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Machtkampf bei Volkswagen : Streit mit Piëch: Winterkorn bleibt als Vorstandschef im Amt

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Er stand erheblich unter Druck. Jetzt will VW den Vertrag mit Winterkorn sogar verlängern.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2015 | 16:05 Uhr

Wolfsburg | Europas größter Autobauer Volkswagen hält entgegen allen Spekulationen an seinem Vorstandschef Martin Winterkorn fest. Sein Vertrag soll laut Plan sogar verlängert werden. Das teilte die Volkswagen AG am Freitag in Wolfsburg mit und verwies dabei auf eine Entscheidung des Aufsichtsrats-Präsidiums. Winterkorn sei der „bestmögliche“ Vorstandschef. Der sechsköpfige Kern des Aufsichtsrats war am Donnerstag zu einem Krisentreffen in Salzburg zusammengekommen.

Vorstandschef Martin Winterkorn stand erheblich unter Druck, seitdem sein langjähriger Mentor und Chefaufseher Ferdinand Piëch Ende vergangener Woche überraschend von ihm abgerückt war. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, hatte das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Piëch zitiert. Nun äußerte sich die VW-Führung zum ersten Mal in dem schwelenden Machtkampf - und stellte sich hinter den Vorstandschef.

Der sechsköpfige Kern des Kontrollgremiums ließ erklären: „Das Präsidium legt großen Wert darauf, dass Herr Professor Dr. Winterkorn seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher verfolgt und hat hierbei die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums.“ Das Präsidium werde dem Aufsichtsrat vorschlagen, den Vertrag von Winterkorn in der Februar-Aufsichtsratssitzung des Jahres 2016 zu verlängern. Der Kontrakt des bestbezahlten Dax-Managers läuft nach bisherigem Stand Ende 2016 aus.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh hat das Festhalten an Winterkorn als wichtiges Zeichen gewertet. „Als Arbeitnehmervertreter begrüßen wir die Entscheidung des Präsidiums. Wir werden unseren Erfolgskurs mit Martin Winterkorn fortsetzen. Er ist der richtige Mann auf dem richtigen Platz“, sagte Osterloh am Freitag in Wolfsburg.

Auch Berthold Huber von der IG Metall, der wie Osterloh im Präsidium sitzt, stärkte dem VW-Cheflenker den Rücken: „Mit Herrn Winterkorn haben wir einen hervorragenden Automobilisten und legen großen Wert darauf, dass er seine Funktion als Vorsitzender des Vorstandes auch weiterhin so erfolgreich wie bisher verfolgt.“ Die Entscheidung sei „ein gutes Zeichen für die Belegschaft und das Unternehmen“.

Ähnliches sagt auch VW-Aufsichtsrat und IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine: „Aus Sicht der Belegschaft ist es eine gute Entscheidung, dass Herr Winterkorn das Unternehmen weiterführen wird.“

Allerdings ist offen, bis wann Winterkorns Vertrag verlängert werden soll. Ebenso unklar ist es, wie es an der Spitze des Aufsichtsrats weitergehen könnte. Winterkorn galt bis zu der Piëch-Kritik als gesetzter Nachfolger des VW-Patriarchen als Chefkontrolleur. Piëchs Mandat als oberster Kontrolleur läuft noch zwei Jahre.

Winterkorn war beim Treffen des Aufsichtsrats-Präsidium in Salzburg mit von der Partie. Bei den Beratungen ging es nach dpa-Informationen auch um strategische Fragen rund um den Kurs des Vorstands. VW hat derzeit etwa massive Probleme auf dem wichtigen US-Markt.

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite hatte sich nach der Piëch-Kritik eine Allianz zu Winterkorn bekannt. Der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, hatte Piëchs Äußerungen als „Privatmeinung“ bezeichnet. Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmenmehrheit an Volkswagen.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats gilt als Machtzentrum und bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Das Sextett bilden: Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Neben der Distanz-Ansage hatte der „Spiegel“ Piëch auch mit den Worten zitiert: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ Wie es auf diesen Posten weitergeht, bleibt aber offen.

Für den Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer ist „die Schlacht“ bei VW nicht vorbei. Die geplante Verlängerung sei nur ein „Etappensieg“ für Winterkorn und ein Signal, „um zunächst einmal wieder Ruhe in den Konzern zu bringen“. Wie es mittelfristig weitergehe, müsse sich erst zeigen. „Noch ist ja kein Vertrag unterzeichnet“, sagte Dudenhöffer.„Piëch wird sich das bis dahin weiter genau angucken.“ Winterkorn sei noch immer angezählt und stehe unter genauester Beobachtung.

Aus Sicht von Branchenexperte Stefan Bratzel hängt nun vieles davon ab, wie sich der Aufsichtsratsvorsitzende künftig zum Vorstandschef positioniert: „Interessant wird sein, ob Piëch sich positiv zu Winterkorn äußert“, sagte er.

Analyst Frank Schwope von der NordLB zeigte sich von der Entscheidung nicht überrascht. Volkswagen stehe wirtschaftlich gut da - wenn auch nicht sehr gut. So zeige ein Blick auf die renditestärkeren Rivalen Toyota oder Hyundai, dass es noch besser laufen könnte. Er rechne damit, dass nach der Debatte um die Unternehmensspitze „die vorhandenen Baustellen offen diskutiert und angegangen werden“.

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