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Abgasskandal : VW-Skandal: Manager wussten wohl schon früher Bescheid

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Abgasprobleme waren in den USA schon länger bekannt. Doch seit wann wusste der Vorstand von Manipulationen?

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2015 | 13:21 Uhr

Wolfsburg | Bei der Aufklärung des VW-Abgasskandals verdichten sich die Hinweise, dass Manager des Autobauers früher als bisher bekannt von Manipulationen Bescheid wussten. Vertreter des Autobauers räumten am 19. August in Gesprächen mit der kalifornischen Umweltbehörde CARB Unregelmäßigkeiten bei Programmen für die Motorsteuerung ein, berichteten das „Handelsblatt“ und das ZDF-Magazin „Frontal21“ unter Berufung auf eine vertrauliche Akte aus der niedersächsischen Staatskanzlei. Dort ist von einem „Teilgeständnis“ die Rede. Nach dpa-Informationen soll es sich dabei um VW-Ingenieure aus den USA handeln.

Am Freitag muss VW der kalifornischen Umweltbehörde CARB einen Plan zum Rückruf von 500.000 Fahrzeugen vorlegen. Tut das Wolfsburger Unternehmen das nicht, drohen ihm hohe Strafen. Zunächst hat die Behörde 20 Tage Zeit, um den Plan zu prüfen.

Ein VW-Konzernsprecher sagte am Mittwoch in Wolfsburg: Dass es in den USA Abgasprobleme gegeben habe, habe der Vorstand früher gewusst. Dass es sich dabei um Manipulationen handle, jedoch nicht. Es habe über die Abgasprobleme monatelang Gespräche mit den US-Behörden gegeben. Diese seien von VW-Technikern geführt worden. Es habe darüber auch im August Gespräche mit der CARB gegeben. Die Mitteilung an die CARB vom 3. September sei von Managern unterhalb des Vorstandes gemacht worden.

Die Finanzaufsicht Bafin prüft derzeit, ob Volkswagen zu spät über die Manipulationen informiert hat. Einige Aktionäre haben VW deswegen bereits verklagt.

Den Medienberichten zufolge gab es Ende August im Vorstand der VW-Hauptmarke Diskussionen über den weiteren Umgang mit den amerikanischen Regulierern. Am 3. September räumte Volkswagen dann gegenüber der EPA ein, den genannten Ausstoß von Stickoxiden bei Abgastests geschönt zu haben. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) hatte bereits Mitte Oktober im Landtag kritisiert, VW hätte die Manipulationen viel früher eingestehen müssen.

Im Herbst 2014 hätten Wissenschaftler erstmals Abweichungen in den Schadstoffkonzentrationen zwischen Labortests und Straßentests bei VW-Dieselfahrzeugen in den Vereinigten Staaten festgestellt. Anschließend habe es mehr als ein Jahr lang Gespräche zwischen den US-Behörden und Volkswagen USA gegeben, bis VW die Manipulation eingeräumt habe. Das Land Niedersachsen ist zweitgrößter VW-Aktionär.

An diesem Freitag kommt in Wolfsburg erneut der VW-Aufsichtsrat zu einer Sitzung zusammen. Dort geht es auch um den Stand der Aufklärung im Abgasskandal. Außerdem beraten die 20 Kontrolleure über die Investitionsplanung für die kommenden Jahre. VW hatte bereits angekündigt, angesichts der immensen Kosten für den Skandal alle Investitionen auf den Prüfstand stellen zu wollen.

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