Aktienmärkte : US-Notenbankchef schickt Börsen auf Talfahrt

Ben Bernanke, US-Notenbankchef, bei seinem Vortrag.  Foto: dpa
Ben Bernanke, US-Notenbankchef, bei seinem Vortrag. Foto: dpa

Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke haben die nervösen Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt.

Avatar_shz von
21. Juni 2013, 09:49 Uhr

Washington | Auch die Preise für Gold und Öl gaben am Donnerstag deutlich nach. Bernanke hatte zuvor einen schrittweisen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik der US-Zentralbank Fed noch in diesem Jahr nicht ausgeschlossen. Die rotierende Notenpresse hatte die Börsen in den vergangenen Jahren beflügelt, doch Spekulationen über eine Drosselung führten zuletzt bereits zu Kursverlusten. Eigentlich sind Bernan kes Aussagen Anzeichen für eine Erholung der US-Konjunktur und damit eine gute Nachricht - allerdings wirkten die Gegenmaßnahmen der Fed an den Märkten Ökonomen zufolge wie eine Droge, die nun entzogen wird.
Die Fed kauft seit 2008 massiv Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um die US-Wirtschaft zu beflügeln. Diese "Lockerungs"-Programme wurden aufgelegt, weil die Leitzinsen, das klassische Instrument der Notenbank, bereits nahe Null lagen. Bernanke betonte, die Fed könne noch in diesem Jahr mit einer Verringerung der Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar (63 Milliarden Euro) monatlich beginnen. An der Zinspolitik dürfte die Notenbank allerdings auf längere Sicht nicht rütteln. Aus Fed-Kreisen hatte es zuvor gegensätzliche Signale über den weiteren geldpolitischen Kurs gegeben. Der Fed-Chef wies auf Fortschritte am Arbeitsmarkt hin. Insgesamt hätten sich die Risiken für die Wirtschaft seit Herbst verbessert, heißt es auch in einer Mitteilung des Fed-Offenmarktausschusses. Dennoch sei die Arbeitslosenquote weiter hoch - sie liegt bei 7,6 Prozent. Um eine stärkere Erholung zu stützen, würden die Anleihenverkäufe vorläufig fortgesetzt.
Bernanke kündigte aber an, dass das Tempo "später im Jahr" verringert werden könnte. Mitte 2014 könnten die Programme dann ganz gestoppt werden. Eine erste Erhöhung des Leitzinses liege aber noch in weiterer Ferne. Sämtliche Börsen reagierten negativ. Der Nikkei-Index in Tokio verlor 1,74 Prozent, der Dow Jones Industrial an der New Yorker Wall Street 1,35 Prozent. Der deutsche Leitindex Dax gab gestern zum Schluss 3,2 Prozent ab, der EuroStoxx 50 der Eurozone 3,35 Prozent. Der Preis für eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) fiel unter 1300 US-Dollar (970 Euro) und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Anfang April hatte er noch bei 1600 US-Dollar (1196 Euro) gelegen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen