Diesel-Abgastests an Affen : Volkswagen kann weitere Tierversuche nicht ausschließen

<p>Tierschützer demonstrieren vor der VW-Hauptversammlung in Berlin gegen Tierversuche mit Affen. </p>

Tierschützer demonstrieren vor der VW-Hauptversammlung in Berlin gegen Tierversuche mit Affen.

Mit Experimenten an Affen verärgerte VW nicht nur Tierschützer. Weitere Tierversuche könnten dennoch folgen.

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03. Mai 2018, 18:33 Uhr

Berlin | Bei der Hauptversammlung von Volkswagen am Donnerstag in den Berliner Messehallen verkündete der neue Konzernchef Herbert Diess, der Autobauer müsse anständiger werden. Darauf wollten ihn Tierschützer gleich festnageln: Vor den Hallen demonstrierten sie gegen umstrittene Tierversuche an Affen, die VW in den USA durchgeführt hat. Bei der Frage, ob VW künftig auf solche Tests verzichtet, weicht das Wolfsburger Unternehmen aus.

Gegenüber unserer Redaktion erklärte ein VW-Sprecher: „Wir machen nochmals deutlich, dass wir uns für die Vorgänge entschuldigen.“ Versuche an Tieren für zukünftige Forschungsvorhaben schließe Volkswagen weltweit zwar grundsätzlich aus – einschränkend gibt er dennoch zu: „Sofern keine zwingenden Gründe diese erforderlich machen.“ So könnten in bestimmten Ländern solche Tests aufgrund gesetzlicher Vorschriften nötig sein, sagte er.

Die Tierschützer forderten bei ihrem Protest in Berlin eine verbindliche Erklärung von VW, aus der hervorgehen müsse, dass der Konzern nie wieder Tierversuche durchführe. „Bis jetzt lässt diese Erklärung auf sich warten. Wir wollten daher unserer Forderung noch einmal Nachdruck verleihen“, sagte Denis Schimmelpfennig, ein Sprecher von Peta Deutschland. Etwa ein Dutzend Mitglieder der Tierschutz-Organisation hatten sich vor den Messehallen in Berlin versammelt, sie verteilten Flyer und hielten Plakate in die Höhe.  

Bei den in den USA durchgeführten Tests waren Affen Schadstoffen ausgesetzt worden. Die Versuche waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen habe. Die EUGT („Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“) – eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative – hatte die Studie in Auftrag gegeben. 

Der ehemalige Konzernchef Matthias Müller nannte die Tests nach dem Bekanntwerden inakzeptabel und kündigte „alle nötigen Konsequenzen“ an. „Die damals von der EUGT in den USA praktizierten Methoden waren falsch, sie waren unethisch und abstoßend. Mit Interessensvertretung oder wissenschaftlicher Aufklärung hatte das nichts, gar nichts zu tun“, sagte Müller. 

 „Volkswagen muss anständiger werden“ 

Bei der Hauptversammlung am Donnerstag taten die Wolfsburger kund, ihren viel beschworenen Kulturwandel nach einem holprigen Start entschlossener umsetzen. Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit einer gesunden Unternehmenskultur möglich, sagte Herbert Diess. „Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden.“

VW-Chef Herbert Diess bei der Hauptversammlung in Berlin.
dpa

VW-Chef Herbert Diess bei der Hauptversammlung in Berlin.

 

Der Vorstand habe mit „Together4Integrity“ ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht. Das interne Hinweisgeber-System soll demnach ausgebaut, Fehlverhalten kompromisslos geahndet werden.

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgasskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Thompson soll nach dem Abgasbetrug und Schuldeingeständnis des Konzerns in den USA sicherstellen, dass sich solches Verhalten nicht wiederholt.

Der schon von Müller ausgerufene Kulturwandel für mehr Kritikfähigkeit und ethisches Verhalten ließ bislang viele Fragen offen. Mitte April verlautete aus dem Aufsichtsrat, die entsprechenden Ziele müssten mutig und offen angegangen werden. Nötig seien belastbare Strukturen und Prozesse – „vor allem aber müssen wir auch danach handeln“, verlangte Diess.

Dazu gehöre es auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen: Den Weg zu einer offeneren Unternehmenskultur, in der Widerspruch belohnt statt erstickt werde, habe man unterschätzt. Werteverstöße gebe es in jeder größeren Organisation. Bei Volkswagen allerdings sei dies bis in die jüngere Vergangenheit hinein „eindeutig zu viel geschehen. Diess forderte überdies „eine Portion Demut“ ein.

Ausgliederungen von Nicht-Kerngeschäften denkbar

Zugleich konkretisierte der neue Vorstandschef, was er sich unter der neuen Konzernstruktur vorstellt – dabei schließt er auch Ausgliederungen von Nicht-Kerngeschäften nicht aus. Dies sei etwa bei Ducati oder Renk denkbar. Jedoch hatten Arbeitnehmervertreter einen Verkauf von Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent der Anteile hält, strikt abgelehnt. Die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge – Volkswagen Truck & Bus – solle weitgehend unabhängig von der Steuerung durch den Konzern aufgestellt und „in absehbarer Zeit“ fit für die Börse werden.

Diess erklärte, Volkswagen müsse bei Entscheidungen und deren Umsetzung schneller werden. Die Wege seien zu lang, zudem gebe es an vielen Stellen Doppelarbeit. Das solle mit der neuen Konzernstruktur anders werden. Die neuen Markengruppen heißen „Volumen“ (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge, Mobilitätsdienstleister Moia), „Premium“ (Audi, Porsche Holding Salzburg, Lamborghini, Ducati) und „Super Premium“ (Porsche, Bentley, Bugatti).

VW setzt im laufenden Jahr auf Dutzende weitere Modelle. 2018 werde der Konzern mehr als 70 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, sagte Diess. Gleichzeitig warnte er, der neue Prüfzyklus zur Bestimmung von Verbrauch sowie Schadstoff- und CO2-Emissionen (WLTP) könne zu Lieferengpässen führen.

(Mit dpa)

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