Nospa-Chef Thomas Menke : Staat auf Pump wegen Corona: Droht uns eine Währungsreform?

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Die Kosten der Corona-Pandemie werden staatliches Handeln erschweren: Nicht nur Nospa-Chef Menke fürchtet harte Einschnitte.

Margret Kiosz von
23. November 2020, 04:30 Uhr

Kiel/Flensburg | Mit einer wahren Geldflut versuchen Staaten und Notenbanken derzeit, die tiefste globale Rezession der Nachkriegsgeschichte in den Griff zu bekommen. Die Staatsschulden wachsen enorm und bergen gesellschaftlichen Sprengstoff in sich. „Unsere Kinder und Kindeskinder müssen sich ganz sicher auf eine große Last einstellen“, warnt der Vorstandsvorsitzende der Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa), Thomas Menke, und schließt auch harte Eingriffe des Staates nicht mehr aus.

„Ich will nicht sagen, dass wir eine Währungsreform sehen, aber so etwas in der Art wird es geben müssen, damit die angeschlagenen Staatshaushalte am Ende wieder eine Perspektive haben“, erklärt er in einem Gespräch mit shz.de.

Wenn Deutschland schon ächzt, dann ächzen Staaten wie Frankreich, Italien, Spanien oder Portugal noch viel, viel mehr. Deshalb braucht diese Epidemie eine europäische Lösung. Thomas Menke

Das Thema werde „sicherlich geschoben, so lange es geht. Aber wenn die sozialen Spannungen weiter zunehmen, dann wird man in vier, fünf Jahren handeln müssen“, so Menke weiter.

Allein ist der Sparkassenchef mit dieser Einschätzung nicht. Auch Thomas Mayer, Professor an der Universität Witten/Herdecke, sprach sich kürzlich für eine Währungsreform aus, um einen Teil der Staatsschulden stillzulegen. Ansonsten bleibe nur die Inflation „als Fegefeuer zur Schuldenverbrennung“. Doch nicht alle Ökonomen sind so pessimistisch.

Jens Boysen-Hogrefe, Professor am Kieler Institut für Weltwirtschaft und Mitglied des Steuerschätzerrunde der Bundesregierung, meint: „Deutschland kann die zusätzlichen Schulden zur Bewältigung der Corona-Krise gut verkraften.“ Noch bleibe der Verschuldungsanstieg hinter dem in der Finanzkrise 2009 zurück. Sogar Steuererhöhungen oder einen Lastenausgleich hält der Kieler Ökonom hierzulande für unnötig, sofern der Schuldenanstieg beizeiten gebremst werde.

Krise der Sozialversicherungen

„Eine tiefgreifende Währungsreform erscheint mir politisch kaum umsetzbar“, sagt Boysen-Hogrefe. Wichtig sei, dass die wirtschaftliche Entwicklung wieder an den Vorkrisenpfad anknüpfen könne, so dass auch Länder wie Italien aus eigener Kraft Möglichkeiten haben, einer fiskalischen Krise zu begegnen. „Außerdem ist zum Beispiel eine Vermögensabgabe, die in der derzeitigen Situation hierzulande eine Überreaktion wäre, ein Politikinstrument, das in anderen Ländern sinnvoll genutzt werden könnte.“

Selbst wenn der Nospa-Chef für seine Äußerungen zur Währungsreform Gegenwind bekommt – mit anderen Prognosen liegt er offensichtlich richtig. „Die Folge- und Nebenwirkungen von Corona haben nachhaltige Auswirkungen auf die Renten- und Sozialversicherungssysteme“, sagt Menke voraus. Das zeichnet sich bereits jetzt ab.

Über die Erhöhung der Zusatzbeiträge für gesetzlich Krankenversicherte wird inzwischen laut nachgedacht. Und Alexander Gunkel, Chef der Deutschen Rentenversicherung, erklärte in der vergangenen Woche, dass seine Rücklagen schwinden und spätestens 2023 der Rentenbeitrag deutlich von 18,6 auf 19,3 Prozent des Bruttolohns angehoben werden müsse.

Die Hoffnung nicht kaputtreden

Ein Kommentar von Margret Kiosz

Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Dieser Spruch von Ludwig  Erhard hat sich bis in die  hinterste Ecke der Republik  rumgesprochen und ist auch in Flensburg bekannt. Wenn der dortige Nospa-Chef jetzt das Schreckgespenst einer Währungsreform an die Wand malt, macht er das nicht aus Jux und Verantwortungslosigkeit. Nein, die Lage ist ernst. Selbst regionalen Sparkassenfürsten, die  täglich mit Millionen onglieren, wird es angesichts der Billionen-Nullen bei der Staatsverschuldung angst und bange.  

Noch glaubt die Politik –  ähnlich wie nach der Finanzkrise  2009 –  die   Schuldenlast nach Abklingen der Pandemie durch Wirtschaftswachstum und  steigende  Steuereinnahmen bei  mäßiger Inflation wieder  loszuwerden. Doch anders  als damals haben wir es diesmal  nicht mit einer Krise  der Finanzmärkte zu tun, sondern mit einer Krise der Realwirtschaft.   Viele  Unternehmen erzielten schon bevor das Virus zuschlug nur mickrige Erträge  und  werden Konkurs  gehen.

So viele Rettungsschirme kann der Staat gar nicht aufspannen. Er  kann nur dafür sorgen, dass  den zukunftsfähigen Unternehmen, die  den  Karren aus  dem Dreck ziehen können, keine Steine in den Weg gelegt werden.  Die Lage ist  zwar ernst, aber vielleicht nicht ganz hoffnungslos. Diese  Hoffnung macht die  50 Prozent Psychologie aus, die wir nicht kaputtreden sollten.

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