Spediteure setzen auf die Schiene

Spediteur Henning Voigt.  Foto: DWA
Spediteur Henning Voigt. Foto: DWA

Geplantes Kombiverkehrsterminal in Neumünster überzeugt Unternehmer / Lkw-Auflieger per Nachtzug Richtung Süden

shz.de von
09. Juli 2013, 03:59 Uhr

neumünster | Das von der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll (NEG) geplante Kombiverkehrsterminal (KVT) in Neumünster stößt bei den Spediteuren in Mittelholstein grundsätzlich auf positive Resonanz. Dennoch ist der Betrieb noch nicht sicher. Die NEG will ein Gelände am Güterbahnhof ausbauen, um von dort neben Containern und Massengut auch Lkw-Auflieger per Bahn Richtung Süden zu transportieren. Bereits in einem Jahr sollen laut NEG-Geschäftsführer Ingo Dewald-Kehrer an sechs Abenden pro Woche Züge in Richtung Frankfurt am Main und Herne starten.

Für Henning Voigt, Chef eines der größten Logistik-Unternehmen im Land, kommt das Projekt genau zur richtigen Zeit. "Der Ausbau der A7 und die damit verbundenen Staus ab dem kommenden Jahr werden die Branche vor erhebliche Probleme stellen", prognostiziert der studierte Verkehrsfachwirt. Eine weitere Verlagerung des Gütertransport von der Straße auf die Schiene mache daher Sinn. Das Interesse an so einem kombinierten Verkehr werde ohnehin steigen, meint Voigt. Denn nicht nur die Zahl der Staus nehme zu. Seit zwei Jahren gelten auch neue Sozialvorschriften für Fahrer, die zusätzliche Ruhepausen vorsehen. Zudem leiden die Spediteure unter einem Mangel an Fachkräften, der sich weiter verschärfen könnte.

Der Charme des KVT ist daher offensichtlich: Wurden früher auf der "rollenden Landstraße" noch ganze Sattelzüge inklusive Fahrer verladen, so steuern die Trucker heute lediglich ihre Auflieger zur Verladestation und können dann mit der Zugmaschine zurück in die Firma. Unterdessen transportiert der Zug die Waren im sogenannten Nachtsprung an den Zielbahnhof, wo diese - verläuft alles nach Plan - am nächsten Morgen eintreffen.

Das sei eine "sinnvolle Angelegenheit", sagt auch Bernd Muntowski, Geschäftsführer der Sprint Transportgesellschaft. Er bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel. Immer mehr Kunden würden heutzutage beim Transport nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf den Schadstoffausstoß achten, und da habe die Bahn nun einmal deutliche ökologische Vorteile, so Muntowski. Zudem biete der kombinierte Verkehr kleinen sowie mittelständischen Unternehmen wie Sprint die Möglichkeit, ihre Angebotspalette zu erweitern. Allerdings hänge der Erfolg des KVT in Neumünster vor allem von seiner Flexibilität ab. "Wie weit im voraus muss ich einen Platz auf dem Zug buchen? Kann ich auch noch kurzfristig Auflieger mitreisen lassen? Das sind alles Fragen, die geklärt werden müssen", sagt Muntowski.

Ähnlich äußert sich auch Jürgen Sternheim, Geschäftsführer von Sternheim Transport und Logistik. "Grundsätzlich stehe ich dem Projekt positiv gegenüber." Trotzdem wolle er die weitere Entwicklung auch mit Blick auf die entstehenden Kosten erst einmal abwarten. Bahnzugelassene Fahrzeuge, wie sie für einen Transport über die Schiene vorgeschrieben sind, besitze sein Unternehmen aber, so Sternheim.

Für manche Logistiker ist der KVT indes überhaupt nicht interessant. "Wir sind auf Kräne und Schwertransporte spezialisiert, und die können ohnehin nicht einfach so mit dem Zug fahren", sagt etwa Karsten Grote von der Firma Stange & Söhne.

Offen ist daher noch, ob die NEG überhaupt genug Interessenten zusammenbekommt, um die Züge zu füllen. "Mindestens 30 Auflieger müssen jeden Tag ins Rhein-Main und Rhein-Ruhr-Gebiet abfahren und von dort auch wieder zurückkommen, um wirtschaftlich arbeiten zu können", hat Henning Voigt errechnet. Er selbst könne nach heutigem Stand zwei Plätze belegen. Die Erfahrungen jedenfalls verheißen nichts Gutes.

Denn die Idee eines Verladebahnhofs in Neumünster ist nicht neu. Erst vor einem Jahr hatten sich sechs norddeutsche Spediteure zusammengeschlossen und die "Nordland-Rail" Eisenbahngesellschaft gegründet, um einen entsprechenden Umschlagplatz zu schaffen. Doch das Projekt scheiterte, weil die Züge nicht ausgelastet werden konnten.

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