zur Navigation springen

Abgas-Skandal bei VW : VW-Chef: „Keine akute Gefahr für Jobs“

vom

Das VW-Gremium berät über die Finanzstrategie in Wolfsburg, die Umweltbehörde in den USA droht mit hohen Strafen.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2015 | 17:17 Uhr

Wolfsburg | VW-Chef Matthias Müller sieht trotz der gekürzten Investitionen wegen des teuren Abgas-Skandals nach wie vor keine akute Gefahr für die Jobs der Kernbelegschaft. „Gemeinsam mit den Arbeitnehmer-Vertretern werden wir weiterhin alles dafür tun, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten“, sagte der Manager am Freitag nach einer Sitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats in Wolfsburg. Der Konzern kündigte an, im Investitionsprogramm für das Jahr 2016 die Sachmittel auf maximal 12 Milliarden zu reduzieren - eine Milliarde Euro weniger als im Schnitt der vergangenen Jahre. Fast die Hälfte der Sachinvestitionen fließe dabei in die deutschen Standorte, so Müller. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht.“

Damit Volkswagen weiter wettbewerbsfähig bleibt, muss es die Ausgaben senken. Doch auf Kosten der Zukunft wolle das Unternehmen nicht sparen. Der Autokonzern hatte bereits angekündigt, die Elektromobilität und die Digitalisierung vorantreiben zu wollen.

VW ist in einer schweren Krise, seitdem der Konzern Mitte September zugegeben hatte, mit Hilfe einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Dabei ging es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Außerdem hat VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Es drohen Milliardenkosten.

In einem ersten Schritt hatte VW 6,7 Milliarden Euro für technische Nachbesserungen der manipulierten Dieselautos zurückgelegt. Weitere Risiken durch die später hinzugekommenen falschen CO2-Werte wurden zunächst auf 2 Milliarden Euro veranschlagt.

Auch in den USA steht am Freitag ein wichtiger Termin für VW an: Die kalifornische Umweltbehörde CARB erwartet Vorschläge für einen Rückruf von knapp 500.000 Diesel-Fahrzeugen. Ohne einen akzeptablen Plan zur Beseitigung der Manipulationen drohen Volkswagen vonseiten der Regulierer „drakonische Strafen“ bis hin zu Fahrverboten.

CARB-Chefin Mary Nichols geht zudem davon aus, dass VW möglicherweise einen Teil der betroffenen Autos zurückkaufen muss. Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass Nachrüsten oft nicht so gut funktioniere wie geplant, sagte sie dem „Handelsblatt“. „Deshalb denke ich, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss.“

Wie unter anderem Spiegel Online schreibt, gerät nun noch ein weiterer deutscher Konzern in den Fokus: Der VW-Zulieferer Bosch steht im Visier der US-Ermittler, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichte. Aktuell werde überprüft, ob Bosch von den Manipulationen bei VW wusste. Von Bosch kommen Teile für den betroffenen Diesel-Motor bei VW. Ob sich das Unternehmen allerdings tatsächlich etwas zu Schulden hat kommen lassen, stehe bislang nicht fest.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen