BS Payone : US-Investoren greifen nach Sparkassen-Tochter in Kiel

Eine Erfolgsstory aus Kiel: Payone gehört europaweit zu den fünf führenden Unternehmen in der Branche.
Eine Erfolgsstory aus Kiel: Payone gehört europaweit zu den fünf führenden Unternehmen in der Branche.

Mehrere Firmen prüfen einen millionenschweren Einstieg bei BS Payone, das einst aus einem Kieler Vorzeige-Start-up hervorgegangen ist.

till_maj_0539 von
06. November 2017, 14:48 Uhr

Kiel | Mehrere Private-Equity-Firmen prüfen offenbar einen millionenschweren Einstieg bei dem in Kiel verwurzelten Zahlungsdienstleister BS Payone. Das Unternehmen ist eine Tochter des Deutschen Sparkassenverlags (DSV) und gilt als zentraler Baustein der Sparkassen für Zahlungsverkehr im Internet und bargeldloses Bezahlen. Dem Vernehmen nach soll es sich bei den Interessenten um die beiden in Boston ansässigen Firmen Advent International und Bain Capital handeln.

BS Payone entstand Anfang des Jahres aus der Fusion des in Frankfurt ansässigen BS+Card Service, der unter anderem die Kartenlesegeräte an den Kassen im Einzelhandel betreibt, und dem auf Online-Zahlungsverkehr spezialisierten Kieler Unternehmen Payone. Seit der Fusion hat das Unternehmen seinen Sitz in Frankfurt. In Kiel und Berlin unterhält es weiterhin Filialen. Zusammen wickeln sie jährlich mehr als eine Milliarde Transaktionen ab. Aus der Geschäftsführung von BS Payone wollte sich niemand zu den Vorgängen äußern.

Bieterprozess soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein

Der DSV als Hauptanteilseigner bestätigte auf Anfrage, dass es einen Bieterprozess geben würde. Bis Ende 2018 soll er abgeschlossen sein. „Über die Höhe der zu veräußernden Anteile können wir derzeit keine Angaben machen“, teilte eine Sprecherin mit. Hintergrund sei, dass mit dem Einstieg „das deutsche Acquiring-Geschäft mit europaweit agierenden Händlern gestärkt und weiter ausgebaut werden“ soll.

Erst Ende 2014 war der DSV bei den Kielern mit eingestiegen und hatte 80 Prozent der Anteile übernommen. Der Kauf galt damals als Vorstoß der Sparkassen in die Welt mobiler Bezahlsysteme. Der DSV ist Dienstleister der Sparkassen, seine Eigentümer sind die verschiedenen Sparkassen-Verbände – darunter auch der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein – sowie mehrere Landesbanken.

Payone – eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Deutschlands

Die US-Firmen sollen einem Bericht der „Private Equity News“ zufolge allerdings nur an einer Komplett-Übernahme von BS Payone interessiert sein. Ziel dürfte in diesem Falle das Verschmelzen von BS Payone mit anderen Firmen aus dem Reich von Advent und Bain sein. In den vergangenen Monaten haben die beiden Private-Equity-Firmen gemeinsam nämlich bereits den auf bargeldlosen Zahlungsverkehr spezialisierten Dienstleister Concardis für 700 Millionen Euro übernommen. Auch hinter Concardis standen bis dahin zu gut einem Drittel die Sparkassen- und Privatbanken als Eigentümer, ein Fünftel der Anteile entfiel damals auf die genossenschaftlichen Institute. Der Zahlungsdienstleister hat unbestätigten Angaben vom vergangenen Jahr zufolge zuletzt gut 40 Prozent der Kreditkartenumsätze in Deutschland abgewickelt.

Vor der Fusion beschäftigte das Kieler Unternehmen Payone alleine rund 150 Mitarbeiter, einen Großteil davon in der Landeshauptstadt und galt in den vergangenen Jahren als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen in Deutschland. Ende 2016 zählte es mehr als 4000 E-Commerce-Unternehmen zu seinen Kunden.

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