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Verbraucherschutz oder Handelsbremse? „Made in Germany“ in Gefahr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 15:17 Uhr

Die deutsche Industrie ist stolz auf das Gütesiegel, für Verbraucher ist es ein wichtiges Kaufargument: Seit Jahrzehnten ist „Made in Germany“ mehr als eine Herkunftsbezeichnung. Die Kennzeichnung steht weltweit für Top-Produkte aus Deutschland. Nun will die EU die Bedingungen dafür verschärfen – zum Schutze der Verbraucher. Doch die deutsche Industrie lehnt das ab: Die Neuregelung, über die das Europaparlament kommende Woche berät, helfe Verbrauchern nicht, erhöhe aber den bürokratischen Aufwand und damit neue Handelshemmnisse für die Betriebe.

Wenn der Vorschlag angenommen wird, müsste sich die deutsche Industrie spätestens 2016 umstellen, warnt der Bundesverband der Elektroindustrie (ZVEI): „So könnten Hersteller die Kennzeichnung ‚Made in Germany‘ nicht mehr unter Produkte setzen, die im Wesentlichen im Ausland hergestellt wurden.“ Das mag sinnvoll erscheinen. Doch PricewaterhouseCoopers-Experte (PwC) Peter Bartels widerspricht: „Eine ausschließlich an der Wertschöpfung orientierte Herkunftsbezeichnung halten wir eher für irreführend – der Produktionsort allein sagt über die Eigenschaften und Qualität einer Ware schließlich nichts aus.“

Bisher ist die Angabe „Made in Germany“ auf der Verpackung freiwillig, die Kommission will sie für Verbraucherprodukte (außer Lebensmittel) zur Pflicht machen. Brüssel glaubt, so mehr Klarheit für Verbraucher zu schaffen und fehlerhafte Waren besser rückverfolgen zu können.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer meint, dass damit nicht sichergestellt sei, dass der Verbraucher das bekommt, was er bisher mit dem Label verbinde: „Qualität, Technik, Design und eine Verarbeitung auf höchstem Niveau.“

Einer PwC-Umfrage zufolge rechnet jeder dritte Mittelständler in Deutschland mit Umsatzverlusten, sollte er das Siegel nicht mehr verwenden können – denn es habe sich zu einer Weltmarke weiterentwickelt. Hierzulande kauften neun von zehn Verbrauchern ein Produkt eher, wenn es mit „Made in Germany“ ausgezeichnet sei.

Doch eine Hoffnung bleibt: Der EU-Ministerrat muss nach dem Parlament grünes Licht geben. Und viele Staaten – nach Diplomaten-Angaben 16 – stehen dem skeptisch gegenüber – wie Deutschland.

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