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Rückstellungen belasten : VW-Kernmarke auf Kurs zu mehr Gewinn

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Im Vergleich mit der Oberklasse-Konkurrenz muss sich die VW-Kernmarke beim Gewinn noch gewaltig strecken. Doch es geht deutlich bergauf, der Optimismus wächst. Wäre da nur nicht die teure Diesel-Rechnung.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 15:47 Uhr

Trotz der finanziellen Folgen des Abgasskandals macht die lange wenig profitable Kernmarke von Volkswagen beim Gewinn immer mehr Boden gut.

Das frühere Sorgenkind mit wichtigen Modellen wie Golf, Passat und Tiguan soll im Gesamtjahr 2017 mehr Geld verdienen als geplant. Auch bei Audi schlugen sich bessere Verkäufe in guten Geschäftszahlen nieder, ebenso bei Skoda.

Die operative Umsatzrendite von VW - also der Anteil des Gewinns aus dem laufenden Geschäft am Umsatz - soll «moderat» über der Spanne von 2,5 bis 3,5 Prozent liegen, wie das Unternehmen in Wolfsburg mitteilte. Dies aber vor Sondereinflüssen, denn zusätzliche Rückstellungen für Nachrüstung und Rückkauf manipulierter Diesel in Nordamerika belasten das Ergebnis mit rund 2,6 Milliarden Euro.

Ende September hatte Volkswagen bekanntgegeben, dass Verzögerungen das ohnehin schon kostspielige Nachrüst- und Rückkaufprogramm für Dieselwagen mit falschen Schadstoffangaben nochmals verteuern. Damit stehen dem operativen Ergebnis die bei der Marke im dritten Quartal verbuchten Belastungen in etwa gleicher Höhe gegenüber. In den ersten neun Monaten war der Betriebsgewinn auf Jahressicht mit 2,5 Milliarden Euro in der Summe auf mehr als das Doppelte gestiegen.

Bereinigt um Sondereinflüsse steigerte die Kernmarke die Gewinnspanne nach neun Monaten auf 4,3 Prozent - nach nur 1,6 Prozent im Vorjahr. Die Stammmarke des VW-Konzerns galt lange als renditeschwach.

Die Modelloffensive zahle sich aus, und die Neuausrichtung der Marke zeige gute Ergebnisse, sagte VW-Markenchef Herbert Diess. «Wir sind auf einem guten Weg, unsere zentralen strategischen Ziele zu erreichen: Volkswagen wettbewerbsfähig für die Mobilität von morgen aufzustellen.» Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann betonte: «Wir wachsen wieder in allen Regionen - und haben allen Grund, zuversichtlich nach vorn zu blicken.»

Nicht nur von starken Verkäufen profitierte die Marke. Auch geringere Kosten dank des Ende 2016 vereinbarten Sparprogramms «Zukunftspakt» trugen zum Ergebnis bei. Bis Ende September wurden weltweit 4,49 Millionen Fahrzeuge an die Kunden übergeben, 2,7 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Vor allem in Südamerika zogen die Verkäufe mit einem Plus von 24 Prozent deutlich an. Aber auch in Deutschland zeichne sich trotz der anhaltenden Diesel-Debatte eine Erholung ab, hieß es.

Beim Umsatz peilt die Marke im Jahresverlauf unverändert ein Plus von rund 10 Prozent auf vergleichbarer Basis an. VW zählt mehrere ausländische Importgesellschaften nicht mehr dazu, was sich vor allem auf den Umsatz auswirkt. Dieser sank von 77,7 Milliarden Euro auf 58,9 Milliarden Euro - auf vergleichbarer Basis bedeutete dies bis September aber ein Plus von 8,3 Prozent. An den mittel- und langfristigen Zielen hält VW fest: Bis 2020 soll die Umsatzrendite auf mindestens 4 Prozent und bis 2025 auf 6 Prozent steigen.

Die Konzerntochter Audi steigerte ihr Betriebsergebnis - im Vorjahr von den Kosten des Dieselskandals noch fast halbiert - im dritten Quartal um 100 Prozent auf 1,261 Milliarden Euro. Das bedeutete eine Rendite von 8,9 Prozent. Der Umsatz verbesserte sich um zwei Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Audi trotz der Verkaufseinbrüche in China im ersten Halbjahr einen etwas höheren Umsatz und ein leichtes Plus bei den Auslieferungen. Die Umsatzrendite soll hier 8 bis 10 Prozent erreichen.

Auch die tschechische Tochter Skoda profitierte von steigenden Auslieferungen sowie vor allem von den erfolgreichen und beliebten Stadtgeländewagen. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten weltweit 871 100 Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert, 3,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs um 22 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis fiel mit rund 1,2 Milliarden Euro sogar um 28,3 Prozent höher aus als vor Jahresfrist.

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