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Ukraine-Krise: Handel im Norden klagt über Einbußen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unternehmensverband fürchtet weitere Eskalation / Hamburger Hafen warnt vor Auswirkung von Sanktionen

Die Ukraine-Krise setzt der Wirtschaft in Schleswig-Holstein zu. Hafenbetreiber melden Rückgänge bei Umschlagszahlen, Exporteure erleiden Einbußen. Zeigte sich der Groß- und Außenhandel in der Vergangenheit noch recht zuversichtlich, hat sich diese Sichtweise inzwischen drastisch verdunkelt. „Schon jetzt hat der Konflikt Spuren im Handel mit Russland und der Ukraine hinterlassen“, sagt Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbands. „Diese Entwicklung ist schmerzhaft für die norddeutschen Unternehmen, gerade weil eine langfristige Planung nicht mehr möglich ist.“ Und Kruse warnt: „Wenn die Lage weiter eskaliert, könnte es weitere empfindliche Einbußen bei den Händlern geben.“


Krise belastet Zahlen vom Hamburger Hafen


Einen Vorgeschmack auf eine mögliche Zukunft hat Klaus-Dieter Peters bereits bekommen. Der Chef des Hamburger Hafenkonzerns HHLA sprach gestern bei der Vorstellung der Quartalszahlen von „fundamentalen Unsicherheiten“. Zwar legte der Containerumschlag insgesamt im ersten Quartal zu. Doch an seinem Containerterminal im Hafen der ukrainischen Stadt Odessa musste der Konzern einen Rückgang hinnehmen. Die Abwertung der ukrainischen Währung ließ das Ergebnis zudem um 4,8 Millionen Euro absacken.

HHLA ist die größte Hafengesellschaft im Hamburger Hafen. Anfang kommender Woche sollen die Seegüterumschläge für den Gesamthafen vorgelegt werden. Auch dann dürfte die Ukraine wieder ein Thema sein. Laut Bengt van Beuningen von der Hamburg Hafen Marketing ist Russland nach China zweitwichtigster Handelspartner des Hafens mit rund 718 000 Standardcontainern (TEU) im vergangenen Jahr. „Jede Beschränkung des Im- und Exports aufgrund von Sanktionen wird sich direkt auf den Umschlag im Hafen auswirken“, warnt van Beuningen. Noch im vergangenen Jahr meldete der Hamburger Hafen ein Plus von 7,6 Prozent bei Exporten nach Russland – während die gesamtdeutschen Exporte in die Föderation in dieser Zeit rückläufig waren.

Im Kieler Hafen will die Reederei DFDS angesichts sinkender Umschlagszahlen ihre Verbindung von der Landeshauptstadt nach Russland bereits ausdünnen. Eine große Frachtfähre wird durch eine kleinere ersetzt, eine andere komplett abgezogen. Entgegen anderslautender Medienberichte ist dies der Fährlinie zufolge aber keine direkte Folge der Ukraine-Krise. Vielmehr soll demnach die große Fähre künftig Skandinavien stärker an Russland anbinden, die zweite Fähre wird die Strecke Lübeck-Russland bedienen.

Offen ist bislang, welche Folgen die Krisen für die Werften im Norden haben werden. Zum einen werden in Schleswig-Holsteins Docks derzeit mehrere große Luxus-Yachten gebaut – zum Teil für russische Oligarchen. Äußern will sich dazu niemand. Zumal selbst Auftraggeber und Schiffe in weiten Teilen als Verschlusssache gelten. Zum anderen hängt das Überleben mehrerer Werften inzwischen auch direkt vom unternehmerischen Interesse russischer Geldgeber ab. Erst vor zwei Monaten wurde die Hamburger Traditionswerft Sietas an die russische Pella Shipyard übergeben, in Mecklenburg-Vorpommern soll voraussichtlich der Russe Witali Jussufow mit seiner Nordic-Yards-Gruppe die Stralsunder Volkswerft übernehmen, nachdem er in der Vergangenheit bereits die Wadan-Werften übernommen hat. Spekulationen, dass die Ukraine-Krise oder die EU-Sanktionen den Investor mit guten Verbindungen in den Kreml – sein Vater ist der frühere russische Energieminister – von den Plänen abhalten könnte, wies der Insolvenzverwalter der Werft zuletzt aber zurück.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 15:11 Uhr

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