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Ergebnis des Dieselgipfels : Über fünf Millionen Diesel sollen mit neuer Software sauberer werden

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Durch einen Software-Umbau soll eine durchschnittliche Stickoxid-Reduzierung von 25 bis 30 Prozent erreicht werden.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 15:31 Uhr

Berlin | Mehr als fünf Millionen Dieselautos in Deutschland sollen mit einer neuen Software weniger Schadstoffe ausstoßen. Darin enthalten sind 2,5 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen, für die schon Abgas-Nachbesserungen angeordnet wurden.

Die Diesel-Affäre um Abgasbetrug und dreckige Luft in großen Städten frisst am Vertrauen von Millionen Käufern und stellt die Zukunft einer tragenden Technologie in Frage. Das Ergebnis des Dieselgipfels dürfte Umweltschützer nicht zufrieden stellen. Sie forderten einen komletten Hardware-Austausch bei betroffenen Fahrzeugen.

Das teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) als ein Ergebnis des Dieselgipfels mit Vertretern von Bundesregierung, mehreren Bundesländern und der Autobranche am Mittwoch in Berlin. Es handele sich um Fahrzeuge der Emissionsklasse Euro 5 und teilweise Euro 6.

Die Maßnahmen seien freiwillig und deckten einen Großteil dieser moderneren Flotten bei den deutschen Herstellern ab. Ungefähr 8,6 Millionen Fahrzeuge aus diesen Klassen sind derzeit in Deutschland insgesamt zugelassen. Zu den geforderten Hardware-Nachrüstungen äußerte sich der VDA nicht.

Ziel sei eine durchschnittliche Stickoxid-Reduzierung von 25 bis 30 Prozent der nachgerüsteten Fahrzeuge. Studien zeigten, dass damit die Schadstoffbelastung mindestens genauso stark reduziert werden könne wie durch Fahrverbote, hieß es beim VDA. „Wir begrüßen, dass Bundesregierung und Länder der Vermeidung von generellen Fahrverboten Priorität einräumen.“

Angeboten werden die Nachrüstungen von BMW, Daimler, Opel und Volkswagen. Für die Halter würden keine Kosten entstehen. Die Aktion soll auch keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte, dass sich von ausländischen Herstellern nur wenige beteiligten.

So wollen die Autohersteller nachbessern

BMW kündigte eine „Umweltprämie“ von bis zu 2000 Euro an für Kunden mit einem Dieselfahrzeug mit Euro-4-Abgasnorm oder älter. Bedingung ist demnach der Erwerb eines BMW-Elektroautos i3, eines Plug-in-Hybrids oder eines Dieselwagens mit der Euro 6-Norm. Die Aktion soll bis Ende 2017 laufen.

Der Volkswagen-Konzern will einschließlich der im Abgas-Skandal angeordneten Rückrufe rund vier Millionen Diesel-Autos in Deutschland per Software-Update nachrüsten. Diese Zahl an Autos könne nachgerüstet werden, sagte ein VW-Sprecher am Mittwoch nach dem Dieselgipfel in Berlin. Das Update zur besseren Abgasreinigung werde für Kunden kostenlos sein. Bislang ist früheren Angaben zufolge bei etwa 1,9 Millionen Autos das Update aufgespielt.

Mit Nachbesserungen bei rund einer Million Diesel-Autos von Mercedes-Benz in Deutschland will Daimler den Stickoxid-Ausstoß der Fahrzeuge im Schnitt um 25 bis 30 Prozent senken. „Wir setzen darauf, den Diesel zu verbessern, anstatt ihn zu verbieten“, erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche. Ein Fahrverbot wäre aus seiner Sicht ein „klimapolitisches Eigentor“. „Denn solange E-Autos noch einen geringen Marktanteil haben, ist die Optimierung des Dieselantriebs einer der wirksamsten Hebel zur Erreichung der Klimaziele durch weniger CO2 im Straßenverkehr.“ Europaweit ruft Daimler rund drei Millionen Fahrzeuge für ein Software-Update in die Werkstätten.

Die Tochter Audi will nach Angaben von Ende Juli angesichts der Diskussion um Diesel-Fahrverbote europaweit bis zu 850.000 Fahrzeuge nachrüsten lassen, in Deutschland sind es rund eine halbe Million Autos, die ebenfalls zu den genannten vier Millionen zählen. Dazu kommen weitere etwa 900.000 Autos, die sich aus den VW-Transportern T5 und T6 überwiegend mit Euro-5-Abgasnorm sowie mehreren Modellen etwa von Seat oder Skoda zusammensetzen.

Vor dem Treffen in Berlin hatte die Politik mehr Bewegung bei den Herstellern gefordert. „Die Automobilindustrie ist sich bewusst, dass sie erheblich an Vertrauen verloren hat“, räumte der Verband ein. BMW, Daimler und VW wollen sich an einem geplanten Fonds des Bundes für umweltfreundliche Mobilität in Städten beteiligen.

Warum die Schadstoffbelastung reduziert werden muss:

Stickoxide

Sie stehen im Zentrum des Diesel-Skandals und der neusten Stufe der Abgasgesetzgebung in Europa. Bei Dieseln ist Emissionsgrenzwert von 180 auf 80 Mikrogramm pro Kilometer, erklärt das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau. Er nähert sich damit dem Grenzwert für Benziner (60 Mikrogramm pro Kilometer) an.

Stickoxide sind für hohe Ozonwerte verantwortlich, reizen die Schleimhäute und verursachen Atemwegserkrankungen. Die Belastung in Städten ist relativ hoch, an viel befahrenen Straßen werden die Grenzwerte überschritten.

Rußpartikel/Feinstaub

Der Feinstaub sollte laut Abgas-Norm eigentlich auf ein nicht schädliches Maß zurückgeschraubt worden sein. Besonders die kleinen Teilchen mit wenig Masse sind gefährlich, weil sie leicht in die Lunge vordringen können. Wie die Feinstaubbelastung der Gesundheit schadet, konnte zum Beispiel Prof. Erich Wichmann vom Münchener Helmholtz-Zentrum in einer Langzeitstudie in Nordrhein-Westfalen zeigen.

Darin heißt es: „Die Analyse zeigt deutliche Zusammenhänge zwischen Verkehrsbelastung und verkehrsabhängigen Schadstoffen einerseits und der Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs andererseits.“ Das Umweltbundesamt stellte bereits 2012 fest, dass die Feinstaubbelastung die durchschnittliche Lebenserwartung in Mitteleuropa fast um ein halbes Jahr senke.

Kohlendioxid

Kohlendioxid ist nur schwach toxisch, solange es nicht in höheren Konzentrationen auftritt. Dies ist im normalen Straßenverkehr aber nicht der Fall.

Schwefeldioxid

Das Schwefeldioxid gehört zu den Stoffen, die aus dem Diesel tatsächlich weitgehend verbannt wurden. Für den Menschen ist es nicht gefährlich, aber es führt zusammen mit Regen zu Säurebildung. Das kann die Umwelt schädigen. Die Emissionen der Autos spielten dabei aber nur eine unbedeutende Rolle.

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