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Winterkorn-Nachfolger gefunden : VW-Abgas-Krise: Matthias Müller wird neuer VW-Chef

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Der von der Abgas-Affäre erschütterte Autoriese VW hat einen Nachfolger für den gestürzten Martin Winterkorn. Matthias Müller soll den Konzern aus der Vertrauenskrise führen.

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erstellt am 25.Sep.2015 | 19:03 Uhr

Wolfsburg | Matthias Müller wird neuer Volkswagen-Chef. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der VW-Tochter Porsche soll Europas größten Autokonzern aus der Vertrauenskrise führen, die mit dem Skandal um gefälschte Abgaswerte bei Dieselautos über die Wolfsburger hereingebrochen ist. Das Unternehmen gab die Personalie am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrates bekannt.

Müller folgt auf Winterkorn, der seinen Posten am Mittwoch wegen der Affäre um manipulierte Abgaswerte geräumt hatte. Der VW-Skandal brachte eine ganze Industrie ins Zwielicht. Die Motoren wurden mit einer Software ausgestattet, die die Messung des Ausstoßes von Stickoxiden manipulierte.

Müller (62) übernimmt die Nachfolge von Martin Winterkorn, der am Mittwoch zurückgetreten war. Der neue Chef werde seine Aufgabe „mit ganzer Kraft angehen“, sagte der Interimsvorsitzende des Kontrollgremiums, Berthold Huber. Müller war bereits vor dem Treffen der Aufseher als Favorit für den Spitzenposten gehandelt worden.

Auf Müller kommen bei Volkswagen nun schwierige Aufgaben zu. Neben der Aufarbeitung der Affäre um manipulierte Abgasdaten von Dieselmotoren gehören die Schwäche des VW-Absatzes in den USA, die Lage in China und die bisher stark zentralistische Struktur des Konzerns zu den größten Baustellen. Betriebsratschef Bernd Osterloh fordert einen „grundlegenden Kulturwandel“ in der Zwölf-Marken-Gruppe.

Nach Angaben von Volkswagen sind weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge von dem Abgas-Skandal betroffen. Dabei geht es um eine spezielle Software, die dafür sorgt, dass die Schadstoff-Reinigung von Dieselmotoren im normalen Betrieb auf der Straße geringer ist als bei Tests. Die Affäre erschüttert die gesamte Autoindustrie. Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sind in Deutschland mindestens 2,8 Millionen Diesel-Fahrzeuge von den manipulierten Abgasmessungen bei Volkswagen betroffen.

Der bisherige Skoda-Chef Winfried Vahland leitet künftig die neu gegründete Marktregion Nordamerika von Volkswagen. Nachfolger für Vahland bei Skoda soll demnach der bisherige Vetriebschef von Porsche, Bernhard Maier werden. Als Konsequenz aus dem Abgas-Skandal sollen künftig zudem die Märkte USA, Mexiko und Kanada in der neu geschaffenen Region Nordamerika zusammengefasst werden. Davon verspricht sich der Konzern eine „maßgebliche Stärkung“ des dortigen Absatzes. Der infolge des Skandals in die Kritik geratene US-Regionalchef von Volkswagen, Michael Horn bleibt im Amt.

Im VW-Konzern wirkt sich der Abgas-Skandal inzwischen auch auf Töchter wie Audi, Skoda und Seat aus. Eine vollständige Liste der betroffenen Modelle gibt es noch nicht. Andere Hersteller wie BMW, Daimler oder Opel betonten, sich strikt an Abgasregeln zu halten.

Die Autoindustrie ist eine Schlüsselbranche in Deutschland. 2014 erwirtschafteten Hersteller und Zulieferer nach Angaben des Branchenverbands VDA Umsätze von fast 368 Milliarden Euro. Nicht ganz zwei Drittel dieser Summe gehen auf das Konto des Exports. Die Unternehmen gehören auch zu den wichtigsten Arbeitgebern. Insgesamt beschäftigten die verschiedenen Firmen - von großen Konzernen wie Volkswagen bis hin zu kleinen Zulieferbetrieben - 2014 im Schnitt fast 775.000 Menschen, 447.200 davon allein bei den Autoherstellern. Auch im Ausland sorgt die Branche für viele Jobs.
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