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IG Metall : Tarifparteien im Norden zufrieden mit Abschluss für Metaller

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Es war eine Marathonsitzung – mit einem guten Ende. Arbeitgeber und die Gewerkschaft haben sich in NRW geeinigt. Die Ergebnisse gelten als wegweisend.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2016 | 13:25 Uhr

Köln | Einigung im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie: Rund 3,8 Millionen Beschäftigte erhalten mehr Geld. In der fünften Tarifrunde einigten sich Arbeitgeber und IG Metall am frühen Freitagmorgen in Köln auf einen neuen Tarifvertrag. Die IG Metall Küste und der Arbeitgeberverband Nordmetall haben sich zufrieden mit der Einigung im Tarifkonflikt für die Metall- und Elektroindustrie gezeigt. „Es ist ein ordentlicher Kompromiss, der für die Beschäftigten eine deutliche Erhöhung der Realeinkommen bedeutet“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, am Freitag in Hamburg. Der Pilotabschluss von Köln sieht mehr Geld in zwei Stufen und eine Einmalzahlung von 150 Euro vor. „Es ist ein faires Paket - auch für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie“, sagte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch.

Immer wieder wurde auch in Schleswig-Holstein gestreikt - zum Beispiel bei Danfoss in Neumünster, Dräger in Lübeck oder bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Die nun ausgehandelte Lösung des Tarifkonflikts gilt als wegweisend für die gesamte Branche in Deutschland.

Nächste Wochen wollen die Tarifparteien im Norden über eine Übernahme des Ergebnisses beraten. Mit der nun erzielten Einigung wurde eine Eskalation des Tarifkonflikts nach Pfingsten abgewendet. Die IG Metall hatte eine Ausweitung des Arbeitskampfes in der kommenden Woche angekündigt.

Der Abschluss sieht mehr Geld in zwei Stufen und eine Einmalzahlung vor. Der rückwirkend vom 1. April geltende Vertrag enthält zunächst eine Einmalzahlung von 150 Euro für die drei Nullmonate bis Juni. Danach greift am 1. Juli die erste Stufe von 2,8 Prozent. Die zweite Stufe von 2,0 Prozent gilt dann ab dem 1. April 2017 bis zum Jahresende. Bei aktuell praktisch nicht vorhandener Inflation schlägt die Erhöhung unvermindert auf den Geldbeutel der Beschäftigten durch.

Mit der erzielten Einigung wurde eine Eskalation des Tarifkonflikts kurz vor dem Pfingstwochenende abgewendet. Die IG Metall hatte schon vor Tagen eine Ausweitung des Arbeitskampfes in der kommenden Woche angekündigt, einschließlich der neuartigen Tagesstreiks, falls es bei den Verhandlungen in Köln zu keiner Annäherung kommen sollte.

Vor Beginn der Verhandlungen am Donnerstagmittag hatten die Verhandlungsführer beider Seiten, Knut Giesler für die IG Metall und Arndt Kirchhoff vom Arbeitgeberverband Metall NRW, konstruktive und ernsthafte Verhandlungen angekündigt. „Wenn sie sich nicht bewegen, tragen sie die Verantwortung für eine weitere Eskalation nach Pfingsten“, hatte Giesler zuvor mit Blick die Arbeitgeber auf einer Kundgebung gesagt.

Ursprünglich hatte die IG Metall fünf Prozent mehr Geld innerhalb einer einjährigen Laufzeit gefordert. Die Arbeitgeber boten zunächst für 24 Monate Entgelterhöhungen in zwei Stufen, die sich auf 2,1 Prozent summieren, plus einer Einmalzulage von 0,3 Prozent geben. Außerdem haben die Arbeitgeber Sonderregelungen für wirtschaftlich schwache Betriebe vorgeschlagen.

Was fordern Beschäftigte in anderen Branchen? Antworten liefert die Tabelle über die Tarifrunde 2016, nachzulesen auch auf der Webseite der Hans-Böckler-Stiftung.

Branche Gehaltsforderung
Bankgewerbe 4,9 Prozent
Bauhauptgewerbe 5,9 Prozent
Deutsche Telekom 5 Prozent
Druckindustrie 5 Prozent
Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie 5 Prozent
Hotel- und Gaststättengewerbe 100 Euro/Monat
Nahrung-Genuss-Gaststätten 4,5-5,5 Prozent
Öffentlicher Dienst, Bund und Gemeinden 6 Prozent
Süßwarenindustrie 6 Prozent
Volkswagen AG 5 Prozent

Die Tarife für Deutschlands wichtigsten Industriezweig werden regelmäßig zunächst regional verhandelt. Im Laufe der Gespräche kristallisiert sich dann ein Pilotbezirk heraus, dessen Abschluss auf die anderen Tarifgebiete übertragen wird. In dieser Tarifrunde übernahm Nordrhein-Westfalen die Pilotverhandlungen. Zuletzt war in diesem Tarifbezirk im Jahr 2010 ein Pilotabschluss erzielt worden.

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