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Warnstreik trifft tausende Reisende

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fern-, Regional- und Güterverkehr betroffen / Arbeitskampf auch bei S-Bahnen in Hamburg und Berlin / Gewerkschaft droht mit weiteren Aktionen

Ein erster Warnstreik der Lokführergewerkschaft GDL hat gestern Abend in Norddeutschland aber auch bundesweit für erhebliche Probleme im Zugverkehr gesorgt. Nur langsam rollte der Verkehr nach dem Ende der Aktion wieder an. „Die Auswirkungen waren durchaus massiv“, sagte Hartmut Petersen vom GDL-Bezirk Nord. „Einige Bahnhöfe waren komplett dicht.“ Ab 21.00 Uhr setzten sich die Züge nach und nach wieder in Bewegung. Nach Angaben eines Bahnsprechers werden die Reisenden aber auch noch heute mit Einschränkungen rechnen müssen. Betroffen waren unter anderem die Bahnhöfe von Hamburg, Kiel, Hannover, Bremen, Osnabrück und Schwerin. Murrende Fahrgäste zeigten wenig Verständnis für den Ausstand. Pendler mussten sich in Geduld üben. Am Hamburger Hauptbahnhof bewegte sich von 18.00 bis 21.00 Uhr so gut wie nichts mehr. Bis auf ein paar Ausnahmen blieben alle Züge des Fern- und Nahverkehrs stehen. Die Menschen strömten in die Cafés und Kneipen im Bahnhof. Schon kurz nach Beginn der Arbeitsniederlegung wurde der S-Bahn-Betrieb in der Hansestadt vorübergehend eingestellt.

Anzeigetafeln in den Bahnhöfen kündigten schon kurz nach Streikbeginn um 18.00 Uhr Zugausfälle und Verspätungen im Fernverkehr wie auf Regionalstrecken an. Auch bei der S-Bahn in Hamburg lähmte der Warnstreik den Schienenverkehr. Schon kurz nach Beginn der Arbeitsniederlegung wurde der S-Bahn-Betrieb vorübergehend eingestellt. Der Warnstreik betraf auch den Fernverkehr: Im Hauptbahnhof blieben Schnellzüge stehen, vor den Service-Schaltern und vor Auskunftstellen in Reisezentren der Deutschen Bahn bildeten sich lange Schlangen. Auch in Schleswig-Holstein lag der Schienenverkehr nahezu brach. Regional- und Fernzüge blieben in den Bahnhöfen und blockierten zum Teil die Strecken. Im Kieler Hauptbahnhof ging nichts mehr. Zahlreichen Passagieren blieb nur die Suche nach anderen Reisemöglichkeiten. In Lübeck und Flensburg standen die Passagiere ebenfalls vor verschlossenen Zugtüren.

Die Lokführergewerkschaft kündigte an, dem ersten Warnstreik ein oder zwei weitere folgen lassen, wenn die Deutsche Bahn kein Angebot für kürzere Arbeitszeiten für das gesamte Zugpersonal vorlege. Das sagte GDL-Chef Claus Weselsky zum Streikauftakt im Berliner Hauptbahnhof. Der nächste Schritt wäre dann eine Urabstimmung „über längerfristige Maßnahmen“. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Die Deutsche Bahn hatte am Morgen ein Lohnplus von 1,9 Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit angeboten.

Auch im Tarifkonflikt bei der Lufthansa müssen Reisende weiter mit Streiks rechnen. Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg bekräftigte gestern zwar, es gebe keine parallelen Streiks von Piloten und Lokführern. „Wir wollen Deutschland nicht lahmlegen.“


Piloten drohen Lufthansa mit Streiks


Er ließ aber offen, wann die Piloten erneut streiken wollen. Dies werde den Flugpassagieren rechtzeitig mitgeteilt. Den Ausstand bei der Lufthansa-Tochter Germanwings am vergangenen Freitag hatte die Gewerkschaft 24 Stunden vorher angekündigt. Von Streiks könnten auch die Mutter Lufthansa und deren Frachttochter Cargo betroffen sein. Angesichts der Arbeitskämpfe der beiden Gewerkschaften forderte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer von der Bundesregierung eine gesetzliche Regelung zur Wiederherstellung der Tarifeinheit.

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erstellt am 01.Sep.2014 | 16:11 Uhr

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