zur Navigation springen

Fachkräftemangel : Vor allem Frauen sollen es richten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Fachkräfte-Initiative des Landes will den Arbeitsmarkt trotz demografischen Wandels fit halten.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2013 | 06:53 Uhr

Kiel | Eine stärkere Erwerbstätigkeit von Frauen, eine Qualifizierung junger Erwachsener ohne Berufsausbildung, mehr Zuwanderung: Das sind drei Schwerpunkte der Fachkräfte-Initiative Schleswig-Holstein, die den Arbeitsmarkt im Norden trotz des demografischen Wandels langfristig fit halten soll. Vertreter von 23 Institutionen – darunter die Unternehmensverbände, die Arbeitsagentur, Gewerkschaften und Kammern – haben dazu gestern in Kiel einen Katalog mit 132 Einzelmaßnahmen unterzeichnet. Sie sollen einen drohenden Fachkräfte-Mangel von 100.000 Menschen bis 2030 verhindern.

Bei den Frauen sieht Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) „gehöriges Potenzial im Vergleich zu Skandinavien“. Ihre Erwerbsquote liegt in Schleswig-Holstein heute um 20 Prozent unter der der Männer. Gelänge ein gleiches Niveau, ließen sich bis 2025 78.000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzen, sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann. Ebenso bedenkenswert: Die weiblichen Teilzeitkräfte in Deutschland arbeiten EU-weit im niedrigsten Umfang – 18,5 Stunden pro Woche. In Schweden bringen sie es auf 25 Stunden. Neben einer noch besseren Kinderbetreuung forderte Haupt-Koopmann zur Entlastung von Frauen bessere Lösungen für die Pflege betagter Angehöriger.

Ein Auge hat die Initiative auf die 12 000 Schleswig-Holsteiner zwischen 20 und 35 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung geworfen. Meyer brachte ebenso wie DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn Anreize ins Spiel, um die Klientel schrittweise wieder ans Berufsleben zu gewöhnen. Auch gehe es darum, Unternehmen dafür zu gewinnen, sie allmählich in ihre Abläufe zu integrieren. Ebenso warb Meyer für eine bessere „Willkommenskultur“. „Zuwanderer herzuholen, mag noch einfach sein – die Herausforderung besteht darin, dass sie bleiben.“ Wie der Hotel- und Gaststättenverband junge Griechen als Azubis anzuwerben, könne nur ein erster Schritt sein. Strategien zur Integration müssten hinzukommen – sonst drohten eine schnelle Rückkehr und negative Mund-Zu-Mund-Propaganda. Auch hänge die Bekämpfung des Fachkräftemangels durch Ausländer von einer den Einheimischen vergleichbaren Qualifikation ab. „Zuwanderung kann immer nur eine Ergänzung sein“, betonte Meyer. Potenziale bei den Frauen zu heben, hält er für wichtiger. Entwicklungsbedarf sieht das Fachkräftebündnis zudem beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Arbeit sowie bei der Kooperation von Hochschulen und Wirtschaft.

„Schon heute ist in Teilen der Wirtschaft der Fachkräftebedarf nicht mehr zu decken“, mahnte der Präsident der Unternehmensverbände Nord, Uli Wachholtz, zur Eile. Durch das Auslaufen der Baby-Boomer-Jahrgänge würden sich die Probleme auf dem Arbeitsmarkt verschärfen. Der eigentliche Erfolg der Fachkräfte-Initiative liegt für Wachholtz „im breiten Konsens zwischen Politik, Verwaltung und Sozialpartnern.“ Meyer pflichtete dem bei: „Jetzt hat niemand mehr eine Ausrede, er habe nichts gewusst.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen