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Reisen mit Germanwings nicht betroffen : Ufo kündigt an: Lufthansa-Flugbegleiter streiken ab 14 Uhr

vom

Es soll der längste Streik in der Geschichte der Lufthansa werden. Lufthansa streicht allein am Freitag 290 Flüge.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 13:35 Uhr

Frankfurt/Düsseldorf | Passagiere der Lufthansa müssen sich von Freitagnachmittag an auf zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen durch den längsten Streik in der Geschichte der Airline einstellen. Die Flugbegleiter beginnen ihren Ausstand zunächst an den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf, teilte die Gewerkschaft Ufo mit. Dort seien die Mitglieder von 14 Uhr bis zum Betriebsschluss zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Inwiefern der Flughafen Fuhlsbüttel in Hamburg betroffen sein wird, ist noch nicht bekannt. Auf der Homepage des Airports werden Betroffene aufgefordert, sich direkt an die Fluggesellschaft zu wenden.

Lufthansa ist die größte Fluggesellschaft in Deutschland. Die Piloten haben in der aktuellen Tarifrunde schon 13 Mal gestreikt. Für die Flugbegleiter ist es der erste Streik seit 2012.  Mit acht Tagen soll es der längste Ausstand in der Geschichte der 1926 gegründeten Fluglinie werden.

Der Flughafen München werde wegen des Endes der Herbstferien in Bayern bis einschließlich Sonntag von dem Streik ausgenommen.

Am Samstag setzen die Flugbegleiter der Lufthansa ihren Streik wieder am Drehkreuz Frankfurt und in Düsseldorf fort. Sie sind von 6 bis 23 Uhr zur Arbeitsniederlegung aufgerufen, teilte die Gewerkschaft Ufo am Freitag in Frankfurt mit. In Düsseldorf sollen - anders als in Frankfurt - auch Langstreckenflüge betroffen sein. In Frankfurt sollen Langstreckenflieger aber abheben können und eventuell am Freitag in Frankfurt gestrandete Transit-Passagiere an ihre Übersee-Zielorte bringen. Keine Streiks gibt es weiter in München. Für den Sonntag hat Ufo eine bundesweite Streikpause ausgerufen, weil an diesem Tag viele Privatreisende unterwegs seien.

Die Lufthansa rechnet mit heftigen Auswirkungen. Am ersten Tag des Flugbegleiter-Streiks werden 290 Flüge gestrichen, darunter 23 Interkontinental-Verbindungen. Von den Absagen in Frankfurt und Düsseldorf seien 37.500 Passagiere betroffen, teilte die Airline am Freitag mit. Gerechnet auf die gesamte Lufthansa-Gruppe entspreche das nur knapp zehn Prozent der für diesen Tag geplanten Flüge. Die Gewerkschaft Ufo hat allerdings nur die Flugbegleiter der Muttergesellschaft Lufthansa, die rund 1800 Verbindungen täglich fliegt, zum Streik aufgerufen.

Lufthansa kritisierte Ufo erneut für die Streiktaktik mit kurzfristigen Ankündigungen zu Zeit und Ort. Dies mache es für die Fluggesellschaft besonders schwierig, ihre Kunden frühzeitig zu informieren und ihnen alternative Reisemöglichkeiten anzubieten. Einen Sonderflugplan wollte die Airline noch am Vormittag online stellen. Für gestrandete Umsteiger reservierte die Lufthansa in Frankfurt vorsorglich bereits 2500 Hotelzimmer.

„Alle Passagiere der Lufthansa müssen damit rechnen, dass ihr Flug kurzfristig ausfällt“, erklärte Ufo-Chef Nicoley Baublies die flexible Taktik der Gewerkschaft ohne festgelegte Ankündigungsfristen. „Wir haben einen achttägigen Streik bis Freitag nächster Woche. Wie viele Ausnahmen es dabei geben wird, hängt nicht zuletzt vom Verhalten der Lufthansa ab.“ Ufo sei auch nicht zu unverbindlichen Sondierungen bereit. „Um den Streik zu unterbrechen, braucht es schon ein handfestes Angebot“, betonte Baublies. Die Kollegen seien empört über das Verhalten und die Verhandlungstaktik des Konzerns.

Der Flughafen Frankfurt/Main ist das wichtigste Drehkreuz der Lufthansa. In Düsseldorf gibt es dagegen nur Verbindungen nach München und Frankfurt - insgesamt 18 Flugpaare täglich sowie einen internationalen Flug nach New York. Bei streikbedingten Flugausfällen können die Passagiere kostenfrei umbuchen oder stornieren. Betroffen von dem Streik ist nur die Konzernmutter Lufthansa, nicht Töchter wie Germanwings.

Die Gewerkschaft hatte bis kurz vor Streikbeginn über das genaue Ausmaß ihrer Aktionen geschwiegen. Insgesamt soll der Arbeitskampf soll bis zum Freitag kommender Woche (13. November) fortgeführt werden. Es ist der erste Ausstand der Flugbegleiter in der aktuellen Tarifrunde, bei der es um die Übergangs- und Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern bei der Lufthansa-Kerngesellschaft geht. Die Piloten der Lufthansa haben hingen schon 13 Mal gestreikt.

Unternehmen und Ufo hatten sich am Donnerstag auch bei Last-Minute-Verhandlungen nicht einigen können. Sie überzogen sich gegenseitig mit Schuldzuweisungen.

Lufthansa führt derzeit mit mehreren Gewerkschaften Tarifverhandlungen zu unterschiedlichen Themen für verschiedene Berufsgruppen im Konzern:

Piloten

In der laufenden Tarifrunde haben die Piloten seit April 2014 bereits 13 Mal die Arbeit niedergelegt. Im Streit um den Konzerntarifvertrag für rund 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings geht es um Gehälter oder Übergangsrenten. Die Piloten wollten zudem den Ausbau der Billigschiene Eurowings verhindern. Weil sie dieses nicht tarifliche Ziel aber allzu offen mit dem Streik verbunden haben, stoppte das Landesarbeitsgericht Hessen die letzte Streikrunde Anfang September am zweiten Tag. Derzeit laufen Gespräche zu den Übergangsrenten.

Flugbegleiter

Sie haben zuletzt 2012 gestreikt. Damals wurde der Konflikt unter Einschaltung eines Schlichters mit einem umfassenden Tarifpaket beigelegt. In der aktuellen Auseinandersetzung sind wichtige Punkte die Absicherung und Vergütung der 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa-Mutter sowie die Alters- und Übergangsversorgung.

Bodenpersoanl

Für die rund 33.000 Bodenbeschäftigten verhandelt Lufthansa mit Verdi. Auch hier geht es um die Entgelte und die Betriebsrenten. Anders als das fliegende Personal haben die Kräfte am Boden allerdings keinen Anspruch auf Übergangsversorgung. Von Streiks war bei Verdi bislang noch nicht die Rede. In der letzten Tarifrunde hatte das Bodenpersonal 2013 mit zwei Warnstreiks große Teile des Flugverkehrs der Airline lahmgelegt.

 
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