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Portal „Paket-Ärger.de“ : Verschwundene Lieferungen: Kunden sind sauer auf Paketdienste

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verbraucherschützer zählen 6500 Beschwerden. Fast die Hälfte klagt über mangelhafte Zustellungen.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2016 | 16:39 Uhr

Rund ein Fünftel der Geschenke werden übers Netz geordert, und kurz vor Weihnachten stehen die Paketdienste unter Stress. Da ist Ärger unvermeidlich. Den kann man aber auch wieder loswerden: Über ein Portal der Verbraucherzentrale, das Kundenbeschwerden sammelt, um Druck aufzubauen.

Das Projekt läuft seit einem Jahr. Jetzt haben die Betreiber von „Paket-Ärger.de“ eine erste, positive Bilanz gezogen. „Wir haben das Gefühl, dass das beim Verbraucher sehr gut ankommt“, sagte Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. 6500 Beschwerden sind eingegangen.

Knapp 45 Prozent der Kunden berichten, ihr Paket sei trotz Ankündigung per Smartphone-App oder Mail nicht zugestellt worden. Stattdessen wurden die Lieferungen in die nächste Filiale oder ein benachbartes Geschäft gebracht. „Ich bin den ganzen Tag zu Hause und warte auf das Paket und bekomme per digitaler Sendungsverfolgung gepusht, dass der Mitarbeiter angeblich bei mir war und mich nicht erreicht hat“, schreibt ein Kunde. „Ich würde eher sagen, dass dieser Mann keine Lust hatte und einfach nicht geklingelt hat. Ich finde das persönlich echt unter aller Sau.“ Das Unternehmen entschuldigte sich und erklärte: „Die Zustellfahrer sind dazu angehalten, Pakete erst dann alternativ zuzustellen, wenn der Empfänger nicht vor Ort war.“

Aber auch diese alternative Zustellung läuft oft nicht so ab, wie vorgeschrieben. Ein Fahrer warf ein Paket durchs geöffnete Fenster – es landete auf der Toilette. „Man kann von Glück reden, dass der Deckel geschlossen war“, schreibt die Kundin. Kein Einzelfall. „Hallo, ich habe das Paket auf die Terrasse Richtung Küchenfenster geworfen“, notierte ein Zusteller auf die Sendungsbenachrichtigung.

Und ein anderer vermerkte knapp: „Auf Balkon hochgeworfen.“ Der war sechs Meter hoch. Ein Zusteller schaffte es sogar noch weiter. „Er nahm das Päckchen in die Hand und warf es etwa zehn Meter über das Tor in unseren Hof. Das können meine Nachbarn bezeugen“, schreibt eine Frau.

Offenbar liegen bei manchen Fahrern, die teilweise nur pro angenommenen Paket bezahlt werden, schnell die Nerven blank. „Der Zusteller hat uns nicht angetroffen. Aus Wut darüber hat er die Sendung die Haustreppe herunter geworfen“, berichtet ein Verbraucher. Immerhin kam das Paket an – bei acht Prozent der Beschwerden war die Lieferung komplett verschwunden.

Das Portal, finanziert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, sammelt die Vorfälle und stellt die Paketdienste zur Rede. Sie haben 14 Tage Zeit für eine Stellungnahme. Nachdem die Frist verstrichen ist, werden die Beschwerden unter Nennung des Paketdienstes anonymisiert veröffentlicht.

„So können wir verlässliche Daten über die Probleme mit Zulieferern bekommen und auf dieser Basis die Empfängerrechte stärken, erklärte Husemann und fügt hinzu: „Wir sehen, dass der Empfänger die schwächste Position hat und werden im kommenden Jahr konkrete Forderungen ausarbeiten.“

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