Sinkende Energiekosten : Verbraucherpreise fallen erstmals seit 2009

Der Absturz der Ölpreise freut die Verbraucher, setzt aber die Währungshüter erheblich unter Druck. Denn erstmals seit Jahren fallen die Verbraucherpreise wieder.

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07. Januar 2015, 11:47 Uhr

Luxemburg | Wegen dramatisch fallender Energiekosten gehen die Preise im Euroraum erstmals seit dem Krisenjahr 2009 wieder zurück. Die jährliche Inflationsrate betrug im Dezember vergangenen Jahres minus 0,2 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg in einer ersten Schätzung berichtete.

Im Oktober 2009 hatte die Teuerungsrate in der Eurozone minus 0,1 Prozent betragen, im September 2009 minus 0,3 Prozent. Seitdem lag die Rate laut Eurostat stets im positiven Bereich. Die Europäische Zentralbank strebt eine Rate von knapp unter zwei Prozent an, bei der sie Preisstabilität gewahrt sieht.

Im Eurogebiet mit nun 19 Ländern - Litauen trat zum Jahreswechsel bei - wird schon länger eine Deflation befürchtet. Das ist eine Abwärtsspirale aus rückläufigen Preisen und schrumpfender Wirtschaft. Der Druck auf die Europäische Zentralbank steigt, gegen fallende Preise vorzugehen. Beobachter erwarten, dass die Notenbank am 22. Januar einen massiven Kauf von Staatsanleihen ankündigen wird.

Die Energiepreise gingen im Dezember im Euroraum um 6,3 Prozent zurück, im Vormonat waren es noch minus 2,6 Prozent gewesen. Die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak stagnierten zum Ausklang des Jahres (0,0 Prozent). Bei Dienstleistungen gab es hingegen einen leichten Anstieg von 1,2 Prozent.

Auch im neuen Jahr haben die Ölpreise ihre Talfahrt fortgesetzt. Zur Wochenmitte fiel der Preis für Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee erstmals seit fünfeinhalb Jahren unter die Marke von 50 US-Dollar und erreichte am Vormittag bei 49,66 Dollar den tiefsten Stand seit Mai 2009.

Zuvor war bereits der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) deutlich unter die 50-Dollar-Marke gefallen. Seit vergangenen Sommer haben sich die Ölpreise wegen des hohen Angebots mehr als halbiert.

„Die weiterhin üppige Versorgungslage lastet schwer auf den Ölpreisen“, erklärte Experte Frederik Kunze von der NordLB den Fall des Brent-Preises unter die „psychologisch bedeutende Marke von 50 Dollar“. Er sieht derzeit kaum Hinweise für eine schnelle Trendwende.

Die rasante Talfahrt der Ölpreise hat nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) den Effekt eines milliardenschweren Konjunkturpakets. Bleibe der Preis auf dem aktuellen Niveau, würden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der „Bild“-Zeitung. Die Verbraucher profitierten bei den Benzin- und Heizkosten. Aber auch die Industrie spare ebenso wie Fluggesellschaften oder Spediteure.

Händler erklärten den aktuellen Preisrutsch auch mit der Aussicht auf weiter steigende Ölreserven in den USA. Die US-Regierung wollte die offiziellen Daten am Mittwochnachmittag veröffentlichen. Außerdem spiele eine Einschätzung von Experten der Citigroup eine Rolle. Demnach dürften sich die Ölimporte der zweitgrößten Volkswirtschaft China im laufenden Jahr abschwächen.

Eurostat wird am 16. Januar detaillierter über die Entwicklungen im Eurogebiet berichten und dann auch Zahlen zu den Mitgliedsländern veröffentlichen. In Deutschland hatte die Jahresinflationsrate nach ersten Angaben des Statistischen Bundesamtes im Dezember bei 0,2 Prozent gelegen.

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