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Umstrittener Genmais vor der Zulassung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesregierung enthält sich bei Abstimmung / Agrarminister Friedrich plant regionale Ausstiegsklauseln für die Sorte 1507

Der umstrittene Genmais 1507 wird mit großer Wahrscheinlichkeit für den Anbau in Europa zugelassen. Die große Mehrheit der EU-Minister sprach sich bei ihrem gestrigen Treffen in Brüssel in öffentlicher Debatte zwar gegen die Genehmigung aus. Allerdings kam dabei nicht die nötige Stimmenzahl für eine Ablehnung zusammen. Deutschland enthielt sich der Stimme. Damit liegt die Entscheidung bei der EU-Kommission. Der zuständige Gesundheitskommissar Tonio Borg erklärte, er sei für die Zulassung. Wann es dazu kommt, blieb vorerst unklar. Der genveränderte Mais der US-Saatgutfirma Dupont Pioneer ist resistent gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel und Mottenlarven. Verwendet werden könnte der Mais in Tierfutter und Biogasanlagen. Kritiker sehen Gefahren für die Umwelt.

Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will sich im Falle einer Zulassung dafür stark machen, dass die Bundesländer regionale Ausstiegsklauseln bekommen. Die meisten Bundesländer lehnen die gentechnisch veränderte Maissorte 1507 ab – auch Schleswig-Holstein (wir berichteten). Der deutsche Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD) sagte, es sei noch nicht entschieden, ob Deutschland im Alleingang aus der EU-Zulassung ausscheren werde: „Darüber werden wir zu diskutieren haben. Die klare Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die deutschen Länder sind strikt gegen den Anbau.“

Doch das ist nicht überall so: Weltweit liegt die Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen bei gut 170 Millionen Hektar. Nach diesen Zahlen von 2012 – jüngere gibt es noch nicht – wird auf gut der Hälfte der Anbaufläche Soja angebaut, auf 55,6 Millionen Hektar Mais. Das entspricht immerhin etwa 30 Prozent des Maisanbaus insgesamt. Die gentechnisch veränderten Maispflanzen wachsen aber vor allem in den USA, wo die Maisernte zu 88 Prozent aus diesem Anbau stammt. In Brasilien sind es 70 Prozent. Dahinter folgen Argentinien, Kanada und Indien. In Europa pflanzen bisher nur Bauern in Spanien, Portugal, Tschechien, Rumänien und der Slowakei insektenresistenten Mais an.


Spanien ist Europas größter Genmais-Produzent


Auf fast 137 000 Hektar gedeiht Genmais in Spanien, das größte Anbaugebiet in Europa. Der sogenannte Bt-Mais, der resistent ist gegen den Schädling Maiszünsler, bringt den spanischen Bauern einen Extra-Bruttogewinn von mehr als elf Millionen Hektar. Das entspricht einem Zusatzgewinn von 95 Euro pro Hektar.

Die Industrie begrüßt die Entscheidung aus Brüssel, denn die Zulassung basiere auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sagt Ricardo Gent, Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie. Doch ob dies den deutschen Unternehmen praktische Vorteile bringen könnte, bezweifelt er. Die seien im weltweiten Vergleich zwar sehr wettbewerbsfähig. Aber viele verlagerten nicht nur die Produktion, sondern auch ihre Forschung und Entwicklung außerhalb Europas, weil sie dort Forschung und Entwicklung bis zur Marktreife betreiben könnten.

So hatte Anfang 2012 auch der weltgrößte Chemiekonzern BASF entschieden, seine Aktivitäten in der Pflanzenbiotechnologie auf Nord- und Südamerika zu konzentrieren. Es sei aus unternehmerischer Sicht nicht sinnvoll, in Deutschland und Europa in Produkte und Technologien zu investieren, denen in weiten Teilen Europas die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker fehle, so BASF-Chef Kurt Bock.

Auch wenn bis heute also in Deutschland gentechnisch veränderter Mais nicht angebaut wird, darf er doch eingeführt und verarbeitet werden. 48 gentechnisch veränderte Pflanzen haben eine entsprechende Zulassung in der EU; davon sind mehr als die Hälfte Maispflanzen. Lebens- und Futtermittel müssen hier gekennzeichnet werden, wenn der Anteil gentechnisch veränderter Organismen in ihnen bei mehr als 0,9 Prozent liegt.

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erstellt am 11.Feb.2014 | 14:00 Uhr

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