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Taxis dünnen ihr Angebot aus – und werden spürbar teurer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2014 | 11:55 Uhr

Ostholstein, Dithmarschen, Pinneberg und Lübeck haben die Erhöhung schon abgenickt – und es deutet nichts darauf hin, dass die anderen Kreise und Städte steigende Tarife der Taxiunternehmen ablehnen. Beantragt hat sie die Branche landesweit, denn überall sieht sie sich vor dem selben Problem: „Der Mindestlohn zwingt uns zu deutlich höheren Preisen“, sagt der Landesvorsitzende des Taxi- und Mietwagengewerbes, Thomas Krotz.

Derzeit verdiene ein Fahrer durchschnittlich um die 6,50 Euro pro Stunde. Das Preisgefüge für den Kunden unterscheidet sich regional, ist etwa in Kiel am unteren Ende der Skala, in Neumünster und Rendsburg am oberen. Wieviel teurer es wird, hängt zudem davon ab, wie lange die letzte Tariferhöhung jeweils zurückliegt. Steigerungen zwischen 15 und 25 Prozent kämen vielerorts auf die Kunden zu, sagt Krotz. Im Tagesgeschäft. Nachts stünden bis zu 35 Prozent mehr ins Haus. In Stormarn soll der Grundpreis tagsüber zum 1. Januar von 2,60 Euro auf drei Euro klettern, der Obolus für jeden gefahrenen Kilometer von 1,64 auf 1,92 Euro. In Ostholstein sind ab Neujahr 2,90 Grundgebühr und 1,95 Euro pro Kilometer zu entrichten. Neumünster kann sich auf eine Grundgebühr von 3,50 Euro einrichten, je Kilometer auf 1,60 Euro. Doch selbst das wird nach Einschätzung von Krotz’ nicht reichen, damit die rund 1400 Taxiunternehmen im Land Belegschaft und Angebot halten können. Sie zweifeln daran, dass die Kundschaft derartige Preissprünge mitmacht. „Viele Fahrer haben schon vorsorglich zum 31. Dezember eine Kündigung bekommen“, schildert Krotz. Bei der Genossenschaft Taxi Kiel hat es jeden sechsten der 600 Beschäftigten getroffen. „Dass immer und überall schnell ein Taxi zur Verfügung steht – davon muss man sich verabschieden“, mahnt der Landesvorsitzende.

Für den ländlichen Raum prophezeit er teils den Zusammenbruch des Angebots. „Dabei bräuchte man angesichts des demographischen Wandels eigentlich mehr statt weniger Taxen.“ Auf dem Dorf hängt das Gewerbe bei einer ohnehin schwacher Nachfrage mindestens zur Hälfte von Krankenfahrten ab. Also davon, dass Taxis auf Kosten der Krankenkassen Dorfbewohner zu Behandlungen transportieren, etwa bei Ärzten oder Krankengymnasten. 200000 solche Fahrten gibt es jährlich in Schleswig-Holstein. „Die Einnahmen daraus tragen erheblich dazu bei, eine Mobilität per Taxi auf dem platten Land zu sichern“, sagt Krotz. Doch wieviel die Kassen von den künftigen Tarifen übernehmen, ist völlig offen. Die Verhandlungen dauern an.

In loser Folge zeigen wir auf, was der gesetzliche Mindestlohn für Wirtschaft und Alltag bedeuten kann. Lesen Sie demnächst, was Schnellrestaurants und Kaffeehaus-Ketten bezahlen.

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