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Wirtschaft

12. Dezember 2017 | 19:36 Uhr

Teslas Plan

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Elektrofahrzeuge, Batterien und jede Menge Schulden – So will der Autobauer die Welt verändern

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 19:12 Uhr

An Vergleichen mangelt es in diesen Tagen nicht, wenn über Elon Musk (Foto) und sein Unternehmen Tesla berichtet wird. Gestern präsentierte der Autobauer, dessen Modelle bislang vor allem als Prestigeobjekte galten, das „Model 3“. Mit ihm soll der Massenmarkt erobert werden. Bei der Präsentation in Los Angeles gab es bereits Standing Ovations. Nicht wenige Beobachter rufen die Revolution des Marktes für Elektromobile aus; weltweit und auch im bislang bei E-Mobilität noch immer zurückhaltenden Deutschland.

Ob es so kommt, muss die Zeit zeigen. Klar ist: Tesla hat es verstanden, sich selbst, seinen Gründer – den Multimilliardär Elon Musk – und sein Produkt als Kult zu inszenieren. So wie es Apple mit seiner inzwischen verstorbenen Gallions-Figur Steve Jobs vorgemacht und mit dem Design-Produkt iPhone Milliarden-Gewinne eingefahren hat. Genau dies steht bei Tesla allerdings noch aus. Allein im vergangenen Jahr machte das Start-up einen Verlust von sagenhaften 888 Millionen Dollar. Tesla hat zuletzt immer mehr Kredite aufnehmen müssen, um die gewaltige Geldvernichtungsmaschine am Laufen zu halten, die Elon Musk und sein Team mit Forschungseinrichtungen, Handelsflächen und dem Hochfahren der Produktionszahlen geschaffen haben. Der Schuldenberg geht inzwischen in die Milliarden.

Die Erwartungen an das Model 3 sind entsprechend hoch. Einen Rekord hat Tesla gestern in jedem Falle schon aufgestellt: einen vier Milliarden US-Dollar schweren Rekord. So viel sind die Vorbestellungen der 115000 Kaufwilligen wert, die Tesla innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Vorstellung für das Auto gefunden hat. Bemerkenswert ist diese Zahl. Der BMW i3 – das Elektro-Modell der bayerischen Motorenwerke – wurde seit Markteinführung 2013 knapp 43  000 Mal verkauft, wie eine Sprecherin gestern auf Anfrage sagte. Bislang bringt es das BMW-Fahrzeug als reines Elektroauto allerdings nur auf 160 Kilometer – bei Tesla sollen es hingegen bis zu 345 Kilometer pro Batterieladung sein. Und gerade die Reichweite gilt als einer der Knackpunkt bei der E-Mobilität, neben dem Preis. Bei diesem will Tesla mit einem Angebot von 35  000 Dollar (31  000 Euro) punkten.

Gut möglich, dass Tesla selbst von der gewaltigen Nachfrage nach dem neuen Wagen überrascht wurde. Zumindest stellt der Ansturm das Unternehmen vor große Herausforderungen. Derzeit belaufen sich die Produktionskapazitäten von Tesla auf 1800 Fahrzeuge pro Woche – selbst wenn Tesla die Produktion seiner Modelle Tesla X und Tesla S ruhen lassen würde, benötigt das Unternehmen aus Kalifornien immer noch mehr als ein Jahr, um den bisherigen Auftragsbestand abzuarbeiten. Zum Vergleich: Allein im VW-Werk in Wolfsburg rollen 2000 Autos mit konventionellem Antrieb vom Band – und das pro Tag. Bis zum Massenmarkt bleibt ein weiter Weg.


Tesla als Batterie-Hersteller


Doch es darf ohnehin bezweifelt werden, dass es Tesla wirklich darum geht, ein Auto-Händler zu sein. Das Unternehmen selbst beschreibt sich als „Technologie- und Design-Firma mit einem Schwerpunkt auf Energie-Innovationen“. Dahingehend kann Elon Musk womöglich am Ende noch eher als mit Steve Jobs mit einem anderen exzentrischen US-Unternehmer verglichen werden: Jeff Bezos. Dessen Unternehmen Amazon ist der Welt vor allem als Online-Händler bekannt. Sein Geld verdient Amazon inzwischen allerdings mit etwas anderem: mit Cloud-Diensten, digitalen Daten-Wolken und Online-Speichern für Unternehmen.

Bei Tesla dürfte das künftige Geschäft vor allem über die Batterien und die Infrastruktur zur E-Auto-Versorgung laufen. Im US-Bundesstaat Nevada lässt Musk, der einst mit dem Online-Bezahldienst Paypal reich geworden ist, für fünf Milliarden Dollar die Gigafactory bauen – eine Fabrik, in der ab 2020 mehr als 6500 Menschen arbeiten und günstige Batterien, aber auch Energiespeicher für zuhause – die Tesla Powerwalls –, herstellen sollen.

Von den Dimensionen her ist das einzigartig. Zumal der Batterie-Markt bis heute als überschaubar gilt. Und nicht wenige Experten gehen schon davon aus, dass Tesla mit der Fertigstellung der Fabrik den Markt kontrollieren wird. Bereits 2014 kündigte Musk zudem an, die Patente seines Unternehmens freigeben zu wollen. Wer will, kann die Tesla-Technologien heute nutzen, ein Auto wie den Tesla S, den Tesla X oder das Model 3 bauen. Doch dieser Weg läuft über Tesla-Batterien und Tesla-Ladestationen, die Supercharger. Das Ziel ist klar: Es sollen Standards gesetzt werden – Teslas Standards. Die Standards von Elon Musk. Vorausgesetzt die Geldgeber glauben weiterhin an die Revolution.

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