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Lebenshaltungskosten : Studie: Wo Rentner in SH am günstigsten leben

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Eine Studie zeigt starke regionale Unterschiede beim Preisniveau. Die Gewerkschaft warnt vor zu geringen Löhnen.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2016 | 06:30 Uhr

Kiel | Schon seit mehreren Jahren ist ein Trend zu beobachten: Gut betuchte Senioren zieht es nach Schleswig-Holstein, um in dem Land zwischen Nord- und Ostsee ihren Lebensabend zu verbringen. Norddeutsche Luft und Landschaft dürften dabei eine gewichtige Rolle spielen – doch womöglich auch der Geldbeutel. Eine aktuelle Studie zeigt nämlich: In weiten Teilen Schleswig-Holsteins bekommen Ruheständler besonders viel für ihre Rente. Doch Kritiker warnen vor zu viel Euphorie.

Der Prognos-Studie zufolge variiert die Kaufkraft der Ruheständler stark. „Das Preisgefälle zwischen den Regionen ist groß“, sagt Prognos Chefökonom Michael Böhmer. Zwischen jenem Kreis in Deutschland, in dem Rentner am meisten für ihr Geld bekommen, und jenem, wo sie am wenigsten kriegen, liegen gut 43 Prozentpunkte. Gleich in acht Kreisen im nördlichsten Bundesland liegt das Preisniveau für Rentner dabei unter dem Bundesdurchschnitt, wie das Institut im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft berechnet hat.

Die Tabelle zeigt, um wie viel Prozent das Preisniveau in den Kreisen im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt abweicht. Die Kaufkraft der Rente zeigt, wie viel für Produkte im Bundesvergleich gezahlt wird, für die im Kreis 1000 Euro ausgeben werden. Durchschnitt: 0,00%, Quelle: Prognos
Kreis/Kreisfreie Stadt Preisniveau in Prozent Kaufkraft von 1000 Euro Rente Platz bundesweit
Nordfriesland 15,96 862 Euro 7
Stormarn 2,78 973 Euro 70
Pinneberg 1,44 986 Euro 87
Ostholstein 1,44 986 Euro 88
Kiel 1,34 987 Euro 93
Lübeck 0,21 998 Euro 111
Segeberg 0,09 999 Euro 116
Plön -2,35 1024 Euro 175
Flensburg -2,77 1029 Euro 185
Dithmarschen -4,39 1046 Euro 222
Herzogtum Lauenburg -5,04 1053 Euro 232
Rendsburg-Eckernförde -5,06 1053 Euro 233
Schleswig-Flensburg -5,90 1063 Euro 257
Neumünster -7,31 1079 Euro 301
Steinburg -8,63 1094 Euro 326

Für 1000 Euro Rente können sich Ruheständler in diesen Regionen somit mehr leisten als dies im bundesweiten Vergleich der Fall ist. Umgekehrt übersteigt das Preisniveau der verbleibenden Kreise den Bundesdurchschnitt kaum. Selbst die Landeshauptstadt Kiel liegt gerade einmal 1,3 Prozent darüber. Die große Ausnahme im Land bildet Nordfriesland. Prognos selbst beschreibt den Kreis „als Region um die Insel Sylt“. Tatsächlich dürfte es vor allem die für viel Prominenz und Schickeria bekannte Insel sein, die die Zahlen in die Höhe treibt. Nur in sechs Regionen in Deutschland sind sie noch höher. Der teuerste Altersruhesitz ist München. Hamburg schafft es auf Platz elf – 1000 Euro Rente haben in der Hansestadt eine Kaufkraft von gerade einmal 874 Euro. Bundesweit am meisten können sich Ruheständler demnach in Holzminden (Niedersachsen) leisten. 

Hintergrund: So wurden die Daten erhoben

Für die Studie wurden die Lebenshaltungskosten für Rentner in 402 Kreisen und kreisfreien Städten anhand eines Rentner-Warenkorbs verglichen. Die Ausgaben für die Gesundheitspflege wurden dabei fast doppelt so stark gewichtet wie im allgemeinen Warenkorb des Statistischen Bundesamtes, Kosten für die Mobilität hingegen gut ein Drittel geringer angesetzt.

 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Nord sieht die Zahlen der Versicherungswirtschaft indes kritisch. So unterschiedlich wie die Lebenshaltungskosten sei auch das Lohnniveau, gibt der DGB-Nord zu bedenken. Das habe Folgen für die späteren Rentenansprüche der Beschäftigten. Dabei räumt auch Böhmer ein: „Am härtesten trifft es diejenigen, bei denen niedrige Rentenansprüche und hohe Lebenshaltungskosten zusammenkommen“.  

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