Telekommunikation : US-Geschäft schiebt Telekom an: Deutschland stagniert

Während die US-Tochterder Telekom nach der Neuaufstellung boomt, stottern die Geschäfte in Europa.
Während die US-Tochterder Telekom nach der Neuaufstellung boomt, stottern die Geschäfte in Europa.

Nach der Fusion ihrer US-Mobilfunktochter mit einem kleineren Anbieter startet die Deutsche Telekom wieder durch. Angeschoben durch die guten Geschäfte in den USA erhöhte sich der Nettogewinn des Konzerns in den ersten neun Monaten 2013 auf knapp 1,7 Milliarden Euro, Dies teilte die Telekom in Bonn mit.

shz.de von
07. November 2013, 10:21 Uhr

Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Verlust von sechs Milliarden Euro verbucht. «Die wirtschaftliche Verfassung der Deutschen Telekom ist ausgesprochen gut», resümierte der scheidende Vorstandschef René Obermann.

Zum Jahresende verlässt der 50-jährige Manager nach sieben Jahren als Vorstandsvorsitzender und insgesamt 16 Jahren die Bonner Telekom-Bühne. Obermann wechselt an die Spitze des niederländischen Kabelunternehmens Ziggo. Nachfolger ist der derzeitige Finanzchef Tim Höttges. «Ich bin total entspannt», sagte Obermann auf die Frage nach seinem Befinden vor dem Hintergrund seines Wechsels zu einem Kabelunternehmen, dessen Großaktionär der US-Riese Liberty Global ist. In Deutschland ist Liberty mit der Tochter UnityMedia Kabel BW aktiv.

Unterdessen kündigte Obermann den Kabelnetzbetreibern in Deutschland den Kampf an. Mit dem fortschreitenden Glasfaserausbau und mit der sogenannten Vectoring-Technik, die die Kundenanschlüsse auf der letzten Meile wesentlich beschleunigen soll, werde die Telekom stärker. «Wir werden das Feld keinesfalls den Kabelnetzbetreibern überlassen», sagte der Vorstandschef.

In den USA sei der Telekom eine beeindruckende Trendwende gelungen. Allein im dritten Quartal habe sich die Gesamtkundenzahl um mehr als eine Million auf 45 Millionen erhöht. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet die Telekom nunmehr bei den Vertragskunden einen Zuwachs unter der eigenen Marke um 1,6 bis 1,8 Millionen.

Zufrieden zeigte sich Obermann mit der Geschäftsentwicklung in Deutschland. Das übrige Europa bleibt dagegen mit rückläufigen Umsätzen und Erträgen ein Sorgenkind. Mit 16,8 Milliarden Euro erreichte die Telekom auf ihrem Heimatmarkt knapp den Umsatz des Vorjahreszeitraums. Im gesamten Konzern mit seinen weltweit 229 000 Mitarbeitern waren es 44,5 Milliarden Euro. Ende September lag die Zahl der Mobilfunkkunden der Telekom bei 37,9 Millionen, fast zwei Millionen mehr als vor einem Jahr.

Obermann mahnte erneut eine Reform der Regulierungs- und Wettbewerbspolitik in Europa an. Der Kontinent laufe Gefahr, dass der Ausbau der Infrastruktur gegenüber den USA und asiatischen Staaten ins Hintertreffen gerate. Mit Blick auf teure und undurchsichtige Frequenzauktionen sagte er: «Die Zitrone ist ausgequetscht, mehr geht nicht.» Den Unternehmen würde die Basis für weitere Investitionen entzogen. Er warnte davor, das Europa zu einem Übernahmeobjekt werden könnte. Die Gerüchte über Pläne zur Übernahme des Mobilfunkriesen Vodafone durch den US-Giganten AT&T müssten ernst genommen werden.

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