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Die E-Mobilität fürs Volk : Tesla „Model 3“: Die Revolution des Elektroautos?

vom
Aus der Onlineredaktion

Das „Model 3“ von Tesla wird am Donnerstag offiziell vorgestellt. Das Unternehmen will bis 2020 500.000 Autos verkaufen. Wo bleibt die Konkurrenz?

Hawthorne | Wenn Konzernchef Elon Musk am Donnerstag die Bühne betritt, verkündet er vielleicht die Zukunft der Elektromobilität. Denn dann wird der Hersteller von Luxuselektroautos vor ausgewähltem Publikum und im Internet-Livestream sein erstes Mittelklassemodell vorstellen: den Tesla „Model 3“. Nun ist ein neues Fahrzeug beim heutigen Veröffentlichungsrhythmus kein Hexenwerk, doch ein reines Elektroauto mit einer – laut Medienberichten – angestrebten Reichweite von mindestens 320 Kilometern und einem Preis von etwa 31.000 Euro ist in Sachen Preis-Leistung momentan schwer zu erreichen. Käufer sollen zwischen einer Standardversion und einem Crossover wählen können. Hinzu kommen ein möglicher Allradantrieb und zwei Motoroptionen. Viel Auswahl.

Was bis Donnerstagabend allerdings unklar bleibt ist, wie das Fahrzeug aussehen wird. Und so steigt die Spannung bei Investoren, Fans und Interessenten für ein erschwingliches E-Auto.

Elon Musk wird als Visionär und Rockstar des Silicon Valley gefeiert. Sein Unternehmen Tesla hat in 13 Jahren seit der Gründung noch keinen Jahresgewinn geliefert – und zuletzt hohe Verluste. Dennoch liebt ihn die Wall Street. Seine ehrgeizigen Ziele mit dem „Model 3“ sorgen für Skepsis und Euphorie und werden Teslas Zukunft entscheiden.

Bisher blieb das Spitzenmodell, der Tesla Model S, vornehmlich wohlhabenden Autofahrern vorbehalten. Bei einem Einstiegspreis um die 70.000 Euro ist der Wagen nicht für Jedermann erschwinglich. Dafür leistet das „Model S“, was viele andere Elektroautos nicht erreichen: Leistung und Reichweite zu kombinieren. So soll eine Ausführung des Topmodells (90D) mit einer Batterieladung 550 Kilometer weit kommen – und das bei einem Drehmoment von 660 Newtonmetern, 428 PS und einer Maximalgeschwindigkeit von 250 km/h. Den Sprint auf 100 schafft das Auto in 4,4 Sekunden. Rekordverdächtig. Hinzu kommt ein schnelles Aufladen der Batterie auch unterwegs. Tesla verspricht mit dem Supercharger 270 Kilometer Reichweite in nur 30 Minuten.

2015 wurden in Deutschland 2580 Exemplare zugelassen. Zum Vergleich: In den USA waren es im vergangenen Jahr über 25.000, in Norwegen 2015 rund 4039 Stück und bei unseren Nachbarn in Dänemark wurden 2015 genau 2664 Neufahrzeuge zugelassen. Insgesamt verkaufte Tesla im vergangenen Jahr 50.000 Exemplare seiner Oberklasselimousine. Das neue „Model 3“ soll Elektroautos auch für den Normalbürger erschwinglich machen. Die Rechnung von Tesla-Chef Musk könnte aufgehen. Die Limousine ist weniger edel, kostet dafür aber auch nur die Hälfte. Die Reichweite von immerhin knapp über 300 Kilometern soll Kunden, die bisher Elektroautos wegen ihrer kläglichen Reichweite gemieden haben, für die E-Mobilität begeistern. Kurzum: Hier könnte Tesla mit einem massentauglichen Fahrzeug Geschichte schreiben. Denn auch wenn Tesla sich bislang mit Details zurückhält, vermuten Branchenkenner trotz des verhältnismäßig günstigen Preises ein stylisches Auto, das sogar autonomes Fahren ermöglichen könnte.

Vergleich mit anderen Elektroautos

Marke Modell Reichweite mit einer Batterieladung in Kilometer Höchstgeschwindigkeit in km/h Preis in Euro
Nissan Leaf 160 bis 250 145 ab 23.060
BMW i3 130 bis 160 150 ab 34.950
Opel Ampera 40 bis 80, danach Benzinmotor 161 ab 38.000
Chevrolet Bolt 320 145 ab 26.000, 4/2016
Renault Zoe 240 135 ab 21.500
VW e-Golf 190 bis 210 140 ab 34.900
Ford Focus Electric 160 137 ab 34.900
Smart Electric drive 145 125 ab 23.680
Kia Soul 212 145 ab 30.790
Mercedes B-Klasse 250e 200 160 ab 32.900
Mitsubishi i-MiEV 160 130 ab 23.790

