutschen Aktien investiert sind. Das sind vor allem Großanleger, auch internationale. Laut deutschem Aktieninstitut besitzen nur 4,1 Millionen Deutsche, 6,4 Prozent der Bevölkerung, Aktien. Dazu kommen etwa 4,4 Millionen, die indirekt etwa über Fonds Aktien besitzen. (Studie des Deutschen Aktien-Instituts)

Welche indirekten Auswirkungen hat der Dax-Sturz?

Problematischer für die Altersversorgung der Deutschen ist, dass parallel die Kurse von Anleihen steigen. Steigende Kurse bedeuten fallende Renditen. So haben zweijährige deutsche Staatsanleigen derzeit eine negative Rendite von 0,3 Prozent, fünfjährige von minus 0,03 Prozent. Selbst zehnjährige rentieren nur mit 0,55 Prozent. Die Altersversorgung der Deutschen ist traditionell neben der gesetzlichen Rente auf Lebensversicherungen aufgebaut, die überwiegend in Staatsanleihen investieren.

Wie geht es weiter?

Der Kursverfall in China hat inzwischen seit dem Hoch im Juni die 20-Prozent-Marke überschritten. Traditionell spricht man dann von einem „Bärenmarkt “, also einer Zeit anhaltenden Kursverfalls. Im Dax beträgt dieses Minus auch 20 Prozent, im wichtigsten US-Index S&P 500 aber nur acht Prozent. Da sich internationale Anleger mittelfristig vor allem an den US-Börsen orientieren, ist es gut möglich, dass von dort aus eine Beruhigung ausgeht. Allerdings: Der 3,2-Prozent-Rückgang im S&P 500 am Freitag war der größte an einem Tag seit knapp vier Jahren.

Was bedeutet das für den Ölpreis?

Der Preis für US-Rohöl ist auf weniger als 40 Dollar pro Barrel (159 Liter) gefallen. Das ist der niedrigste Preis seit 2003. Das spiegelt eine Wette auf einen weltweiten Konjunkturabschwung wider, der für einen massiven Nachfrageeinbruch bei Rohstoffen sorgen würde. Verbraucher und Unternehmen profitieren davon: Ein Liter Diesel kostet rund 1,10 Euro, Super unter 1,40 Euro, Heizöl um 50 Cent. Dadurch wirkt der Ölpreis in Deutschland wie ein gewaltiges Konjunkturprogramm, weil Firmen und Verbraucher deutlich entlastet werden und Geld für Investitionen und Konsum frei wird.

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erstellt am 24.Aug.2015 | 11:28 Uhr

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