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Rückgang beim iPhone erwartet : Trotz Rekordgewinn: Apple bereitet Anleger auf schwierige Zeiten vor

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Technologiekonzern erwartet, dass der Verkauf seines Premium-Smartphones im nächsten Quartal erstmals rückläufig sein könnte. Apple will aber an seiner Hochpreis-Strategie festhalten.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 11:19 Uhr

Cupertino | Das jahrelang rasante Wachstum von Apple stockt. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft gab es nur noch kleine Zuwächse. Der Absatz werde im laufenden Quartal im Jahresvergleich aber sinken, sagte Konzernchef Tim Cook bei der Vorstellung aktueller Konzernzahlen. Der Technologieriese verweist auf den starken Dollar und Konjunkturprobleme in mehreren Ländern.

Apple ist aktuell das wertvollste Unternehmen der Welt. In den vergangenen Jahren erzielte der Technologiekonzern regelmäßig neue Rekordgewinne - vor allem durch sein Erfolgeprodukt iPhone. Apple gilt als Erfinder des Smartphones und hat auch in Deutschland Millionen Kunden.

Grund für den erwarteten Absatzrückgang ist ausgerechnet Apples bekanntestes Produkt iPhone: Erstmals seit der Markteinführung 2007 erwarten die Kalifornier, dass sie weniger von ihren Premium-Smartphones als zuvor verkaufen. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft gelang Apple gerade noch ein schmales Plus von 0,4 Prozent. 76,8 Millionen Geräte wurden verkauft. Das reichte, um knapp einen neuen Rekordgewinn von 18,4 Milliarden Dollar (17 Mrd Euro) zu erzielen.

Apple verwies auf die schwache Konjunktur in mehreren wichtigen Märkten und massiven Gegenwind durch den starken Dollar. Cook sprach von „extremen Bedingungen, wie wir sie noch nie erlebt haben“. Der Quartalsumsatz legte im Ende Dezember abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal um 1,7 Prozent auf 75,87 Milliarden Dollar zu, wie der Konzern nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Ohne die negativen Währungseffekte hätte es ein Umsatzplus von acht Prozent gegeben, betonte Cook.

Das neueste iPhone-Modell 6S verkauft sich offenbar nicht ganz so gut wie seine Vorgänger.

Das neueste iPhone-Modell 6S verkauft sich offenbar nicht ganz so gut wie seine Vorgänger.

Foto: dpa

Das Weihnachtsgeschäft kurz nach dem Start neuer iPhone-Modelle ist traditionell das wichtigste Quartal für Apple. Vor einem Jahr hatte Apple in dem Zeitraum 18,02 Milliarden Dollar verdient. Damals waren die iPhone-Verkäufe mit dem Start der ersten Modelle mit deutlich größeren Displays um 46 Prozent hochgesprungen. Jetzt legte immerhin der durchschnittliche Verkaufspreis pro iPhone im Jahresvergleich um vier Dollar auf 691 Dollar zu. Dabei hätten ihn die ungünstigen Währungs-Kurse um 49 Dollar nach unten gedrückt, betonte Apple-Finanzchef Luca Maestri. Apple hatte in mehreren Ländern die Preise erhöht, um die Kursverluste auszugleichen.

Das iPhone ist das wichtigste Produkt von Apple und steuerte im vergangenen Quartal 68 Prozent der Umsätze bei. Dass Apple auf günstige Smartphones im Angebot verzichtet, treibt die Profite nach oben, bremst aber in dem hart umkämpften Geschäft die Marktanteile. Über alle Produktgruppen hinweg seien nun eine Milliarde Apple-Geräte im Einsatz, hieß es am Dienstag.

Der von einigen Analysten befürchtete Einbruch in China angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen in dem Riesenmarkt blieb aus, auch wenn die Wachstumsraten nicht so hoch wie früher waren. Im Jahresvergleich gab es ein Umsatzplus von 14 Prozent, die iPhone-Verkäufe legten um 18 Prozent zu. Apple macht in China nach wie vor rund ein Viertel seines Geschäfts. Der Konzern werde seine Investitionen dort nicht zurückfahren und wie geplant zum Sommer die Zahl seiner Läden von 28 auf 40 hochschrauben, sagte Cook.

Für das laufende Vierteljahr rechnet Apple mit dem ersten Umsatzrückgang seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Erlösprognose wurde auf 50 bis 53 Milliarden Dollar festgesetzt. Vor einem Jahr machte Apple in dem Quartal bis Ende März noch 58 Milliarden Dollar Umsatz. Es sei damals sehr stark ausgefallen, da noch die iPhone-Nachfrage nach Engpässen im Weihnachtsquartal abgearbeitet worden sei, erklärte Cook. Apple verkaufte damals rund 61,2 Millionen iPhones.

Die 18,4 Milliarden Dollar Quartalsgewinn sind ein neuer historischer Bestwert. Nur der Immobilienfinanzierer Fannie Mae hatte einmal dank einer gewaltigen Steuergutschrift einen Quartalsgewinn von 58,7 Milliarden Dollar ausgewiesen - der jedoch schnell wieder an den US-Staat ging.

Das größere Modell iPad Pro konnte in seinem ersten Quartal keine Wende für das schon länger schrumpfende Tablet-Geschäft von Apple bringen. Der iPad-Absatz sank im Jahresvergleich um ein Viertel auf 16,1 Millionen Geräte. Der Einfluss des teureren iPad Pro zeigte sich allenfalls im Anstieg des durchschnittlichen Verkaufspreises um 6 Dollar auf 439 Dollar. Die Verkäufe der Mac-Computer sanken im Jahresvergleich um vier Prozent auf 5,3 Millionen Geräte. Apple war in den vergangenen Quartalen im schwachen PC-Markt gegen den Trend gewachsen. Die Anleger hatten sich bereits auf ein schwächeres Wachstum bei Apple eingestellt: Die Aktie notierte nach Vorlage der Zahlen zunächst kaum verändert. Nach den Erläuterungen von Cook und Maestri gegenüber Analysten tauchte sie um rund 2,5 Prozent ins Minus ab.

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