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Wirtschaft

13. Dezember 2017 | 10:44 Uhr

Traumschiff vor dem Verkauf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Insolvenzverwaltung sucht verzweifelt einen Investor / Gläubiger wählen gemeinsamen Interessenvertreter

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 13:38 Uhr

Früher kreisten Möwen über der „Deutschland“, jetzt ist es der Pleitegeier. Die Zukunft des finanziell auf Grund gelaufenen „Traumschiffs“ bleibt völlig unklar. Für das finanziell leckgeschlagene Kreuzfahrtschiff der Deilmann-Reederei fehlt selbst das Geld für den nächsten Werftaufenthalt. Während die Gläubiger gestern darüber berieten, wie das schwimmende Hotel zurück in tiefes Wasser finden kann, nahm die „Deutschland“ Kurs auf das spanische Cádiz. Dort steht eigentlich ein Werftbesuch an. Das Schiff braucht eine Überprüfung, die sogenannte Klasse, sonst darf es ab Dezember nicht mehr fahren. Dafür fehlt aber noch das Geld. „Die Werft will eine Million Euro, sonst macht sie die Tore nicht auf“, sagte Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber auf der Gläubigerversammlung.

Eine Möglichkeit sei, die Klasse vorübergehend bis Februar zu verlängern und dann nach einem Käufer zu suchen. Löhne und Gehälter der 280-köpfigen Crew sind bis Ende Dezember durch das Insolvenzgeld gesichert.

Ob die nächste Weltreise wie geplant am 18. Dezember starten kann, ist aber unklar. Dabei sei die Buchungslage für die nächsten Reisen gut. „Nur sechs von über 2000 Buchungen wurden storniert“, sagte Schmid-Sperber. Für die geplanten Reisen der „Deutschland“ sind weiterhin Reservierungen möglich, von denen der Kunde aber jederzeit zurücktreten kann.

Auch Andreas Jung, Sprecher des Insolvenzverwalters, weiß noch nicht, wie die Rechnung bezahlt werden soll. Die Suche nach einem Investor laufe. Die Gesellschaft, der das Schiff gehört, ist zahlungsunfähig, es läuft das vorläufige Insolvenzverfahren. „Wenn das Schiff wieder fahren soll, ist Geld erforderlich – und das ist im Moment nicht da“, sagt Jung. „Im Moment gibt es aber noch niemanden, der einen akzeptablen Preis bietet. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass das „Traumschiff“ verkauft wird. „Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt in der Lage sind, das Schiff lastenfrei zu verkaufen“, sagte Schmid-Sperber.

Sollte kein Investor gefunden werden, könnte jedoch im schlimmsten Fall der Notverkauf – also die Versteigerung – drohen. Die Gläubiger dürften dann nur einen geringen Teil ihres Geldes zurückbekommen.

Auf ihrer Versammlung wählten die Gläubiger den Unternehmensberater Stefan Ulrich zu ihrem gemeinsamen Vertreter. Die Gesellschaft, der das Schiff gehört, hat rund 56 Millionen Euro Schulden. Davon sind 50 Millionen Euro Anleiheschulden, für die die Gesellschaft hohe Zinsen zahlen muss. Löhne und Gehälter der 280-köpfigen Crew sind bis Ende Dezember durch das Insolvenzgeld gesichert.

Die bisher letzte Reise der „Deutschland“ mit Passagieren endete am Dienstag im Hafen der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Kapitän Elmar Mühlebach gab sich kämpferisch: „Wenn nur eine Insolvenz unser Schiff retten kann, werden wir auch das durchstehen.“ Die Stimmung an Bord sei nach wie vor gut, erzählte der Kapitän. Er sei stolz, auf dem letzten Passagierschiff zu sein, das unter deutscher Flagge über die Weltmeere fahre. „Die Deutschland ist für mich ein zweites Zuhause.“

Mit ihren finanziellen Sorgen sind die Besitzer des „Traumschiffs“ nicht allein. Kleine Anbieter mit nur einem oder zwei Schiffen haben es schwer auf dem Kreuzfahrtmarkt, der von weltweit agierenden Flottenbetreibern wie Aida oder Tui dominiert wird. Zuletzt gerieten die Betreiber der „Astor“ in arge Finanznöte, Ambiente Kreuzfahrten stellte den Betrieb sogar ganz ein. Dabei befindet sich die Kreuzfahrer-Branche im Aufwind. 2013 unternahmen 1,69 Millionen Deutsche eine Hochseekreuzfahrt, fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

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