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Auf der Langstrecke : Streikende Piloten lassen bei Lufthansa 84 Flüge ausfallen

vom
Aus der Onlineredaktion

Lufthansa fliegt wieder im Streikmodus. Bei der inzwischen 13. Arbeitsniederlegung ihrer Piloten kann die Airline am Dienstag mehr als die Hälfte der bedrohten Verbindungen anbieten.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2015 | 15:12 Uhr

Frankfurt | Die Lufthansa scheint die aktuelle Streikwelle ihrer Piloten zunächst gut abfedern zu können. Wegen der erneuten Streikdrohung der Vereinigung Cockpit (VC) hat die Fluggesellschaft für Montag und Dienstag 84 Langstreckenverbindungen abgesagt. 90 Überseeflüge sowie sieben Frachter können hingegen im Streikzeitraum zwischen 8 und 24 Uhr am Dienstag abheben, wie das Unternehmen in Frankfurt mitteilte.

Auf einer Sonderseite informiert die Airline betroffene Passagiere.

Für die streikgeplagte Fluggäste des Konzerns bedeutet das allerdings noch keine Entwarnung, denn die VC hat sich vorbehalten, den mittlerweile 13. Streik in dieser Tarifrunde zeitlich und auf andere Geschäftsbereiche auszuweiten. Infrage kommt dabei der Kurz-und Mittelstreckenverkehr der Lufthansa inklusive der Tochter Germanwings. Hier ist die Zahl der Maschinen wesentlich höher als im Interkontinentalverkehr. Lufthansa plant am Dienstag rund 1500 Flüge. Von den Streiks auf der Langstrecke sind zunächst nur Flüge in München, Frankfurt und Düsseldorf betroffen.

Man werde Aktionen jeweils einen Tag vorher ankündigen, sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Montag. Schon in den vorangegangenen zwölf Streikrunden hatte die Gewerkschaft mehrfach diese Taktik gewählt, um der Fluggesellschaft Ausweichplanungen zu erschweren, zuletzt im März. „Es geht bei einem Streik schließlich darum, mit einem hohen wirtschaftlichem Schaden Eindruck beim Gegenüber zu hinterlassen“, sagte Wahl.

Passagiere aus den gestrichenen Flügen sollen laut Lufthansa so gut wie möglich auf andere Fluggesellschaften umgebucht werden, um sie doch noch ans Ziel zu bringen. Die entstehenden Mehrkosten muss die Lufthansa tragen.

Die Gewerkschaft hatte vergangene Woche die Gespräche mit der Lufthansa erneut für gescheitert erklärt. Der Konzern reagierte „mit großem Bedauern“ auf die Ankündigung. Noch im Laufe des Montags werde ein Sonderflugplan bekanntgegeben, sagte eine Sprecherin.

Es ist der 13. Streik in dem laufenden Tarifkonflikt. In bislang zwölf Streikrunden seit April 2014 hat er der Lufthansa nach deren Angaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt. Vordergründig geht es um die Übergangsrenten der Piloten zwischen Ausscheiden aus dem aktiven Dienst und der Rente. Erklärtes Ziel der Gewerkschaft ist es aber auch, den Ausbau des Billigfliegers unter der Marke Eurowings zu bekämpfen.

Nach Darstellung der VC hatte die Lufthansa es in einem Spitzengespräch mit Vorstandschef Carsten Spohr abgelehnt, die geplante Verlagerung von Flugzeugen und Arbeitsplätzen ins Ausland für die Zeit der Verhandlungen auszusetzen. Daraufhin hatte die VC am Mittwoch die Gespräche erneut für gescheitert erklärt.

„Zuletzt hatte die Lufthansa der VC am vergangenen Wochenende zwei Gesprächsangebote unterbreitet. Diese klangen nur auf den ersten Blick vielversprechend. Eine genauere Analyse zeigte jedoch, dass die Inhalte erneut substanzlos waren“, heißt es in der Mitteilung der Gewerkschaft. Die Lufthansa-Sprecherin sagte, das Unternehmen habe am Wochenende „weitgehende, weitreichende“ Angebote gemacht.

Die VC hatte dem Unternehmen zuletzt nach eigenen Angaben Einsparmöglichkeiten in einem Volumen von rund 500 Millionen Euro angeboten. Neben einem späteren Eintritt in den Vorruhestand sollte innerhalb des Konzerntarifvertrags eine Tarifgruppe für Billigflieger eingeführt werden.

Spohr setzt auf die Rückendeckung seiner Aktionäre im Arbeitskampf mit den Piloten. „Per se goutiert der Finanzmarkt, wenn wir in diesen Arbeitskämpfen hart bleiben“, hatte Spohr am Donnerstagabend in Stuttgart gesagt.

Die VC betonte am Montag, weiter für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Mein Flug fällt aus. Welche Rechte habe ich?

Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei  Verspätungen ab zwei Stunden mit Essen und Getränken zu versorgen sowie Zugang zu Kommunikationsmitteln zu ermöglichen. Dies gilt für Flüge bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden Wartezeit.

Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, können kostenfrei stornieren oder umbuchen.

Was kann ich konkret vor Reiseantritt tun?

Lufthansa rät allen Passagieren, sich vor Antritt ihrer Reise im Internet über den Status ihres Flugs zu informieren. Auf der Lufthansa-Homepage können Kunden unter „Meine Buchungen“ den Status ihrer Flüge einsehen. Eventuell werden dort bereits Ersatz-Flüge angezeigt. Das Service-Center der Lufthansa steht bei Fragen unter Tel.:  0800/850 60 70 zu Verfügung. Der Anruf ist kostenfrei.

Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin?

Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Passagiere, die innerhalb Deutschland reisen, dürfen die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Dafür muss das Ticket online oder an einem Lufthansa Check-in Automaten umgebucht werden.

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern.

Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Was bedeutet Ersatzbeförderung genau?

Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei einem kürzeren Streik von nur wenigen Stunden kann es reichen, zu warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Dauert der Ausstand länger, müssen die Airlines und Reiseveranstalter die Kunden zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen - und von dort aus zum gewünschten Ziel.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtssprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks der Fall. Eine Ausnahme: Der Passagier kann nachweisen, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen abzumildern.

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