Songs von Tom Petty und Neil Young : Tantiemen für mehr als 10.000 Lieder – Milliardenklage gegen Spotify

<p>Neil Young bei einem Auftritt im Jahr 2016. Der Kanadier gehört zu den von der US-Gesellschaft Wixen Music repräsentierten Künstlern.</p>
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Neil Young bei einem Auftritt im Jahr 2016. Der Kanadier gehört zu den von der US-Gesellschaft Wixen Music repräsentierten Künstlern.

Die US-Gesellschaft Wixen Music sagt, der Streaming-Dienst zahle viel zu geringe Copyright-Zahlungen an Autoren und Künstler.

shz.de von
03. Januar 2018, 13:46 Uhr

Los Angeles | Ein Musikverlag fordert von dem weltgrößten Streaming-Dienst Spotify in einer US-Klage mindestens 1,6 Milliarden Dollar ein. Spotify verbreite mehr als 10.000 Songs von Künstlern wie unter anderem Tom Petty oder Neil Young, ohne die Autoren zu bezahlen, erklärte die auf Autoren- und Künstlerrechte spezialisierte US-Firma Wixen Music. Die Summe von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro ergibt sich, weil Wixen jeweils 150.000 Dollar für jeden einzelnen von dem Verlag aufgelisteten 10.784 Titel einfordert. Spotify lehnte einen Kommentar ab.

Spotify ist unter den Streamingdiensten mit mehr als 60 Millionen zahlenden Kunden der Marktführer. Dabei hatte die Firma aus Stockholm im Jahr 2015 einen Verlust von rund 540 Millionen Euro bei rund drei Milliarden Euro Umsatz eingefahren. Nach Angaben von Juni hatte Spotify insgesamt 140 Millionen Nutzer.

Für die Verwendung von Songs müssen grundsätzlich zum einen die Plattenfirmen wie etwa Universal Music bezahlt werden, aber auch die Autoren und Verlage. Letzteres ist deutlich aufwendiger, weil Komponisten und Texter oder ihre Rechtsnachfolger ausfindig gemacht werden müssten. In den USA verlangt das Urheberrecht von Streaming-Anbietern zwar nicht, mit Autoren oder Verlagen zu verhandeln, sie müssen aber über die geplante Verwendung vorher in Kenntnis gesetzt werden. Spotify habe dies in vielen Fällen versäumt, argumentiert Wixen in der Klage. Denn der Streaming-Anbieter habe die Regelung der Autorenrechte an eine andere Firma ausgelagert, die Harry Fox Agency. Spotify sei bewusst gewesen, dass diese nicht die Ressourcen dafür gehabt habe, die Lizenzen zu bekommen, behauptet Wixen.

Der Zeitpunkt der Milliardenklage von Wixen Ende vergangener Woche ist nicht zufällig: Erwartete Gesetzesänderungen in den USA mit dem geplanten Music Modernization Act ließen keine Ansprüche mehr ab dem 1. Januar 2018 zu. Auch Apple wurde mit einem ähnlichen Vorwurf bei seinem Streamingdienst von einem Musiker verklagt.

Grenzenlos Hören mit schlechtem Gewissen

Ein Kommentar von Tobias Fligge

Es könnte so schön sein: Eine gigantische Auswahl an Künstlern und Songs, ausgeklügelte Algorithmen, über die sich tägliche neue Musik entdecken lässt und das alles jederzeit übers Smartphone verfügbar. Der Streaming-Dienst Spotify ist für viele Musikliebhaber ein Grund, regalweise CDs zu verkaufen und sich Musik nur noch per Internet und im Abo zu besorgen.

Dennoch: Wirklich guten Gewissens kann man das Angebot nicht nutzen. Der nahezu grenzenlose Hörgenuss geht zu Lasten von Musikern und Autoren. Das zeigt einmal mehr die Milliarden-Klage in den USA. Spotify soll für Tausende Lieder keine Lizenzgebühren gezahlt haben. Immer wieder steht das Unternehmen zudem wegen viel zu geringer Ausschüttungen an die Künstler in der Kritik und wird deshalb auch boykottiert. In Deutschland etwa sperren sich Farin Urlaub, Herbert Grönemeyer und Sven Regener prominent gegen Spotify. Doch vor allem kleine Bands können mit ihrer Musik auf Spotify kaum Geld verdienen.

Spotify ist eben nicht die Stadtbibliothek um die Ecke, sondern ein Unternehmen mit knallharten wirtschaftlichen Interessen. Hinter der schwedischen Firma stehen Investoren wie Goldman Sachs, Coca Cola und die Deutsche Bank. Und der Streaming-Pionier Spotify ist zudem auch elf Jahr nach seiner Gründung immer noch defizitär. Alles erlauben darf sich das Unternehmen deshalb jedoch nicht.

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