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Studie: Seehäfen sollen kooperieren

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Naturschützer halten Vertiefung von Elbe und Weser für überflüssig - und wollen die 750 Millionen Euro lieber in den NOK stecken

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

HAMBURG/BERLIN | Eine enge Zusammenarbeit der norddeutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven mit dem neuen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven würde die geplante Vertiefung der Elbe und der Weser überflüssig machen. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Naturschutzverbandes WWF, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach könnte der tideunabhängige, aber bisher kaum genutzte neue Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven den Konkurrenten im holländischen Rotterdam und belgischen Antwerpen ihren Rang als erste Anlaufhäfen an der Nordsee für große Containerschiffe aus Asien ablaufen. Ein Teil der Ladung würde dann künftig im Jade-Weser-Port gelöscht und über den Landweg oder kleinere Feederschiffe weitertransportiert. Mit dem für Hamburg oder Bremerhaven bestimmten Rest der Fracht könnten die nun leichteren Containerriesen ihre Fahrt durch die Elbe oder Weser fortsetzen, auch ohne dass die Flüsse zuvor vertieft werden müssen.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Betreiber der deutschen Nordseehäfen den Reedern gemeinsame Angebote "mit gut vertakteten Liegezeiten und geringen Zeitverlusten" machen, sagte Studienautor Frank Ordemann, Logistikprofessor in Salzgitter. Er räumte ein, dass Hamburg und Bremerhaven einen Teil des Umschlags verlören. Im Gegenzug würden aber Hafenflächen für "wertschöpfendere und beschäftigungswirksamere Geschäfte als den Containerumschlag" frei. Zudem dienten Hamburg und Bremerhaven auch derzeit fast ausschließlich als zweite Anlaufhäfen für die 33 Containerlinien zwischen Asien und Nordeuropa.

WWF-Expertin Beatrice Claus forderte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, die Ausbaupläne für die Elbe und Weser aufzugeben: "Es ist absurd, dass im Jade-Weser-Port wegen geringer Auslastung Kurzarbeit herrscht - und der Bund gleichzeitig viel Geld für die Elb- und Weservertiefung ausgeben will", sagte sie. Statt dessen sollten die 750 Millionen Euro lieber für den Nord-Ostsee-Kanal-Ausbau genutzt werden.

Der WWF lehnt die weitere Vertiefung der Flüsse ab, weil besonders deren Mündungen wertvolle Ökosysteme darstellten, die ohnehin schon in schlechtem Zustand seien. Gegen beide Projekte klagen Umweltverbände daher auch vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Die Hamburger Hafenwirtschaft hält allerdings nichts von den WWF-Plänen. "Die Studie lässt völlig außer Acht, dass der Reeder und nicht die Politik entscheidet, welche Häfen angelaufen werden", sagte Norman Zurke, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg. Wegen der günstigen Verkehrslage und der hohen Qualität und Zuverlässigkeit sei der Hamburger Hafen dabei "äußerst attraktiv". Im Übrigen kooperierten die norddeutschen Häfen bereits heute dort, wo es möglich sei, etwa beim Hinterlandverkehr.

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