Nach Koalitionsbeschluss zu Erdkabeln : „Südlink“: Stromautobahn kommt später und wird teurer

Die Planungen für „Südlink“ müssen neu beginnen. Netzbetreiber Tennet fordert von der Bundesregierung Planungssicherheit.

shz.de von
30. Juli 2015, 12:19 Uhr

Die geplante Nord-Süd-Stromtrasse „Südlink“ von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg wird viel später fertig als bisher geplant und zudem viel teurer. „Es wird eine Verzögerung von etwa zwei Jahren geben – auch wenn wir noch auf weniger hoffen“, sagte gestern Ulrike Hörchens, Sprecherin des zuständigen Netzbetreibers Tennet, gegenüber dem sh:z.

Die aus zwei Strängen bestehende „Stromautobahn“ mit Startpunkten an der Unterelbe in Brunsbüttel und Wilster würde dann erst 2024 statt 2022 in Betrieb gehen. Grund für den Verzug ist der Anfang des Monats gefasste Beschluss der großen Koalition, beim Bau der Leitung vorrangig auf Erdkabel statt auf Freileitungen zu setzen. „Wir fangen mit der Planung jetzt wieder bei Null an“, sagte Hörchens.

Zweieinhalb Jahre Vorbereitungen, Erörterungen und Bürgerbeteiligung sind damit für die Katz – denn für die Planung von Erdkabeln sind ganz andere Kriterien wichtig als für die von Freileitungen. Während Überlandtrassen über möglichst weite Strecken parallel zu bereits bestehenden Leitungen, Autobahnen oder Bahngleisen gebaut werden sollen, ist das bei Erdkabeln nicht nötig. Sie können daher laut Hörchens viel gerader und direkter verlegt werden und müssen nur Wasserschutzgebiete umgehen. Allerdings ist der Bau auch viel teurer: „Die Kosten betragen das Drei- bis Achtfache“, sagt Hörchens – je nach Landschaft und Bodenbeschaffenheit. Statt der bisher veranschlagten zwei bis drei Milliarden Euro könnte der „Südlink“ daher zehn bis fünfzehn Milliarden kosten. Dafür aufkommen muss letztlich der Stromkunde.

Auch für die Windbauern in Schleswig-Holstein und die Betreiber der Hochseewindparks vor der Westküste ist der Verzug eine schlechte Nachricht. Denn über die „Südlink“-Trasse soll künftig die rasch wachsende Menge Windstrom aus dem nördlichsten Bundesland in die industriellen Zentren in Süddeutschland transportiert werden. Solange aber die Leitung nicht fertig ist, drohen verstärkt Abschaltungen von Windrädern – weil die immer höhere Stromproduktion das Netz sonst zusammenbrechen ließe.

Tennet-Sprecherin Hörchens forderte daher die große Koalition und die Bundesnetzagentur zu raschem Handeln auf. So müsse der Bund die auf Druck von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer angestrebte Gesetzesänderung zum Vorrang von Erdkabeln spätestens im Herbst zu beschließen: „Wir brauchen jetzt schnell Planungssicherheit.“ Vor allem sei es wichtig, bald zu klären, in welchem Ausmaß tatsächlich die teuren Erdkabel verlegt werden sollen.

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