zur Navigation springen

Historische Entscheidung der Fed : USA erhöhen Leitzins: Das müssen Sie jetzt wissen

vom

Warum steigen jetzt die US-Zinsen? Was heißt das für die Wirtschaft? Und was passiert in Europa?

von
erstellt am 16.Dez.2015 | 20:15 Uhr

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöht nach sieben Jahren nahe der Nulllinie erstmals wieder ihre Leitzinsen. Die kurzfristigen Zinsen steigen um zunächst 0,25 Prozentpunkte auf ein Niveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent, teilte der Offenmarkt-Ausschuss der Fed nach seiner Dezember-Sitzung am Mittwochabend deutscher Zeit in Washington mit.

Die Fed läutet damit ein neues geldpolitisches Zeitalter ein und lässt die Phase der großen Finanzkrise hinter sich. Zuletzt hatten sich mit Arbeitsmarkt und Inflation die wichtigsten Indikatoren so entwickelt, dass eine Zinsanhebung wahrscheinlicher wurde. Die US-Zinsen haben über den Dollarkurs weltweite Bedeutung.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

„Leitzinsen“: Was ist das überhaupt?
Die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen.

Die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen.

Foto:EPA/Michael Reynolds

Spricht man in den USA vom Leitzins, ist die „Fed Funds Rate“ gemeint. Das ist der Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld von der Notenbank leihen. Dazu müssen sie als Sicherheit festverzinsliche Wertpapiere, in der Regel Staatsanleihen, hinterlegen. Der Leitzins bestimmt also zunächst nur die Refinanzierungskosten der Geschäftsbanken. Die geben diese aber in der Regel an ihre Kunden über die Höhe ihrer Kreditzinsen weiter. Das Pendant zur Fed Funds Rate im Bereich der Europäischen Zentralbank EZB heißt „Hauptrefinanzierungsinstrument“, wird aber in der Regel ebenfalls als „EZB-Leitzins“ bezeichnet.

Wie kann eine Notenbank die Zinsen für Unternehmen und Verbraucher beeinflussen?

Der Leitzins bestimmt unmittelbar die Zinsen für Kredite mit kurzer Laufzeit (im Jargon: „am kurzen Ende“). Meist steigen oder sinken „am langen Ende“, also bei Krediten mit mehrjähriger Laufzeit, die Zinsen entsprechend. Manchmal klappt das aber nicht. So blieben etwa während der Finanzkrise die langfristigen Zinsen trotz niedrigem Leitzins vergleichsweise hoch. Will eine Notenbank diese Zinsen unmittelbar drücken, hat sie eine weitere Möglichkeit: Kreditpapiere, Anleihen genannt, am Markt aufzukaufen, um das Zinsniveau zu drücken. Sowohl die Fed als auch die EZB haben in den letzten Jahren zu diesem Mittel gegriffen.

Warum sind Zinsen so wichtig für die Wirtschaft?

Ein großer Teil der wirtschaftlichen Aktivität wird per Kredit finanziert - sowohl von Unternehmen als auch von Privatleuten. Je niedriger die Zinsen, desto billiger ist es zu investieren. Der Leitzins beeinflusst so die wirtschaftliche Aktivität.

Warum lässt man Zinsen nicht dauerhaft niedrig?

Niedrige Zinsen haben Nachteile. Sie können falsche Anreize für  Investitionen setzen und so dafür sorgen, dass eine Hochkonjunktur überhitzt und im Abschwung endet. Sie erhöhen die Geldmenge und können so zu Inflation führen. Sie schwächen tendenziell die eigene Währung und machen Importe möglicherweise teurer. Und sie bestrafen Sparer und machen so die finanzielle  Vorsorge für das Alter schwerer. Und sie können Preisblasen an den Finanzmärkten auslösen oder verstärken, weil das viele billige Geld nach Anlagemöglichkeiten sucht. Daraus entsteht die Gefahr schneller Preisbewegungen nach unten - etwa am Aktien- oder Immobilienmarkt.

Warum senkt die Fed ausgerechnet jetzt die Zinsen?

Niedrigzinsphasen sollten grundsätzlich zeitlich begrenzt werden, weil sonst die negativen Effekte durchschlagen können. Die Fed erwägt deshalb schon seit einigen Quartalen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Erhöhung wäre. Die US-Wirtschaft hat sich von der schweren Rezession in den Jahren ab 2007 wieder erholt. Vor allem die Arbeitslosigkeit ist mit rund fünf Prozent wieder niedrig. Deshalb ist nun ein günstiger Zeitpunkt.

Beeinflusst die Fed auch die Zinsen in Europa?
EZB-Chef Mario Draghi.

EZB-Chef Mario Draghi.

Foto:dpa/Arne Edert

Direkt nicht, denn dafür ist die EZB zuständig. Indirekt gibt es aber eine Reihe von Effekten. Ein erklärter Grund für die Niedrigzinspolitik der EZB ist die Gefahr einer Deflation, also einer Preisspirale nach unten. Sind die Zinsen in den USA höher als in Europa, schwächt dies den Euro, Importe werden teuer, das Preisniveau im Euro-Raum steigt tendenziell. Die Fed hilft also der EZB, damit diese nicht mehr so aggressiv gegen Deflation vorgehen muss.

Außerdem beeinflussen sich die weltweit wichtigen  Notenbanken gegenseitig in ihrer Zinspolitik. Neben Fed und EZB gehören dazu die Bank of England und die Bank of Japan. Das Ziel ist, die Leitzinsen und die großen Leitlinien der Notenbankpolitik nicht allzu weit auseinander laufen zu lassen. Sonst bestünde das Risiko weltweiter Währungsturbulenzen.

Und nicht zuletzt: Die EZB macht unter ihrem italienischen Chef Mario Draghi zwar einen sehr selbstbewussten Eindruck. In der Vergangenheit folgte sie aber meist, mit Abstand von vielen Monaten, der groben Linie der Fed. So liegen die US-Leitzinsen seit November 2008 bei nahe null. In Europa schien das damals, vor allem wegen der Inflationsgefahren, noch undenkbar. Die hiesige Zinssatz betrug damals 3,25 Prozent. Die EZB folgte dann schrittweise bis November 2013 auf  0,25 Prozent und endgültig im September 2014 mit 0,05 Prozent.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen