Digitaler Supermarkt : Unternehmen aus Niedersachsen macht kassenlose Aldi-Filiale in London möglich

Author: Aldi
Seit heute können Aldi-Kunden in London einkaufen, ohne an der Kasse bezahlen zu müssen. Möglich macht das auch Expertise aus Niedersachsen.

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18. Januar 2022, 19:01 Uhr

In den Supermarkt gehen, Milch und Schokolade in die Tasche stecken und den Markt verlassen, ohne vom Ladendetektiv aufgehalten zu werden: Unter anderem in einer Aldi-Filiale in London funktioniert das schon. Was ein Unternehmen aus Niedersachsen damit zu tun hat.

Wird das die Zukunft? Am Eingang des Supermarktes einen QR-Code scannen, Einkäufe in die Tasche stecken und am Ende einfach den Laden verlassen: Das können Kunden nicht nur in der ersten Filiale der Supermarktkette „AmazonGo“ in London, sondern auch in einer Rewe Filiale im nordrhein-westfälischen Köln. Nun zieht auch Discounter Aldi nach und lässt in seiner Filiale an der Greenwich High Road in London Kunden nach dem Vorbild von AmazonGo kassenlos einkaufen – mit technischer Expertise aus Niedersachsen.

Seit Herbst vergangenen Jahres läuft bereits der Testlauf mit Aldi-Mitarbeitern in London. Seit Dienstag steht die Technologie nun allen Kunden zur Verfügung. Dass der digitale Einkauf in Großbritanniens Hauptstadt funktioniert, daran hat das Osnabrücker Unternehmen Basecom einen großen Anteil.  Das auf E-Commerce spezialisierte Unternehmen hat unter anderem die App entwickelt, die Aldi-Kunden zum Einkauf verwenden.

App von Aldi kommt aus Osnabrück

Sie ist das Herzstück des kassenlosen Einkauf, wer das Aldi Shop&Go-Konzept nutzen will, der muss sie herunterladen. Bevor er den Supermarkt betritt, wird am Eingang sein persönlicher QR-Code aus der App gescannt. Dann kann der Kunde sein Smartphone in die Tasche stecken, den Rest erledigt die Technik.

Denn anders als zum Beispiel bei Combi in Osnabrück oder Bielefeld müssen Eier, Pizza und Gemüse nicht händisch mit dem Smartphone eingescannt werden, um auf dem Kassenbon zu erscheinen. „Kameras an den Decken verfolgen den Kunden durch den Supermarkt und erkennen nicht nur, dass etwas aus dem Regal genommen wurde, sondern auch was“, erklärt Basecom-Geschäftsführer Manuel Wortmann. Auch an dieser Schnittstelle zwischen Kamerasystem und Warenwirtschaftssystem des Discounters hat das Osnabrücker Unternehmen gearbeitet. Am Ende des Einkaufs kann der Kunde den Supermarkt einfach verlassen, abgerechnet wird automatisch über die App.

Auch Altersfreigabe bei Alkohol läuft über die App

Rund ein Jahr lang hat ein Basecom-Team an der Umsetzung gearbeitet. In Zusammenarbeit mit der Innovationsabteilung von Aldi-Süd, wie Wortmann erklärt. Die vielen unterschiedlichen Systeme miteinander zu verbinden, das sei in dem Projekt die größte Herausforderung gewesen, sagt er rückblickend. Dazu zählt auch die Altersverifikation, die über die App läuft. Dort hinterlegt der Nutzer ein Bild, eine künstliche Intelligenz entscheidet dann, ob ein Kunde alt genug ist, oder nicht.

Der Nutzer muss sich jedoch nicht darauf einlassen. Wer sich dagegen entscheidet, wird von einem Mitarbeiter im Discounter kontrolliert, heißt es bei Aldi. Gleiches gilt, wenn die KI mit ihrer Schätzung falsch liegt.

Selbst in Großbritannien getestet hat der Osnabrücker Manuel Wortmann das System bislang nicht. „Pandemiebedingt konnten wir noch nicht rüberfliegen. Das will das Team aber nachholen.“

Basecom-Geschäftsführer: Super, so früh mit dabei zu sein

Die technische Umsetzung des kassenlosen Supermarktes ist Wortmann zufolge nicht das größte Projekt, dass Basecom bislang durchgeführt hat. Allerdings: „Die Technologie dahinter hat das Potenzial, so viele Menschen zu erreichen wie kaum ein anderes unserer Projekte. Der Lebensmitteleinzelhandel betrifft jeden. Hier so früh mit dabei zu sein ist super“, sagt der Basecom-Geschäftsführer.

Abgeschlossen ist die Kooperation mit Aldi noch nicht, es bleibe immer noch etwas zu tun. „Viele Funktionserweiterungen sind noch geplant“, so Wortmann. Nun beginne erst einmal der Test mit Kunden, um zu sehen, wie sie das Angebot in der Test-Filiale annehmen.

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