Noch in dieser Woche wird Tesla in den Stores Bestellungen für das neue „Model 3“ entgegen nehmen. Später soll es dann auch auf der Homepage möglich sein. Ausgeliefert werden soll der neue Mittelklasse-Flitzer dann Ende 2017. Aus der Vergangenheit weiß man jedoch, dass sich der angekündigte Termin durchaus nach hinten verschieben kann. Für die Produktion hat Tesla vor wenigen Jahren mit dem Bau einer „Gigafactory“ begonnen. Sie soll bis 2020 mehr Lithium-Ionen-Batterien pro Jahr liefern, als weltweit 2013 produziert wurden. Das Vorhaben gehört zu Teslas „Masterplan“.

Erste Fanboys warten bereits darauf, eine möglichst niedrige Registriernummer bei einer Vorbestellung zu bekommen. Es erinnert an die Schlangen vor den Geschäften zum Verkaufsstart eines neuen iPhones.

Fest steht: Überzeugt Musk mit dem neuen Schachzug aus dem Hause Tesla, ein Volks-Elektroauto anzubieten und wird es gekauft, könnte das dem Unternehmen nicht nur Profit bringen, es könnte der Anfang vom Ende der fossilen Brennstoffe als Standardantrieb für Autos sein. Ein geopolitisches Erdbeben, das auch Berechnungen zum weltweiten Ölverbrauch in den kommenden Jahren über den Haufen werfen könnte.

Konkurrenz bekommt der Tesla-Chef nicht zuletzt vom Chevrolet Bolt, der im gleichen Preissegment mit ähnlicher Reichweite punkten will. Produktionsstart soll noch in diesem Jahr sein. Auch Toyota will mit einem Plug-In-Hybrid 2017 Großes erreichen. Der Prius Prime kommt zwar noch mit einem Benzinmotor daher, soll diesen aber kaum noch benötigen. Und viele weitere Hersteller sind im Begriff, den Markt umkrempeln zu wollen.

Sollte „Model 3“ ein Flop werden, dann hat Musk die Intention der Firma Tesla gegen die Wand gefahren. Sein Versprechen wäre gebrochen, Investoren nähmen wohl Reißaus. Das wäre das Ende. Brian Johnson, Analyst der Großbank Barclays und Autoexperte, sieht gute Chancen für das „Model 3“: „Es könnte das Interesse an Tesla wieder entfachen“. Die Aktie des Unternehmens ist nach einem Rekordhoch im Sommer 2015 (280 Dollar) zuletzt auf unter 150 Dollar gefallen. Musk hingegen hat oft genug deutlich gemacht, der Aktienpreis sei ihm relativ egal. Er sieht die Förderung der E-Mobilität als Mission für den gesellschaftlichen Wandel. 

Nicht zuletzt wird Elon Musk deshalb schon als Steve Jobs der Automobilbranche gefeiert – oder mit Autopionier Henry Ford verglichen. Im Bereich der Elektroautos ist Tesla eine Innovationsschmiede und Vorreiter – allerdings finanziell erfolglos. Während viele Hersteller erste Gehversuche mit dem autonomem Fahren machen und in verschiedenen Entwicklungsstufen testen, hat Tesla im vergangenen Jahr den Autopiloten vorgestellt, der einfach kabellos auf allen existierenden Teslas installiert wurde. Besitzer können ihren Wagen per Smartphone aktivieren, das Fahrzeug einparken lassen und geben sich reihenweise dem Autopilot-Abenteuer hin. Innovation nach dem Geschmack von Musk. Der sagt: „Autos, die nicht von allein fahren können, werde auf lange Sicht das Schicksal von Pferden ereilen.“

In einem Artikel des Magazines „Fortune“, wird berichtet, wie der Autopilot gar einen Unfall verhindert. Noch ist auch bei Tesla die Technik allerdings nicht hundertprozentig sicher, wie Testberichte zeigen. Auch gibt es Videos über ein Fehlverhalten der Software. Hier im Video musste der Fahrer eingreifen, um einen Unfall zu verhindern:

800 Gäste sind am morgigen Donnerstag geladen, 650 sind Tesla-Besitzer. Um 20.30 Uhr (Freitag, 5.30 Uhr deutscher Zeit) wird im Hauptsitz in Hawthorne (Kalifornien) das Geheimnis um das „Model 3“ gelüftet. Dann wird sich zeigen, wie der Wagen aussehen wird und ob die ambitionierten Pläne sowohl Investoren als auch Käufer elektrisieren. Frühaufsteher können das Event auf der Homepage von Tesla im Livestream verfolgen.

 

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erstellt am 31.Mär.2016 | 10:18 Uhr

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