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Elektrokonzern : Stellenabbau bei Siemens kostet rund 7400 Arbeitsplätze

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Die Beratungen über den Konzernumbau bei Siemens laufen noch - da kursieren bereits erste Zahlen: Der Elektroriese könnte weltweit rund 7400 Jobs streichen.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 11:45 Uhr

München | Der Elektrokonzern Siemens will nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg im Zuge seines Konzernumbaus weltweit rund 7400 Arbeitsplätze streichen. Das berichtete die Agentur am Donnerstag unter Berufung auf informierte Kreise. In Deutschland stünden rund 3300 Stellen vor dem Aus. Ein Siemens-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Erst am Freitag wird mit offiziellen Informationen über die Folgen des Umbaus gerechnet.

Seit Mittwoch beraten Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter im Wirtschaftsausschuss über die Auswirkungen des Umbaus auf die Arbeitsplätze. Es wird damit gerechnet, dass Siemens an diesem Freitag über die Details informiert.

Siemens-Chef Joe Kaeser will den Elektrokonzern mit dem Umbau schlanker, effizienter und kundennäher machen. Dafür hat er die Einteilung des Geschäfts in Sektoren aufgehoben und die Zahl der Divisionen von 16 auf neun gekappt. Die Medizintechnik soll verselbstständigt werden. Aktivitäten wie die Hörgerätesparte oder der Anteil am Hausgerätehersteller BSH wurden verkauft.

Geschäftlich will Kaeser den Konzern auf Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Zuletzt lief es für den Elektroriesen nicht rund: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (30. September) hatte Siemens einen Gewinneinbruch verbucht.

Klar ist, dass Kaeser Siemens schnell auf Vordermann bringen muss, um wieder Anschluss an Wettbewerber wie den Erzrivalen General Electric aus den USA zu bekommen. Ob es aber reicht, die Einteilung des Geschäfts in Sektoren aufzuheben, mit weniger Divisionen zu arbeiten und Randaktivitäten abzustoßen, bleibt abzuwarten. Denn Siemens mit seinen Produkten für Energie-, Industrie- und Infrastrukturprojekte ist nicht nur auf die weltweite Konjunkturentwicklung angewiesen, sondern auch auf ein gutes Risikomanagement.

Genau hier haperte es in der Vergangenheit immer wieder: Allein im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) summierten sich die Sonderbelastungen aus problematischen Projekten auf rund 900 Millionen Euro. Dazu gehörten beispielsweise Reparaturkosten bei Windrädern und Schwierigkeiten beim Bau von Hochspannungsleitungen in Kanada. Auch das neue Geschäftsjahr begann mau für Siemens: Ein Gewinneinbruch und weitere Herausforderungen, vor allem im wichtigen Energiegeschäft, sorgten auf der Hauptversammlung Ende Januar für Stirnrunzeln der Aktionäre. Mehr Tempo beim Umbau forderten sie deshalb von Kaeser.

Doch etwas Geduld werden sie noch mitbringen müssen. Erste Verbesserungen durch die Neuausrichtungen erwartet Kaeser für 2016, erst im Jahr darauf will er dann die Früchte des Umbaus ernten. Wie weit die Konkurrenz bis dahin wohl gekommen ist? Erst am Dienstagabend gab es einen Dämpfer von der US-Ratingagentur Moody's, die Siemens nun kritischer beurteilt. Wegen steigenden Wettbewerbs in allen Geschäftsbereichen senkte sie ihre Einstufung der Kreditwürdigkeit von Siemens um eine Stufe, bei stabilem Ausblick.

Bereits seit Monaten wird spekuliert, dass durch den Umbau tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen dürften. Die Schätzungen reichten dabei von 5000 bis 15.000 Stellen. Kaeser selbst hatte erklärt, dass zunächst die Arbeitnehmervertreter im Wirtschaftsausschuss, dann die Mitarbeiter und schließlich die Öffentlichkeit informiert werden sollten.

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