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Milliardenvergleich in den USA : VW: Abgas-Skandal könnte noch teurer werden als erwartet

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Am Dienstag soll es einen Vorschlag für den Vergleich mit Kunden und Behörden geben. Fragen und Antworten zum Thema.

Wie teuer wird es für VW? Experten rechnen mit dem größten Vergleich in der Geschichte der Autoindustrie: Im Skandal um manipulierte Abgaswerte steht Volkswagen nach monatelangem Ringen vor einer verbindlichen Einigung mit US-Behörden und Klägeranwälten. Der Konzern würde nichts lieber tun, als die Affäre abzuhaken und sich endlich wieder aufs eigentliche Autogeschäft zu konzentrieren. Aber die Wolfsburger werden einen hohen Preis zahlen - und sich noch etwas gedulden müssen.

Fragen und Antworten zum Thema:

Was passiert am Dienstag in den USA?

In den Vereinigten Staaten steht der Konzern kurz vor einer Einigung mit Behörden und Anwälten über Strafen und Entschädigungen für amerikanische Kunden. Am Dienstag (28. Juni/21 Uhr MESZ) soll dem zuständigen US-Richter Charles Breyer ein Vergleichsvorschlag vorgelegt werden. Eine Grundsatzeinigung gibt es bereits, jetzt geht es um die Details. Und die entscheiden darüber, wie teuer es letztlich für den Konzern wird.

Warum ist der Termin so wichtig für Volkswagen?

Die USA sind das Land, in dem der Abgas-Skandal das größte finanzielle Risiko für VW birgt. Das Unternehmen hat dort eindeutig gegen Abgas-Vorschriften verstoßen und das auch eingeräumt, Behörden haben Milliardenstrafen angedroht, Kunden haben zahlreiche Sammelklagen eingereicht. Es steht viel auf dem Spiel.

Andererseits wäre auch eine wichtige Baustelle für VW im Abgas-Skandal geschlossen, eine Einigung in den USA gelingt. Der Konzern könnte sich in dem für ihn schwierigen Markt endlich wieder auf sein eigentliches Problem konzentrieren: mehr Autos verkaufen.

Wie teuer wird es für den Konzern?

Darüber gibt es zahlreiche Spekulationen. Zuletzt gab es verschiedene Berichte, in denen die Kosten für Volkswagen auf mindestens als zehn Milliarden Dollar beziffert werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg könnten es sogar rund 15 Milliarden Dollar werden. Das wäre noch mehr als erwartet.

Allerdings gibt es noch viele Ungewissheiten. Es ist zum Beispiel wahrscheinlich, dass VW einen Teil der manipulierten Autos in den USA zurückkaufen muss. Wie groß dieser Teil wird und ob das die Kosten noch einmal aufpumpt, war zunächst noch offen.

Ohnehin wäre der US-Vergleich nur so etwas wie die erste große Rechnung im Diesel-Skandal. Weitere Strafen und Entschädigungen dürften folgen.

Was bedeutet eine Entscheidung in den USA für deutsche Kunden?

Wahrscheinlich nicht viel. Volkswagen hat wiederholt deutlich gemacht, dass eine Entschädigung wie in den USA in Europa und damit auch in Deutschland nicht infrage komme. Vorstandschef Matthias Müller selbst hat das Ende April ausgeschlossen. Verbraucherschützer kritisieren, dass Kunden in den USA mehr bekommen sollen. Einige Anwaltskanzleien haben sich zum Ziel gesetzt, auch für betroffene Autobesitzer in Europa Schadenersatz zu erstreiten. Die Erfolgsaussichten sind aber aufgrund der unterschiedlichen Rechtssysteme ungewiss.

Ist die Abgas-Affäre für VW nach einer US-Lösung ausgestanden?

Nein. Zum einen müssen sich nicht alle Kläger in den USA einem Vergleichsvorschlag anschließen und können individuell weiter klagen.

Zum anderen muss VW auch außerhalb der USA viele Verfahren bewältigen. In Deutschland fordern ebenfalls Kunden Entschädigungen oder Rückkäufe. Gerichte haben hier in ersten Instanzen unterschiedlich geurteilt. Zudem fühlen sich zahlreiche VW-Aktionäre von dem Konzern zu spät über die Manipulationen informiert. Sie wollen sich Kursverluste erstatten lassen.

 

 

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erstellt am 28.Jun.2016 | 07:44 Uhr

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