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Wirtschaft

24. Oktober 2017 | 01:10 Uhr

Wahnsinn am Telefonhörer

vom

"Tote Leitungen" und andere Probleme: Die Zahl der Beschwerden beim Wechseln des Anbieters steigt

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Kiel/Berlin | Die Politik hat die Verbraucherrechte in den vergangenen Monaten immer weiter gestärkt. Dennoch beklagen immer noch viele Verbraucher Probleme und "tote Leitungen" beim Wechsel des Telefonanbieters. Stefan Werminghoff, Fotograf aus Eckernförde, kennt das aus eigener Erfahrung.

Vor rund zwei Jahren zogen er und seine Frau mit ihrem Fotogeschäft um. Für die neuen Räumlichkeiten wurde ein Anschluss der Firma Vodafone beantragt. Da die Telekom aber laut Vodafone das Erstnutzungsrecht an der Leitung hatte, sollte das Ehepaar zunächst beim Unternehmen mit dem rosa T Kunde werden - und später wechseln. Daraus wurde jedoch nichts. Werminghoff stornierte seinen Auftrag. "Mit Bedauern bestätigen wir Ihnen die Stornierung Ihres Auftrages", antwortete das Telekommunikationsunternehmen dem Fotografen am 9. August 2011 um ihm zwei Jahre später - am 1. August - eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu hinterlasen, dass sein Anschluss von nun Telekom zu Vodafone umgestellt werde, wie sich Werminghoff erinnert. Seit zwei Wochen streiten sich Vodafone, die Telekom und Werminghoff nun um den

Anschluss. Bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein kennt man Fälle wie jenen von Werminghoff zur Genüge. "Wir haben ständig solche Fälle", so der Experte Boris Wita.

Auch die Bundesnetzagentur registriert Tausende Beschwerden von Verbrauchern über Probleme beim Wechsel des Telefonanbieters. Aktuelle Zahlen dazu gehen aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Bärbel Höhn, hervor.

Allein zwischen dem 1. Juni 2012 und dem 30. Juni dieses Jahres habe die Netzagentur in 4048 Fällen Verbrauchern helfen müssen, weil wegen eines Anbieterwechsels die Versorgung unterbrochen gewesen sei. Die Netzagentur hat inzwischen laut Bundesregierung gegen drei Telekommunikationsanbieter Bußgeldverfahren eingeleitet.

"Ich behaupte mal, da werden Kunden mürbe gemacht", so Wita. Er habe Fälle gehabt, in denen die Leute zwei Monate auf ihren Telefonanschluss warten mussten." Zwar gebe es eine gesetzliche Grundlage, die verhindern soll, dass so etwas passiert, erzählt Wita, der selbst zeitweilig in der Telekommunikationsbranche gegearbeitet hat. Die Realität ist aber eine andere. Mal will das eine Unternehmen den Kunden nicht gehen lassen, mal will Boris Wita zufolge das neue Unternehmen den Kunden auch nicht haben - dies sei etwa dann der Fall, wenn der Anschluss des Neukunden für den Konzern nicht unwirtschaftlich in Betrieb genommen werden können. Vor allem im ländliche Raum sei dies mitunter der Fall.

Wita empfiehlt Betroffenen, die Verbraucherzentrale zu kontaktieren. "Wir haben oftmals das Glück, dass wir das mit einem Anruf regeln können." Werminghoff hat inzwischen seinen Anwalt eingeschaltet. Seit der Umstellung funktioniere der DSL-Anschluss nach seinen Angaben nicht mehr. Für Berufsfotografen, die auf das Internet angewiesen sind, eine Katastrophe. Einen Auftrag habe er nachweislich bereits durch den Vorfall verloren, erzählt er. Vodafone konnte sich gestern bis zum Redaktionsschluss nicht zum Fall Werminghoff äußern. Das Schweigen des Konzerns war auch die Erfahrung, die der Fotograf selbst zuletzt gemacht hatte.

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