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Skandal bei Volkswagen : VW, Skoda, Audi, Seat: Ist mein Auto betroffen?

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Stickoxid-Manipulation und falsche CO2-Angaben: Welche Fahrzeuge sind betroffen? Eine Übersicht.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 10:51 Uhr

Wolfsburg | Der Skandal bei Volkswagen zieht immer weitere Kreise. Waren zunächst nur Dieselfahrzeuge von Abgasmanipulationen durch eine Software betroffen, wurde nun bekannt, dass beim CO2-Ausstoß einiger Modellreihen falsche Angaben gemacht wurden. Zwar wurde hier nicht wie bei den Stickoxiden (NOx) durch technische Einrichtungen betrogen, dennoch haben die falschen Werte höchstwahrscheinlich Einfluss auf die KfZ-Steuer. Volkswagen drohen indes weitere Milliardenzahlungen. Welche Fahrzeuge sind betroffen und wie finde ich heraus, ob mein Auto betroffen ist?

Bei der Kernmarke Volkswagen-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen. Die Software steckt aber auch in Modellen der Baureihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 bei der VW-Oberklasse-Tochter Audi. Dieselmotoren, die in verschiedenen Exemplaren der Konzernmarken Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Diesel-Ausgaben der Modelle Caddy und Amarok betroffen. Weltweit sind insgesamt rund fünf Millionen Autos der Kernmarke Volkswagen-Pkw betroffen. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge. VW zufolge ist der Dieselmotor mit der konzerninternen Bezeichnung EA 189 Kern des Problems.

Volkswagen bietet allen Kunden einen kostenlosen Service an. So lässt sich überprüfen, ob das eigene Fahrzeug mit einer Manipulationssoftware ausgerüstet ist. Mithilfe der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) lässt sich schnell herausfinden, ob das eigene Fahrzeug betroffen ist. Die FIN findet sich unter anderem im Fahrzeugschein unter der Abkürzung „E“, der Zulassungsbescheinigung Teil I oder im unteren Bereich der Windschutzscheibe. Auf der Webseite: info.volkswagen.de muss diese dann in ein Fenster eingetragen werden.

Kommt man der Aufforderung zur Eingabe der FIN ein, sieht man sofort, ob das Fahrzeug betroffen ist.

Kommt man der Aufforderung zur Eingabe der FIN ein, sieht man sofort, ob das Fahrzeug betroffen ist.

Foto: Screenshot/Volkswagen
 

Danach kann man sofort sehen, ob das eigene Fahrzeug betroffen ist. Unsere Kollegin aus der Onlineredaktion hat Glück, ihr Fahrzeug hat keine Manipulationssoftware an Bord.

Nicht betroffen: Für viele Kunden eine Erleichterung.

Nicht betroffen: Für viele Kunden eine Erleichterung.

Foto: Screenshot/Volkswagen

Testen kann man auf der Webseite allerdings nur Fahrzeuge der Marken Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge (vor allem Kleintransporter). Fahrzeuge aus den USA und Kanada lassen sich mit dem Tool nicht überprüfen.

Für Audi-Kunden gibt es einen separaten Check auf der Webseite audi.de. Auch hier muss die Fahrgestellnummer eingegeben werden.

Auch Audi-Kunden können sich schnell vergewissern.

Auch Audi-Kunden können sich schnell vergewissern.

Foto: Screenshot/Audi

Kunden der Fabrikate Seat können ihr Fahrzeug hier überprüfen. Besitzer eines Skoda können ihr Fahrzeug ebenfalls checken. In beiden Fällen muss die FIN eingegeben werden.

Nach Angaben der US-Behörde EPA wurden in bestimmten Diesel-Modellen der Marken VW, Audi und Porsche der Modelljahrgänge 2014 bis 2016 Drei-Liter-Diesel-Motoren verbaut, die bei Stickoxid-Emissionen die in den USA erlaubten Grenzwerte um das bis zu Neunfache überträfen. Im einzelnen handele es sich um Fahrzeuge der Typen VW Touareg (2014), Porsche Cayenne (2015) sowie die Audi-Modelle A6 Quattro, A7 Quattro, A8, A8L, and Q5 (2016). Die Vorwürfe hat Volkswagen bislang zurückgewiesen.

