Ukraine-Geschäft geht zurück

Vor allem im Exportbereich nach Russland  musste der Kieler Hafen Verluste hinnehmen.
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Vor allem im Exportbereich nach Russland musste der Kieler Hafen Verluste hinnehmen.

Güteraufkommen auf der Strecke Kiel – Kleipeda bricht ein / Direktverbindung nach St. Petersburg gestrichen

Margret Kiosz von
18. Juni 2014, 15:23 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist in bester Stimmung – selbst die Krise in der Ukraine kann die Zuversicht der Unternehmen bisher nicht bremsen. Exportorientierte Firmen spüren allerdings zunehmend die Schwäche der russischen Währung, sie ging schon vor dem Konflikt auf Talfahrt und wird begleitet durch hohe Kapitalabflüsse ins Ausland. Um ein Fünftel ist der Wert des Rubels zum Euro im Vergleich zum ersten Quartal 2013 gefallen. Die Folge: Produkte „Made in Germany“ werden in Russland merklich teurer. Das bekommen jetzt auch die Reedereien zu spüren.

Nachdem im vergangenen Jahr DFDS Seaways auf der Strecke Kiel – Kleipeda noch gut 200 000 Tonnen Ladung (minus 5 Prozent gegenüber 2012) transportierte, ist das Güteraufkommen auf der Strecke im ersten Halbjahr 2014 weiter eingebrochen. Deshalb wird ab sofort die Direktverbindung Kiel – St. Petersburg gestrichen und die Ladung über Kleipeda (Litauen) transportiert. Schon im April hatte DFDS wegen sinkender Umschlagszahlen den Fahrplan ausgedünnt und die Frachtfähre „Finlandia Seaways“ (1900 Lademeter) aus Kiel abgezogen. Der Fährverkehr zwischen Kiel und St. Petersburg/Ust-Luga hatte bislang einen Anteil von 3,3 Prozent am Gesamtumschlag des Kieler Hafens. „Strategisch betrachtet bietet Russland das größte Wachstumspotenzial im Ostseeraum. Sobald die Krise in der Ukraine überwunden ist, werden die Ladungsmengen wieder ansteigen“, gab sich gestern Seehafenchef Dirk Claus optimistisch.

Besonders Exporteure sehen inzwischen deutliche Bremsspuren in ihrem Russlandgeschäft. So ist das Ladungsaufkommen von West nach Ost in Kiel dramatisch eingebrochen während zeitgleich wegen des günstigen Wechselkurses, der Importe verbilligt, riesige Mengen russisches Holz in Kiel angelandet werden. Zudem gibt es seit gut einem Jahr – unabhängig von der Ukraine-Krise, Handelsbeschränkungen bei der Ausfuhr von deutschen Lebensmitteln wie Milch und Käse (wir berichteten) nach Russland. Das Statistische Bundesamt stellt seit einem Jahr durchweg monatliche Rückgänge bei den deutschen Ausfuhren nach Moskau fest. Russlands Wirtschaft schwächelt – 2013 lag das dortige Wirtschaftswachstum bei 1,3 Prozent. Auf diese Schwäche setzen nun die Belastungen aus dem Konflikt in der Ukraine auf. Im ersten Quartal 2014 schrumpfte das Wachstum laut Internationalem Währungsfonds (IWF) sogar um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

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