zur Navigation springen

Insolvenzverwalter Thorsten Fuest : Thomas Middelhoff-Insolvenz: Bruchteil der Gläubiger-Forderungen anerkannt

vom

Middelhoff-Insolvenzverwalter Fuest hat bislang nur einen Bruchteil der Millionenforderungen der Gläubiger anerkannt. Hintergrund sind noch offene Rechtsfragen.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2015 | 08:27 Uhr

Im Insolvenzverfahren des ehemaligen Top-Managers Thomas Middelhoff hat Insolvenzverwalter Thorsten Fuest bislang nur einen Bruchteil der Forderungen anerkannt. Uneingeschränkt festgestellt worden seien bislang nur Forderungen von 1,6 Millionen Euro, sagte Fuest am Montag in Bielefeld. Dem hätten angemeldete Forderungen von rund 409 Millionen Euro gegenübergestanden. Fast alle angemeldeten Forderungen seien jedoch zunächst aufgrund noch zweifelhafter Rechtsfragen bestritten worden, sagte Fuest.

Früher hat Thomas Middelhoff selbst Millionen verdient: Erst als Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender, dann als Investmentbanker und schließlich als Chef des schließlich Pleite gegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor. Doch diese Zeiten sind vorbei. Ende März musste der ehemalige Top-Manager Privatinsolvenz anmelden.

Der weitaus größte Anteil der angemeldeten Forderungen stamme von der Bank Sal. Oppenheim und von dem Arcandor-Insolvenzverwalter. Dabei handele es sich jeweils um dreistellige Millionenbeträge. Jeder Gläubiger habe dabei erst einmal die eigenen Maximalforderungen geltend gemacht, berichtete Fuest. Dem stehe ein Kontostand für die Insolvenzmasse von bislang rund 200.000 Euro gegenüber.

Am Montag legte der Insolvenzverwalter den Gläubigern die bisherigen Ergebnisse seiner monatelangen Arbeit vor. Ein Ende des umfangreichen Verfahrens ist jedoch noch nicht absehbar. Middelhoff war am Montag nicht anwesend.

Warum ist das Insolvenzverfahren von Thomas Middelhoff so kompliziert?

Bei der Suche nach den Middelhoff-Millionen hat Insolvenzverwalter Fuest die Zahlungsflüsse bis zurück zum Jahr 2009 unter die Lupe genommen. Denn schon seit der Pleite des Arcandor-Konzerns habe wahrscheinlich eine Zahlungsunfähigkeit des Managers gedroht, glaubt Fuest. Das ist wichtig, weil der Insolvenzverwalter ab diesem Moment die Möglichkeit zur Anfechtung von Vermögensübertragungen hat, wenn sie den Gläubigern insgesamt schaden.

Was kann der Insolvenzverwalter tun?

Um Geld für die Insolvenzmasse zu bekommen, kann Fuest Pfändungsmaßnahmen einzelner Gläubiger aus den vergangenen Jahren anfechten. Nach seinen Worten hatte spätestens seit 2013 unter den Gläubigern ein regelrechter Wettlauf zur Absicherung ihrer Forderungen begonnen. Anfechten will er aber gegebenenfalls auch frühere Vermögensübertragungen Middelhoffs an Personen aus seinem Umkreis.

In die Insolvenzmasse fließen nach Angaben von Fuest auch Renteneinkünfte aus der Zeit bei Arcandor in Höhe von monatlich rund 7000 Euro. Weitere monatlich rund 3000 Euro aus Renteneinkünften von Bertelsmann seien dagegen unpfändbar, berichtete er.

Geht es dabei auch um Immobilien?

Ja. Dabei geht es unter anderem auch um das derzeit als Büro-und Repräsentationsgebäude genutzte sogenannte „Oetker-Haus“ in Bielefeld, das in Absprache mit einer Gläubigerbank verkauft werden soll. Einen unmittelbaren Zugriff auf die Villa in Saint Tropez hat der Insolvenzverwalter nicht. Auch das eigentliche Wohnhaus ist nicht betroffen.

Wie hoch sind die berechtigten Forderungen der Gläubiger?

Das will der Insolvenzverwalter bei dem am Montag angesetzten Termin ermitteln. Die angemeldeten Forderungen sollen dabei genau unter die Lupe genommen werden. Erst im Anschluss kann er eine genaue Zahl nennen. Die bereits angemeldeten Forderungen der Gläubiger - Banken ebenso wie Privatleute - summieren sich nach Angaben des Insolvenzverwalters auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Allerdings ist ein Großteil davon umstritten. Und in etlichen Fällen hat Middelhoff Gegenforderungen erhoben.

Wie lange kann das Verfahren dauern?

Läuft das Insolvenzverfahren nach Plan, könnte Middelhoff nach fünf bis sechs Jahren schuldenfrei sein. Doch könnte es auch deutlich schneller gehen. Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm hat bereits Interesse an einem Insolvenzplan - einer Art Vergleich mit den Gläubigern - signalisiert. Schließlich könnte damit ein jahrelanges juristisches Gezerre vermieden werden - wenn eine mögliche Offerte den Gläubigern attraktiv genug erscheint.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen