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Untreue-Prozess vor dem Landgericht Kiel : Staatsanwalt fordert Haftstrafe für Investor Marco Hahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Verteidiger des Investors und eines Mitangeklagten plädieren auf Freispruch.

Kiel | Die Plädoyers sind gesprochen. Vor dem Landgericht Kiel neigt sich der Strafprozess gegen den aus Flensburg stammenden Investor Marco Hahn (Foto) und den Mitangeklagten Thomas Petersen dem Ende zu. Marco Hahn wird beschuldigt, seinen damaligen Mitarbeiter Petersen zur Untreue in einem besonders schweren Fall angestiftet zu haben.

Bei dem Prozess geht es um knapp 4,7 Millionen Euro. Das Geld wurde der ehemals zum Hahn-Imperium gehörenden Firma Kreuz Consulting GmbH als Darlehen zur Verfügung gestellt. Darlehensgeber war die Firma CapiTrust Enerture GmbH, die 2007 zur Beteiligung am Bau einer Biodieselanlage gegründet worden war.

Als das Darlehen am 30. September 2009 fällig wurde, wies Marco Hahn Thomas Petersen an, die knapp 4,7 Millionen Euro vom Konto der Kreuz Consulting auf das Konto der CapiTrust zu überweisen und das Geld sofort zurückzuüberweisen. Begründung: Das Darlehen der CapiTrust sei verlängert worden. Allerdings existierte zum Stichtag kein schriftlicher Vertrag über die Darlehensverlängerung, der sollte erst danach aufgesetzt werden. Die Kreuz Consulting meldete später Insolvenz an, von dem 4,7-Millionen-Darlehen floss nur ein Kleinstbetrag zurück.

Der Leitende Staatsanwalt hält Thomas Petersen der Untreue in einem besonders schweren Fall für schuldig. Der Angeklagte habe vorsätzlich gehandelt. Petersen habe sich von Marco Hahn „blenden“ lassen. Durch die rechtswidrige Rücküberweisung des Geldes ohne einen schriftlichen Vertrag sei der CapiTrust ein Vermögensschaden von mehr als vier Millionen Euro entstanden. Für Petersen fordert der Staatsanwalt eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Gleichzeitig habe Marco Hahn sich der Anstiftung zur Untreue schuldig gemacht. Für sein „geplantes und dreistes Vorgehen“, so der Staatsanwalt, fordert er eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung. Aufgrund der langen Verfahrensdauer soll es für beide einen Strafnachlass von sechs Monaten geben.

Das sehen die Anwälte der beiden Angeklagten ganz anders. Thomas Petersen habe niemals vorsätzlich und rechtswidrig gehandelt, erklärte dessen Verteidiger. Petersen habe wie von Marco Hahn gewünscht nur den Zahlungsverkehr abgewickelt. Auch sei kein Vermögensschaden entstanden, weil der Darlehensgeber CapiTrust vor und nach der Rückbuchung Anspruch auf die Millionen hatte. Der Verteidiger plädiert auf Freispruch für seinen Mandanten.

Auch Marco Hahns Anwälte sehen kein Fehlverhalten des Angeklagten. Hahn habe weder vorsätzlich Vermögen verschoben noch sei ein Schaden entstanden. Bei der Hin- und Rücküberweisung habe es sich um einen in sich geschlossenen Zahlungsvorgang gehandelt. Die Kreuz Consulting habe über gar kein ausreichendes Kontoguthaben und auch über keine ausreichende Kreditlinie verfügt, um das Darlehen abzulösen. Dennoch habe die Bank die Buchung vorgenommen – und lediglich sichergestellt, dass das Geld wieder zurückfließt. Allein das zeige, dass eine einseitige Ablösung des Darlehens nie geplant war. Es habe keine Anstiftung gegeben und keinen Betrug. Und es sei auch kein Vermögensnachteil eingetreten. Auch Marco Hahns Anwälte fordern: Freispruch.

Das Urteil wird voraussichtlich noch diese Woche fallen. Vor den Plädoyers hatte der Vorsitzende Richter bereits durchblicken lassen, dass der Nachweis für eine Anstiftung zur Untreue wohl scheitern werde. Marco Hahn sei zudem kaum ein Vorsatz zu beweisen. Zugleich gebe es Zweifel an einer vorsätzlichen Vermögensschädigung durch den Angeklagten Petersen. Zeugen hätten zudem dessen Aussagen gestützt.

 

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erstellt am 24.Feb.2016 | 18:03 Uhr

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