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Krise beim Autohersteller : VW ruft 177.000 Passat zurück – Motor könnte ausfallen

vom

Ultimatum im Abgas-Skandal in den USA und ein neuer Rückruf: Es läuft nicht rund beim VW-Konzern.

shz.de von
erstellt am 24.Mär.2016 | 10:58 Uhr

Wolfsburg | Die Uhr tickt: Im Mammutrechtsstreit mit zahlreichen Dieselbesitzern sowie Autohändlern und US-Behörden läuft für Volkswagen ein Ultimatum aus. Der zuständige Richter Charles Breyer hatte VW und der US-Umweltbehörde EPA im Abgas-Skandal eine Frist bis zur Anhörung am Donnerstag (16 Uhr) gesetzt. Und wie das so ist, hat der Konzern offenbar eine weitere Baustelle: Eine Rückrufaktion für rund 177.000 VW Passat der Modelljahre 2014 und 2015. Wegen Problemen an der Elektrik müssen die Fahrzeuge dringend in die Werkstatt, berichtet „bild.de“. Das Problem: Eine nicht korrekt sitzende Steckverbindung könnte zum Ausfall des Motors führen. So steht es in der Rückruf-Datenbank auf der Internetseite des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) – allerdings schon seit dem 23. Februar.

Vom VW Passat wurden 2014 rund 750.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das Modell gehört zu den beliebtesten Mittelklasse-Fahrzeugen in Deutschland. Neben der aktuellen Rückrufaktion muss sich VW in der Affäre um manipulierte Emissionswerte mit Hunderten Zivilklagen wegen Betrugs, Vertragsbruchs und Verstößen gegen Umweltgesetze auseinandersetzen.

Ein VW-Sprecher bestätigte dem Blatt den Rückruf. Wie viele Fahrzeuge in Deutschland betroffen sind, steht noch nicht fest. Im Ernstfall könne mit dem Motorausfall auch das Licht erlöschen. Der Leistungsabfall bei Bremskraftverstärker und Servolenkung sei laut VW aber nicht so eklatant, dass der Rückruf akut sicherheitsrelevant sei. Betroffene Halter bekommen bald Post. Der Werkstattbesuch dürfte rund 20 Minuten dauern.

Derweil fordert Richter Charles Breyer in den USA eine definitive Antwort, ob eine Einigung auf einen Plan zur Umrüstung der etwa 580.000 Diesel möglich ist, die in den USA von der Affäre um manipulierte Emissionswerte betroffen sind. Bislang konnten VW und die Umweltbehörde EPA keinen Kompromiss finden, und es deutet wenig auf eine rechtzeitige Lösung hin. Sollte die Frist verpasst werden, könnte Richter Breyer anordnen, die Diesel-Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Die Klägeranwälte haben ihn zudem aufgefordert, das Verfahren zu beschleunigen. Das würde bedeuten, dass es schneller zum Prozess kommen könnte und Volkswagens Verhandlungszeit für einen Vergleich knapper würde.

Ein weiterer Zankapfel im Massenverfahren sind Protokolle und Dateien, die US-Ermittler und Klägeranwälte einsehen wollen und die laut VW dem deutschen Datenschutzgesetz unterliegen. Auch in dieser Frage hatte Breyer bis zum 24. März Klarheit verlangt.

Kurz vor Ablauf des Ultimatums gab es jedoch einen Antrag auf Fristverlängerung. VW-Anwalt Robert Giuffra bat den Richter am Mittwoch (Ortszeit) mit Zustimmung der Klägeranwälte um einen Aufschub von 14 Tagen im Konflikt um die Bereitstellung elektronischer Daten. Giuffra hatte bei der letzten Anhörung im Februar beteuert, sich um die Freigabe des geforderten Materials zu bemühen. Der VW-Anwalt sagte aber auch: „In Deutschland und Europa werden die Datenschutzgesetze sehr, sehr ernst genommen“.

Im Fokus stehen vor allem Informationen im Zusammenhang mit der internen Aufarbeitung des Dieselskandals, mit der VW die Anwaltskanzlei Jones Day betreut hat. Es soll sich um einen riesigen Datenberg handeln - Klägeranwälte gehen von etwa 100 Terabytes aus. Diese interne Untersuchung könnte auch Hinweise liefern, wer im VW-Management wann welche Informationen und Verantwortung im Abgas-Skandal hatte. Die Ergebnisse sind sensibel, zumal auch strafrechtliche Ermittlungen laufen.

VW hatte im September nach Vorwürfen der US-Behörden eingeräumt, bereits seit 2009 in großem Stil eine Manipulations-Software in Diesel-Autos installiert zu haben. Durch das Betrugs-Programm wird die Abgasreinigung nur im Testmodus voll aktiviert. Auf der Straße ist der Stickoxid-Ausstoß um ein Vielfaches höher.

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