Am Dienstag wurde bekannt, dass der Abgas-Skandal im VW-Konzern eine neue Dimension erreicht. Volkswagen musste nun auch Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten einräumen - außerdem sind damit erstmals Benziner und nicht nur Dieselfahrzeuge betroffen. Dabei geht es um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) - und damit um den Spritverbrauch und die KfZ-Steuer. 800.000 Fahrzeuge seien betroffen, darunter 98.000 Benziner. Die wirtschaftlichen Risiken werden auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Betroffen seien ganz überwiegend Fahrzeuge mit Dieselmotoren. Es gehe um Autos der Typen Polo, Golf und Passat, sagte ein VW-Sprecher auf Anfrage. Volkswagen betont, dass die Unregelmäßigkeiten bei CO2- und Verbrauchsangaben nicht durch technische Hilfsmittel verursacht wurden. „Es geht um Werte, die einfach zu niedrig angegeben wurden“, sagte ein Konzernsprecher am Mittwochabend in Wolfsburg. Unter den betroffenen Autos seien viele Modelle mit dem Label „BlueMotion“, mit Volkswagen Fahrzeuge als besonders schadstoffarm vermarktet.

Bei der VW-Tochter Audi seien A1- und A3-Modelle betroffen. Bei Skoda gehe es um den Octavia und bei Seat um den Leon und den Ibiza. Auch bei einem Benzinmotor mit Zylinderabschaltung habe es Auffälligkeiten gegeben, sagte der Sprecher. Es handele sich dabei aber um eine geringe Stückzahl. Bei den Dieselmotoren seien 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Varianten betroffen.

Wegen der Manipulationen sind dem Staat im vergangenen Jahr laut einer Schätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) 1,8 Milliarden Euro an Kfz-Steuern entgangen. Rein rechtlich gesehen seien die Autokonzerne nicht verpflichtet, diese Mindereinnahmen auszugleichen. „Steuerschuldner ist der Fahrzeughalter“, sagte der Rechtsanwalt Remo Klinger, der die DUH berät, am Donnerstag in Berlin. Damit Verbraucher, die in gutem Glauben ein Fahrzeug gekauft hätten, nicht auf den Kosten sitzenblieben, müsse die Verantwortung dafür auf den Hersteller übertragen werden - durch eine entsprechende Vereinbarung.

Für die betroffenen Modelle müssten nun unter Aufsicht des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) neue Prüfwerte ermittelt werden. VW habe auf eine Aufforderung hin zugesagt, umgehend ein Kundenzentrum als Anlaufstelle einzurichten. Eine Onlineüberprüfung gibt es bislang nicht, soll aber eingerichtet werden. Wegen der falschen CO2-Werte könnten Volkswagen auch EU-Strafen drohen. Bevor die EU-Kommission über mögliche Geldbußen entscheide, müssten aber erst die Fakten geklärt werden, erläuterte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Seit 2012 gibt es für die Autohersteller CO2-Grenzwerte, die sie im Durchschnitt ihrer gesamten Flotte einhalten müssen. Wenn diese nicht erfüllt werden, können Strafzahlungen fällig werden.

Damit Autobesitzer von drohenden höheren Steuerzahlungen verschont bleiben, bereitet die Bundesregierung eine gesetzliche Regelung vor. VW sei in der Verantwortung und in der Pflicht, den entstandenen Schaden für die Kunden zu beheben, sagte Verkehrsminister Dobrindt am Mittwoch im Bundestag. Am CO2-Ausstoß hängt bei Pkw mit Erstzulassung ab 1. Juli 2009 auch die Kfz-Steuer. Ein KfZ-Steuerrechner findet sich zum Beispiel auf der Webseite des Bundesfinanzministeriums.

Steuersatz bei Erstzulassung ab 1. Juli 2009 Motoren mit Schadstoffklasse 3/3D und besser Freigrenze bis zu der CO2-Ausstoß unberücksichtigt bleibt (Datum der Erstzulassung)
2 Euro je 100cm3 + CO2-Zuschlag von 2 Euro je g/km oberhalb der Freigrenze Ottomotor 1. Juli 2009 bis 31. Dezember 2011: 120g/km, 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2013: 110g/km, seit 1. Januar 2014: 95g/km
9,50 Euro je 100cm3 + CO2-Zuschlag von 2 Euro je g/km oberhalb der Freigrenze Dieselmotor
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