Wiederbelebte Fährverbindung : Von Brunsbüttel nach Cuxhaven in 70 Minuten

Von August 1999 bis März 2001 war die Elbe-Ferry in Betrieb. Jetzt soll eine neue Verbindung aufgenommen werden.
Von August 1999 bis März 2001 war die Elbe-Ferry in Betrieb. Jetzt soll eine neue Verbindung aufgenommen werden.

Ein estnischer Konzern will die Fährverbindung wieder aufnehmen - und zwar „so schnell wie möglich“. Politik und Wirtschaft begrüßen die Pläne.

shz.de von
09. Mai 2015, 08:53 Uhr

Schon bald soll es wieder einen Pendel-Verkehr zwischen Brunsbüttel und dem niedersächsischen Cuxhaven geben. Die Pläne des Fährunternehmens Elb-Link Reederei aus Cuxhaven sorgen für viel Zuspruch bei Politik und Wirtschaft im Norden.

Nach Angaben von Elb-Link-Geschäftsführer Christian Schulz werden zunächst zwei moderne Doppelendschiffe zum Einsatz kommen, die Personenverkehr, LKW und Gefahrentransporte von einem Hafen in den nächsten bringen können. Eine weitere Fähre kommt im nächsten Jahr dazu. Bis das dritte Fährschiff kommt, fahren die Fähren im Eineinhalbstunden-Takt. „Vielleicht bekommen wir es etwas schneller hin“, hofft Schulz.

Er rechnet mit 70 Minuten Fahrzeit und Hafenliegezeiten von zirka 20 Minuten. Der genaue Pendelrhythmus werde sich im Betrieb rausstellen. Der Betriebsbeginn sei „so schnell wie möglich“ für Ende Sommer, Anfang Herbst geplant.

Hinter der Elb-Link Reederei steht die estnische AS Tallink. Nachdem bei dieser Kapazitäten im Ostsee-Raum freigeworden sind, soll sie sich nach Informationen unserer Zeitung auf die Suche nach Ersatz-Projekten gemacht haben – und bei der Strecke Brunsbüttel-Cuxhaven fündig geworden sein. Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck (parteilos) zufolge war das Projekt nach zwei Machbarkeitsstudien immer wieder in der Branche beworben worden. So konkret, wie sich die Wiederaufnahme der Verbindung jetzt abzeichne, sei es dabei noch nie gewesen.

Nutzen soll Elb-Link für den Betrieb die ehemaligen Anleger der Elbe-Ferry, die zwischen 1999 und 2001 zwischen beiden Städten verkehrte. „Wir freuen uns, dass wir die Chance haben, unseren Radius zu erweitern“, hob Mohrdieck die regionalpolitische Bedeutung hervor. Denn nicht zuletzt die Industrie in der Region könnte profitieren. „Wir freuen uns darüber, wenn das kommt“, sagte Frank Schnabel, Sprecher der Betriebe im Brunsbütteler Industriegebiet. Dabei gibt er zu bedenken, dass Vergleiche mit früheren gescheiterten Fährverbindungen nur schwer möglich seien. „Heute ist der Nutzen einer solchen Fährverbindung deutlich höher als noch vor zehn Jahren.“

Um Hamburg herum habe sich der Verkehr in den vergangenen Jahren massiv verdichtet. Die positiven Effekte der Verbindung würden heute sicherlich weitaus stärker durchschlagen, als die negativen beim Wegfall der alten Verbindung. Trotz allem betont Schnabel, dass die Verbindung kein Ersatz für den Bau der A20 sein könne.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sagte, dass die Entlastungswirkung im Verkehr durch die künftige Fährverbindung nicht überschätzt werden sollten. „Wir dürfen den Weiterbau der A20 mit der westlichen Elbquerung nicht aus dem Blick verlieren“, so Meyer. Eine Fähre werde die Verkehre, die über diese Querung laufen sollen, nicht ersetzen können. Gleichwohl sprach Meyer von einer „guten Nachricht – auch für Schleswig-Holstein“. Eine Absage erteilte er möglichen finanziellen Hilfen, sollte der neue Betreiber auf der Strecke in Schieflage geraten.

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